Ganzjährige Schonzeit für Feldhase und Rebhuhn?

In Hessen sollen Rebhuhn und Feldhase ganzjährig geschont werden. Das will das Umweltministerium laut eines neuen Gesetzesentwurf.
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Feldhase und Rebhuhn ganzjährig geschont? Das hat nun das hessische Umweltministerium vor.
Feldhase und Rebhuhn ganzjährig geschont? Das hat nun das hessische Umweltministerium vor.

In Hessen sollen laut Jagdverordnungsentwurf des hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) der Feldhase und das Rebhuhn in der Zukunft ganzjährig geschont werden. Der Entwurf war am 27. Juni beim Landesjagdverband Hessen (LJV) eingegangen. Laut Pressemeldung des LJV fehlte aber der entsprechende Satz zu der Neuregelung der Schonzeit zwischen den anderen, die Verordnung betreffenden Gegenständen. Die Information zu der geplanten Neuregeleung wurde erst am 4. Juli nachgereicht. Die Begründung: ein angeblicher technischer Fehler. Währenddessen waren aber schon die Stellungnahmen der Hegegemeinschaften und Jagdvereine beim LJV eingetroffen und von diesem in seine allgemeine Stellungnahme den Jagdverordnungsentwurf betreffend eingearbeitet worden.

„Affront gegen die Jägerschaft“

Der LJV Hessen fühlt sich hintergangen. „Dieser Entwurf der Jagdverordnung ist ein Affront gegen die Jägerschaft, die insbesondere in den vergangenen sechs Jahren ihre Hegebemühungen für die Leitarten der Feldflur deutlich verstärkt hat“, heißt es in der Pressemitteilung des LJV. „Die Planungen des HMUKLV, dem Rebhuhn und Feldhasen keine Jagdzeit mehr einzuräumen beweist nur mehr, dass wir es hier anscheinend ausschließlich mit ideologischen Gründen zu tun haben“, so der LJV weiter.

In Hessen gebe es für beide Niederwildarten stabile und nachhaltig bejagbare Besätze. Zudem würden die Jägerinnen und Jäger das Niederwild – also auch Rebhuhn und Hase – sehr zurückhaltend und nachhaltigen bejagen. Im Jagdjahr 2021/22 wurden beispielsweise gar keine Rebhühner erlegt. „Diese Daten und Fakten werden im nun vorliegenden Entwurf der Jagdverordnung ignoriert. Ein fatales Signal für das Vertrauen in die Entscheidungsprozesse in der Politik und ein schwerer Schlag gegen das in der Hessischen Verfassung verankerte ehrenamtliche Engagement“, so der LJV.

Zukunft der Jagdhundeausbildung ungewiss

Auf Anfrage der Redaktion antwortete das HMUKLV ausweichend. Die Jägerinnen und Jäger würden zwar einen guten Job bei den Feldflurporjekten für das Rebhuhn machen. „Großflächig betrachtet, ist es [das Rebhuhn] in seinem Fortbestand weiterhin stark gefährdet, weshalb seine Bejagung nach u.a. europäischem Naturschutzrecht zum heutigen Zeitpunkt nicht angezeigt ist.“

Dass die hessische Jägerschaft mittlerweile freiwillig auf die Bejagung der Rebhühner und in Teilen der Feldhasen verzichtet, wird nicht anerkannt. „Die jährlich zweifach durch die Jägerschaft durchgeführten Feldhasentaxationen ergeben hingegen relativ stabile und erfreuliche Ergebnisse. Trotz allem ist es zur weiteren Förderung des Feldhasen wichtig, seine Bestände verantwortungsvoll zu bejagen bzw. zu schonen“, heißt es in der Stellungnahme des Ministeriums gegenüber der Redaktion.

Auch auf die Frage, wie sich das Ministerium in Zukunft die Jagdhundeausbildung vorstelle, wenn, neben vielen anderen Dingen, keine Hasenspur mehr gearbeitet werden dürfe, erhielt die Redaktion keine Antwort. Die Verbänden haben laut HMUKLV nun mit Frist zum 31. Juli Zeit, „eine Stellungnahme zum Ende Juni versandten Verordnungsentwurf abzugeben“ – dabei dürfte die „aus Versehen“ erst am 4. Juli versandte Passage LJV und JGHV wohl am meisten beschäftigen.

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