EU-Bleiverbot: Forderungen der Verbände veröffentlicht

Seit langem wird das Bleiverbot für Munition vorbereitet. Endlich positionieren sich die deutschen Interessenverbände geschlossen.
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Nicht für alle Jagd- und Sportwaffen gibt es bleifreie Alternativen.
Nicht für alle Jagd- und Sportwaffen gibt es bleifreie Alternativen.

Über 400.000 deutsche Jägerinnen und Jäger wären von einem generellen Bleiverbot für Munition betroffen, sollte die EU-Kommission ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Das ist nach den rund drei Millionen Sportschützen die zweitgrößte Interessengruppe in Deutschland. Daneben hätte ein solches Verbot Auswirkungen auf die 2.300 Herstellungs- und Handelsunternehmen in diesem Bereich sowie ihre rund 30.000 Beschäftigten.

Nun haben die Interessenverbände aus Schießsport, Schützenwesen, Jagd, Industrie, Handel und Handwerk hinsichtlich der EU-weiten Nutzung bleifreier Munition einen Forderungskatalog vorgelegt.

Damit Sie sich selbst einen Eindruck von den Forderungen der Verbände verschaffen können, geben wir diese hier nun im Original wieder:

  • Ausschluss aller behördlich genehmigten „Outdoor“-Schießstände von den geplanten Beschränkungen, die gemäß den nationalen rechtlichen Vorgaben (genehmigte Anlagen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden und über ein Geschossfangsystem verfügen, das ein Auffangen und Recyclen bzw. fachgerechtes Entsorgen des Geschossbleis ermöglicht) operieren; insbesondere Wegfall der geplanten Beschränkungen für Schrot-Schießstände (90% Recycling-Vorgabe, Lizensierungsverfahren für die Erlaubnis zur Nutzung bleihaltiger Schrotmunition)
  • Dauerhafter Ausschluss des „Indoor-Schießsports“ von den geplanten Beschränkungen
  • Weitreichende finanzielle Unterstützung für die Erforschung und Erprobung geeigneter alternativer Geschossmaterialien zur Wahrung des Kerns des Schießsports als Präzisionssportart
  • Weitreichende finanzielle Unterstützung seitens der EU, des Bundes und der Länder für die teilweise nötig werdende Umrüstung der bestehenden Schießstandinfrastruktur, insbesondere vor dem Hintergrund möglicher Bodensanierungen und der Schließung sicherheitsrelevanter Lücken sowohl auf Schrot- als auch auf Einzelgeschoss-Schießständen
  • Längere und einheitliche Übergangszeiträume für Jagd und Sportschießen
  • finanzielle Kompensation für künftig nicht mehr verwendbare Waffentypen und nicht mehr verwend- und verkaufbare Bleimunition zu Marktpreisen für Anwender und Handel

Praktikable Lösungen gefordert

Die Verbände betonen, dass der Schutz der Umwelt ein wichtiges Ziel sei, dass sie alle verfolgen. „Bei der Umsetzung des Umweltschutzes gilt es jedoch auf objektiver und wissenschaftlich basierter Grundlage praktikable Lösungen zu finden, die Umweltschutz, Sport und Brauchtum vereinbaren“, heißt es im Text des Forderungskatalog. Deshalb müsse „Munition, die auf Schießständen mit Recyclingverfahren, die als geschlossene Systeme zu verstehen sind, verwendet wird, […] im Hinblick auf den Bleigehalt grundsätzlich als unproblematisch bewertet werden, da es hier zu keinem nennenswerten Bleieintrag in die Umwelt kommt.

„Zum Schutz und Fortbestand der Jagdausübung“

Weiter wird betont, dass noch nicht für alle Jagd- und Sportwaffen eine echte bleifreie Alternative bestehe. „Dies würde de facto zu einer Enteignung von Bürgerinnen und Bürgern sowie des Handels führen, da diese Waffen „über Nacht“ ihren Wert verlieren“, sollte ein Gesetz ohne entsprechende Regelungen verabschiedet werden. Ähnliches gelte für Schießstände, von denen viele nicht für den Einsatz bleifreie Munition konzipiert sind. Hier müssten die Geschossfänge, Deckenabhängungen, Boden-und Wandbeläge usw. entsprechend erneuert werden, um einen notwendigen Schutz gegen Querschläger und Splitter zu gewährleisten.

„Ein einfacher Wechsel von bleihaltiger auf bleifreie Munition ist nicht möglich“, heißt es weiter. Die Forderungen bestünden „Zum Schutz des anerkannten immateriellen Kulturerbes „Schützenwesen in Deutschland“, für den Fortbestand der schießsporttreibenden Vereine, für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in internationalen Sportschieß- und Biathlonwettkämpfen, für die Jagdausübung und die deutsche Industrie und den Handel“.

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