Offensichtliche Jagdwilderei: Staatsanwaltschaften weisen Fall ab

Trotz eindeutiger Beweise wurde ein Fall von Jagdwilderei in Bayern in zwei Instanzen abgewiesen. Das stößt auf Unverständnis.
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Beide Urteile stoßen auf Unverständnis der Jäger.
Beide Urteile stoßen auf Unverständnis der Jäger.

Mitte Januar 2022 haben zwei Jäger in Ollarzried (Memmingen, Bayern) auf dem Weg zu ihrer Ansitzeinrichtung ein gerissenes Reh aufgefunden. Sie ließen es zunächst liegen und wollten sich nach dem Ansitz darum kümmern. Gut 1,5 Stunden später war das Reh verschwunden. Ebenfalls wurden die hinterlassenen Spuren versucht zu verwischen: Mit einem Rechen wurde der schneereiche Boden bearbeitet. Jedoch blieb der Schweiß im weißen Schnee und auch Pfotenspuren eines oder mehrerer Hunde waren sichtbar. Der Verdacht fiel auf die zwei Labradore des in der Nähe stehenden Anwesens. Wie der Jagdpächter der Redaktion mitteilt, war bekannt, dass die zwei Retriever häufig unbeaufsichtigt herumliefen.

Polizei findet gerissenes Reh im Kofferraum

Die vom Jagdpächter alarmierte Polizei nahm die Ermittlungen auf. Mithilfe eines Durchsuchungsbefehls konnten die Beamten im Auto des Hundehalters das gerissene Reh in einer Tüte auffinden. Zusätzlich wurden Proben vom Wildtier und den Hunden genommen, um einen DNA-Abgleich zu erstellen. „Die Ergebnisse waren eindeutig“, so der Jagdpächter. Dieser stellte daraufhin Anzeige wegen Jagdwilderei.

Anklage wird abgewiesen

Gut drei Monate später wurde das Verfahren gegen den Beschuldigten von der Staatsanwaltschaft Memmingen eingestellt. Grund dafür sei, dass die Jagdwilderei nicht vorsätzlich gewesen wäre. Weder der Riss durch die Hunde noch, dass der Beschuldigte das Reh in sein Auto lud. Laut der Staatsanwaltschaft Memmingen bestreitet der Beschuldigte alle Vorwürfe. Er habe seine Tiere zum besagten Zeitpunkt nicht aus dem Haus gelassen und das Reh habe er nur verladen, damit der Verdacht bezüglich des Reißens nicht auf seine Hunde falle.

Nach der ersten Entscheidung legte der Jagdpächter Beschwerde ein. Doch auch die Generalstaatsanwaltschaft München wies den Fall ab. Der Tatbestand der Jagdwilderei könne unter den glaubhaften, jedenfalls nicht widerlegbaren Angaben des Beschuldigten nicht angewiesen werden, so die Generalstaatsanwaltschaft.

Entscheidung stößt auf Missverständnis

Für den Jagdpächter sei das eine unverständliches Entscheidung seitens der Staatsanwaltschaften. Laut § 292 (1) StGB wird die Jagdwilderei unter anderem wie folgt definiert: „Wer unter Verletzung fremden Jagdrechts oder Jagdausübungsrechts dem Wild nachstellt, es fängt, erlegt oder sich oder einem Dritten zueignet, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. […]“.

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