BJV bestätigt: anonymer Brief mit Anschuldigungen ist echt

Wutausbrüche und Beschimpfungen - ein offener Brief ging mit der BJV-Führung hart ins Gericht. Nun wurden Recherchen der PIRSCH bestätigt.
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Nach einem anwaltlichen Schreiben erkennt auch der BJV den offenen Brief ehemaliger Mitarbeiter als echt an.
Nach einem anwaltlichen Schreiben erkennt auch der BJV den offenen Brief ehemaliger Mitarbeiter als echt an.

Eine Nachricht, die Paukenschlag-Charakter hat: In der Nacht auf Mittwoch erklärte der Bayerische Jagdverband (BJV) für echt, was die PIRSCH längst wusste: Der anonyme Brief von ehemaligen Mitarbeitern der Geschäftsstelle, der schwere Anschuldigungen gegenüber Ernst Weidenbusch und Robert Pollner enthielt, ist echt.

Der Inhalt hatte es in sich: Wutausbrüche, Beschimpfungen, Mitarbeiter seien angeblich gegeneinander ausgespielt, über andere in ihrer Abwesenheit „gerichtet“ worden. In Feldkirchen hat sich laut den Verfassern ein Klima der Angst und des Misstrauens etabliert – und: Projekte mit gutem Ruf und großer Strahlkraft seien laut offenem Brief „nicht mehr zu finden“.

Skepsis gegenüber der Whistleblowing-Stelle

Auf der Pressekonferenz in Feldkirchen wurde Ernst Weidenbusch von Medienvertretern mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Eine Whistleblowing-Stelle sollte eingerichtet werden. Verantwortlich dafür ist – wie es scheint – die Kanzlei von Tobias Fritz, einem Mitglied des Rechtsausschusses. Seine Kanzlei könne dies pro bono – also kostenlos – übernehmen. Den Whistleblowern wurde seitens des Präsidiums Anonymität zugesichert. BJV-Justiziarin Dr. Schrems-Scherbarth äußerte sich damals zu einer möglichen Befangenheit, und verwies darauf, dass das Präsidium in sich nicht homogen sei.

Kanzlei hat keine Zweifel

Die Kanzlei überprüfte daraufhin die vorgelegten Arbeitsverträge und Kündigungen der vier Ex-BJV-Mitarbeiter. Für die Kanzlei besteht laut der uns vorliegenden anwaltlichen Versicherung „keinerlei Anlass zu Zweifeln“, dass es sich bei den vieren um ehemalige Angestellte des BJV handle. Den Weg über die Whistleblowing-Stelle lehnte die Gruppe ab. Ursache dafür ist laut dem Dokument fehlendes Vertrauen aufgrund der Nähe zum Präsidium.

Co-Autoren wendeten sich an Anwalt

Dennoch scheint es, als hätten die Autoren des Briefs Skepsis zur Unabhängigkeit der Whistleblowing-Stelle gehabt. Vier Personen wandten sich daher an die Bayreuther Kanzlei „Anton Heinekamp Teufel“, nachdem die Echtheit des offenen Briefes in der Pressekonferenz des BJV zur Debatte gestanden hatte.

Außerdem gab sich die Ex-Angestelltengruppe als Mitautoren des offenen Briefes zu erkennen. Rechtsanwalt Oliver Heinekamp betont in der anwaltlichen Versicherung, dass es „keine Zweifel an der Urheberschaft des offenen Briefes bestehen und dieser tatsächlich von einer Gruppe ehemaliger Mitarbeiter der BJV-Geschäftsstelle verfasst wurde.“

Das plant der BJV

Der BJV versandte noch in den späten Abendstunden des 29. Novembers eine Pressemitteilung, die auf der anwaltlichen Versicherung Heinekamps basierte. Der Verband bestätigte nun ebenfalls die Echtheit des offenen Briefes.

Laut Pressemitteilung wolle man nun den Inhalt als Anlass zur selbstkritischen Auseinandersetzung mit dem Schreiben nehmen. „Wir geben daher allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, sich - unter Wahrung der Anonymität gegenüber dem Präsidium – ebenfalls bei einem Rechtsanwalt zu äußern“, heißt es weiter. Welche Kanzlei damit gemeint ist, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.

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