Polizeidienststelle: Unbeabsichtigte Schussabgabe mit Dienstwaffe

Beim Besuch dreier Schulklassen in einer Polizeidienstelle ist es zu einer unbeabsichtigten Schussabgabe gekommen.
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Die Walther P99 DAO wird bei der Polizei in NRW als Dienstwaffe geführt.
Die Walther P99 DAO wird bei der Polizei in NRW als Dienstwaffe geführt.

Am Dienstag, den 30. August 2022, hatten drei Klassen der Ahr-Grundschule Blankenheim die örtliche Polizeidienststelle im Landkreis Euskirchen, Nordrhein-Westfalen (NRW) besucht. Bei der Führung durch die Räumlichkeiten wollte ein Polizist den Gästen eine Dienstpistole zeigen. Dabei kam es zu einer unbeabsichtigten Schussabgabe. Das berichtete noch am selben Tag die Kreispolizeibehörde Euskirchen in einer Pressemitteilung. Laut der Stellungnahme „entnahm der Beamte eine Dienstpistole aus dem Tresor der Dienststelle. Aus bisher ungeklärter Ursache löste sich hierbei ein Schuss.“

Dienspistole mit verschiedenen Funktionssicherungen

Auf Nachfrage der Redaktion bestätigte die Kreispolizeibehörde Euskirchen, dass es sich bei der Dienstwaffe um eine Walther P99 handelt. Die Polizei in NRW führt seit einigen Jahren das Model in einer speziellen „Double-Action-Only“-Variante. Bei dieser ist der Schlagbolzen nicht vorgespannt, sondern wird mittels Betätigung des Abzugs gespannt und ausgelöst. Die hierfür notwendige Kraft liegt bei 38 Newton. Das entspricht knapp 3,9 Kilogramm Abzugsgewicht. Drei automatische Sicherungen wie eine Fallsicherung sorgen dafür, dass der Schlagbolzen erst auslösen kann, wenn der Abzug betätigt wird. Eine Schussabgabe ist nur bei vollständig betätigtem Abzug möglich. Eine Ladestandsanzeige zeigt an, wenn sich eine Patrone im Patronenlager des Laufs befindet.

Disziplinarverfahren eingeleitet

Ob die Dienstwaffe fertiggeladen im Tresor lag, ob der Polizist die Dienstwaffe fertig geladen hat oder ob eine Ladestandskontrolle der Waffe durch den Polizisten durchgeführt wurde und wenn nicht, warum er dies nicht getan hat, sind Fragen, die die Kreispolizeibehörde Euskirchen aufgrund eines andauernden Disziplinarverfahrens gegenüber der Redaktion nicht beantworten wollte. Das Ermittlungsverfahren diene derzeit „zur Prüfung eines innerdienstlichen Fehlverhaltens“. Schließlich ließe der Vorfall „augenscheinlich die Verletzung von dienstlichen Vorschriften/Pflichten erwarten“, erklärte die Behörde in einer nachfolgenden Pressemitteilung vom 31. August. Dagegen komme nach einer Bewertung des Geschehens „die zuständige Staatsanwaltschaft Aachen zum jetzigen Zeitpunkt zum Entschluss, dass ein strafrechtlicher Sachverhalt nicht vorliegt“, heißt es weiter.

Immer wieder „gelöste“ Schüsse

Bei dem Vorfall durchschlug das Projektil eine Ständerwand und blieb in einem dahinter stehenden Schrank stecken. „Die Mündung der Waffe zeigte zum Zeitpunkt der Schussabgabe nicht in die Richtung der Schüler- bzw. der Besuchergruppe“, heißt es in einer der Pressemitteilungen. Verletzt worden sei dabei niemand.

Immer wieder gibt es Berichte über Vorfälle bei Behörden, bei denen sich „ein Schuss gelöst“ hat. Dabei sind moderne Dienstpistolen wie die Walther P99 DAO so aufgebaut, dass verschiedenste Sicherheitsmerkmale eine unbeabsichtigte Schussabgabe ohne vollständige Betätigung des Abzugs unmöglich machen. Ein solcher Vorfall kann einem Jäger oder Sportschützen die waffenrechtliche Zuverlässigkeit und damit die Waffenbesitzkarte und schließlich seine Waffen kosten. Welche Konsequenzen das Disziplinarverfahren für den Polizisten im Fall von Blankenheim haben wird, bleibt abzuwarten.

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