Problemwolf: Wolf aus Friedeburger Rudel darf geschossen werden

In den Landkreisen Friesland und Wittmund hatte ein Wolf immer wieder Rinder gerissen. Das Individuum soll nun entnommen werden.
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16. September 2022
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Wolf_Symbolbild
Auf das Konto des Wolfs gehen zahlreiche Rinderrisse.

Ein Wolf aus dem sogenannten Friedeburger Rudel darf entnommen werden. Eine entsprechende artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Entnahme des Tieres in den Landkreisen Friesland und Wittmund, Niedersachsen, wurde am Mittwoch, den 14. September 2022, erlassen. Die Entscheidung des zuständigen Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) teilte das Umweltministerium in Hannover in einer Presseerklärung mit. Aufgrund der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht sei die Entscheidung im Einvernehmen mit den zuständigen Jagdbehörden getroffen worden, hieß es.

Reaktion auf Übergriffe auf Rinderherden

Seit Juli dieses Jahres kam es in den Landkreisen Friesland und Wittmund immer wieder zu Übergriffen auf Rinderherden. Getötet wurden dabei insgesamt sieben Rinder. Das Ergebnis einer genetischen Probe bestätigte den Wolf als Verursacher der Nutztierrisse. Dabei wurden demnach mehrfach Tiere aus Herden gerissen, deren Größe und Zusammensetzung normalerweise einen Schutz vor Wolfsangriffen darstellen. Der schadensverursachende Wolf hat sich offenbar auf diese Art des Beutemachens spezialisiert und eine entsprechende Jagdtechnik entwickelt, teilte das Umweltministerium Niedersachsens mit. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass der Wolf diese erlernten Fähigkeiten auch künftig zum Beutemachen nutzen und erweitern wird. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich, dass dieses erlernte Verhalten an andere Rudelmitglieder weitergeben wird.

"Wolfspopulation wächst rasant"

Damit sind dem Ministerium zufolge die rechtlichen Voraussetzungen zur Entnahme des schadensverursachenden Tieres erfüllt. So soll das Tier daran gehindert werden, weitere große Schäden zu verursachen. Zudem habe die Entnahme keine nachteiligen Auswirkungen auf den Erhaltungszustand der Wolfspopulation in Niedersachsen. Dazu sagt Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies: „Wir haben in Niedersachsen mittlerweile mindestens 44 Rudel mit etwa 400 Tieren. Und die Population wächst rasant. Der Wolf ist nicht nur in Niedersachsen in seinem Bestand nicht mehr bedroht. Das sage ich gerade auch an die Adresse derjenigen im Land, die sagen, wir würden mit unserem Vorgehen die Ausrottung des Wolfes billigend in Kauf nehmen.“

Flächendeckender Herdenschutz in Wolfsgebieten gefordert

Der NABU sieht das Vorgehen kritisch und argumentiert, dass die offizielle Nutztierrissstatistik Niedersachsens belege, dass Schadensfälle vor allem dort auftreten, wo kein entsprechender Herdenschutz durchgeführt wurde. In Gegenden, in denen der Wolf länger präsent ist und in denen bereits seit längerem Herdenschutz betrieben wird, gehen die Risszahlen nachweislich zurück. „An flächendeckendem Herdenschutz in Wolfsgebieten führt kein Weg vorbei. Dieser ist die einzige, dauerhafte Lösung zum Schutz von Nutztieren. Die meisten bisherigen Nutztierrisse wären zu vermeiden gewesen, wenn auf die fachgerechte Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen gesetzt würde. Herdenschutz wirkt langfristig effizient und zahlt sich für Weidetierhaltungen und Wolf gleichermaßen aus, wie auch das NABU-Projekt ‚Herdenschutz Niedersachsen‘ erfolgreich zeigt“, bekräftigt der Landesvorsitzende des NABU Niedersachsen, Holger Buschmann.

Umweltminister Lies appellierte in Bezug auf die Umsetzung der Ausnahmegenehmigung an diejenigen, die den besonderen Schutz des Wolfes vorrangig im Blick haben, das gut begründete staatliche Entscheidungen zu respektieren: „Artenschutz braucht Akzeptanz. Gerade in den besonders betroffenen Gebieten müssen die Menschen sich auf den handlungsfähigen Staat verlassen können“, so Lies.

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