Wildvergiftung: Gegenläufige Aussagen von LFE und LJV

Ein Mitarbeiter des Landesbetriebs Forst erwägt die „medikamentöse Einregulierung“ von Wild und wirft Jägern Trophäengeilheit vor.
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Zu Verbiss gehendes Wild „medikamentös einregulieren“ - diesen Gedanken hegen Mitarbeiter des Landesbetriebs Forst Brandenurg.
Zu Verbiss gehendes Wild „medikamentös einregulieren“ - diesen Gedanken hegen Mitarbeiter des Landesbetriebs Forst Brandenurg.

Anfang Juli fand im brandenburgischen Landtag ein Fachgespräch zum Waldumbau statt. Der Einladung der Landtagsfraktion Die Linke waren zahlreiche Diskussionsteilnehmer gefolgt, darunter Mitglieder der Geschäftsstelle des Landesjagdverbands Brandenburg (LJV) und des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE). Laut Pressemeldung des LJV vom 4. Juli 2022 sorgten Aussagen von LFE-Mitarbeiter Torsten Wiebke, unter anderem wissenschaftlicher Leiter der Fachverfahren Waldinventur und Fernerkundung im LFE sowie Kandidat der Partei Bündnis 90/Die Grünen für die Stadtverordnetenversammlung Eberswalde, für einen Eklat.

Medikamentöse Einregulierung als Vorschlag

Laut Pressemitteilung wies Wiebke auf die Möglichkeit hin, die Einregulierung von Wildtierbeständen medikamentös vorzunehmen. Ein konkretes Vorgehen beschrieb er jedoch nicht. Weiter heißt es, dass Wiebke sich abfällig gegenüber den brandenburgischen Jägern geäußert habe. Dabei soll er gesagt haben, dass er „die Nase voll von den Jägern in Brandenburg, die weder kompromiss- noch dialogbereit seien und denen es nur um dicke Trophäen ginge und dafür das Wild füttern,“ habe. Auf Anfrage der Redaktion an Wiebke, welche konkreten Sachverhalte er vorbringen könne, die solche Aussagen rechtfertigen würden, äußerste sich eine Pressesprecherin des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg (MLUK), dem der Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) und damit ferner das LFE untergeordnet ist. Diese gab an, dass im „Fachgespräch der Fraktion Die Linke […] diese Frage nicht Thema mit dem wissenschaftlichen Leiter der Fachverfahren Waldinventur und Fernerkundung“, Torsten Wiebke, gewesen sei.

Dementi aus dem MLUK

Auf die Nachfrage, wie die angeblichen Aussagen dann in die Pressemitteilung des LJV gelangt seien, ob die Äußerungen vielleicht nicht im Fachgespräch, sondern am Rande der Veranstaltung getätigt wurden, erhielt die Redaktion Antwort, dass die betreffenden Äußerungen „nach Aussagen des Kollegen Herrn Wiebke nicht gefallen“ seien. Kai Hamann, Geschäftsführer des LJV, bestätigte gegenüber der Redaktion die in der Pressemitteilung vorgebrachte Situation zu Wiebkes abfälligen Äußerungen. Demnach sei „diese Aussage von Herrn Wiebke während des Fachgesprächs im brandenburgischen Landtag gefallen.“ Weiter führte Hamann aus, dass „unsererseits […] verschiedene Teilnehmer dabei [gewesen seien], die diese Aussagen ebenfalls mitbekommen haben und bestätigen können.“

„Grob unethisch!“

Zurückkehrend auf die Aussagen zur medikamentösen Einregulierung von Wildbeständen erklärte die Pressestelle des MLUK: „Wenn das Ziel der Waldumbau aus Naturverjüngung ist, müssen offensichtlich Maßnahmen zum Schutz der Pflanzen getroffen werden. Dabei könnte es verschiedene theoretische Möglichkeiten wie Zäunen, medikamentöse Lösungen oder die Jagd geben.“ Ob Wiebke damit die Vergiftung von oder eine Art Empfängnisverhütung für das Wild meint, ist unklar. Eine konkrete Aussage bleibt er schuldig. Dr. Wolfgang Lipps, Rechtsanwalt und Geschäftsführer vom JUN.i Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz GmbH, ist sich sicher: beide Vorgehen wären hochgradig tierschutz- und damit rechtswidrig! „Grundlage der Hege und damit der Wildbewirtschaftung sind neben dem Tierschutz die Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Biodiversität“, schreibt Dr. Lipps bezüglich Wiebkes Anmerkungen auf „jagdrechtsblog.com“. Mit den angedachten Maßnahmen wäre „eine sinnvolle Hege unmöglich, die Nachkommenschaft nicht nachhaltig planbar, die Artenvielfalt dem Zufall überlassen, der chaotischen Wildentwicklung Tür und Tor geöffnet. das Aussterben – vulgo: die Ausrottung – von Arten vorhersehbar“, so Dr. Lipps.

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