Waschbärjagd mit Nachtsichttechnik: Hat LJV Chance verpennt?

Bei der aktuellen Debatte um das Jagdgesetz in Brandenburg ist die Freigabe von Nachtsichttechnik für Neozoen kein Thema.
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In Brandenburg dürfen Waschbären wohl auch weiterhin nicht mit Nachtsichttechnik bejagt werden.
In Brandenburg dürfen Waschbären wohl auch weiterhin nicht mit Nachtsichttechnik bejagt werden.

Im Jagdjahr 2020/2021 wurden in Brandenburg 35.117 Waschbären geschossen. Der Neozoen war dort damit erneut die am meistgejagte Raubwildart. Anders als in anderen Bundesländern, die auch für den invasiven und nach EU-Recht streng zu bejagenden Raubsäuger Nachtsichttechnik freigegeben haben, findet das Thema in der aktuellen Debatte um die Jagdgesetz-Änderung bislang kein Gehör.

Keine Forderung zur Nachtsichttechnik-Freigabe

Gegenüber der Redaktion gab das zuständige Ministerium an, dass es derzeit keine Überlegungen gebe, Nachtsichttechnik für Raubwild und Neozoen zuzulassen. „Im Rahmen der Beteiligung von Verbänden und Ressorts zur Novellierung des Jagdgesetzes für das Land Brandenburg wurden keine Forderungen zur Erweiterung des Einsatzgebietes der Nachtsichttechnik erhoben“, erklärte ein Sprecher.

Thematik fehlt im Positionspapier

Damit konfrontiert, gibt Kai Hamann, Geschäftsführer des Landesjagdverband Brandenburg, an, dass man eine Freigabe von Nachtsichttechnik auf Neozoen ausdrücklich befürworten würde. Diese Forderung wäre auch Teil der Position des LJVB, wenn es zu einem „moderierten Dialog“ zur Erarbeitung der Novellierung des Jagdgesetzes komme. Doch warum fand die Thematik bislang keine Beachtung von Seiten des LJVB? Auf Nachfrage dazu antwortet Hamann, dass man „weder den ersten noch den zweiten Entwurf des Jagdgesetzes als diskussionswürdig“ erachten würde. Doch auch im Positionspapier des LJVB zur Jagdgesetznovellierung fehlt die Nachtsichttechnik-Freigabe für Neozoen und Raubwild! Auf diese Anmerkung ging der Landesjagdverband in unserer Anfrage nicht weiter ein. Es scheint fast so, als hätte der Verband unter Führung von Dr. Dirk-Henner Wellershoff das Thema bislang verschlafen.

Nachtjagdverbot für Raubwild

Welche Auswirkung das hat, zeigt sich nun im zweiten Entwurf. Dieser sieht keinerlei Erleichterungen bei der Bejagung von Raubwild und Neozoen vor, sondern das ganze Gegenteil. Demnach will das grüne Ministerium künftig die Bejagung von Raubwild zur Nachtzeit komplett verbieten! Welche Auswirkungen das auf das Niederwild und vom Aussterben bedrohte Tierarten (z.B. Sumpfschildkröte, Amphibien etc.) hat, scheint den Verantwortlichen egal zu sein.

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