ANIMOT: Das wurde aus dem bayerischen Wildunfall-Warnsystem

Derzeit steigt die Gefahr für Wildunfälle. Bayern testete vor vier Jahren ein Warnsystem. Was wurde aus dem Projekt?
In Bayern testete man vier Jahre lang ein Wildwarnsystem namens Animot. Mittlerweile ist eine Tendenz zu erkennen, wie es weitergeht.
In Bayern testete man vier Jahre lang ein Wildwarnsystem namens Animot. Mittlerweile ist eine Tendenz zu erkennen, wie es weitergeht.

Es ist schnell passiert: Ein Moment der Unachtsamkeit und schon ist das Reh auf der Straße übersehen und es kommt zur Kollision. Um derlei Situationen zu vermeiden, begannen Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein vor vier Jahren das Warnsystem Animot zu testen. Infrarotsensoren an den Leitpfosten erkennen Wild im Straßenumfeld und warnen Verkehrsteilnehmer dann durch Aufblinken von Warnlampen. Mittlerweile ist die Testphase abgeschlossen. So soll es auf Bayern Straßen nun weiter gehen.

Technik wird aktualisiert

Insgesamt gab es vier Pilotstrecken in den Landkreisen Schweinfurt, Wunsiedel und Erding/Landshut. Die dort erzielten Ergebnisse über drei Jahre arbeitet das bayerische Bauministerium als projektverantwortliche Behörde nun auf. Dann soll entschieden werden, ob weiterhin auf die Technologie gesetzt werden soll. Derzeit werde Animot vom Hersteller weiterentwickelt, heißt es aus dem Ministerium. Die ersten Erkenntnisse stimmen optimistisch: Wenn die Weiterentwicklung erfolgreich abgeschlossen ist, könne man sich eine Fortsetzung der Zusammenarbeit in Bayern vorstellen, teilt der PIRSCH eine Sprecherin der Behörde mit. Im Bereich von Hohenpolding hätte "Animot" die Wildunfälle fast gänzlich reduziert. Diese Erkenntnis ist laut Herstellerfirma jedoch mit Vorsicht zu genießen - während Corona war nachts kaum Verkehr unterwegs.

Kommunikation verbessern

Auch die Kommunikation mit Verkehrsteilnehmern sei nicht vollumfänglich ideal gelaufen. Aus Umfragen wisse die Firma, dass etwa ein Drittel der Verkehrsteilnehmer die Wirkungsweise der Blinklichter missverstanden habe: Die blinkenden Warnlichter seien als Abschreckung fürs Wild, nicht als Hinweis auf Wild im Fahrbahnumfeld wahrgenommen worden. Solche Faktoren wollte man optimieren, hieß es im Februar 2022.

Mehrgleisig fahren beim Thema „Wildunfall“

Allerdings ist „Animot“ nicht die einzige Strategie des Freistaats. Auf landesweiter Ebene werden spezifische und systematische Unfallauswertungen zum Thema Wildunfälle abgehalten. Außerdem ist die Unfallprävention im Fokus. Heißt: Es werden weiterhin Wildwechselverkehrszeichen und Wildschutzzäune eingesetzt. Die Krux an den Zäunen zeigt sich auf Bayerns Landstraßen. Bei Einmündungen und privaten Zufahrten müssen die Zäune unterbrochen werden. Und: Sie schränken die Lebensräume des Wildes ein. „Daher testen wir wie mit Animot immer wieder innovative Abhilfemaßnahmen und führen Pilotversuche durch. Ein weiteres Beispiel dafür sind Wildwarnreflektoren, die allerdings laut Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen das Verhalten des Wildes nahezu nicht beeinflussen“, heißt es aus dem Bauministerium.

Viele Akteure ziehen an einem Strang

Das Bauministerium ist in Bayern nicht der einzige Akteur, der gegen Wildunfälle vorgeht. So startete das Innenministerium 2014 gemeinsam mit dem Bayerischen Jagdverband eine Untersuchung an sechs Wildunfallstrecken in Bayern. Seither findet ein regelmäßiger Austausch mit dem Bayerischen Jagdverband statt, bei dem u.a. über die Unfallentwicklung gesprochen wird. Hier zeigt sich eine erfreuliche Tendenz: Die Wildunfälle in Bayern sind 2022 um 2,9 Prozent auf 79.515 Wildunfälle zurückgegangen. Bei den Unfällen kamen zwei Personen ums Leben. Jedoch ging die Zahl der verletzten Personen um 6,5 Prozent auf 475 zurück.

Big-Data trifft aufs Wild

Aber auch im Innenministerium geht man moderne Wege. Die App „wuidi“ für das Smartphone wird durch das Ministerium unterstüzt. Die Strategie: Ein Wildwechselradar warnt vor Gefahrstellen. Im Fall eines Unfalls liefert die App eine Handreichung, wie zu verfahren ist. Mit im Boot ist dabei auch die Wissenschaft, genauer gesagt die Technische Hochschule Deggendorf, die mit dem Projekt „WilDa“ eine dynamische Wildunfallwarnung für „wuidi“ über heterogene Verkehrs-, Unfall- und Umweltdaten und „Big Geodata Ansätzen“ erzeugt. 

Blick nach Norden

In Hessen sind die Behörden ebenfalls aktiv: Die hessische Warn-App „hessenWARN“ hat seit 2020 das Feature, vor Wildwechseln zu warnen. Mittels eines Algorithmus weist die App auf mögliche Wildwechselgefahr auf bestimmten Strecken hin. Grundlage hierfür sind unter anderem Ort, Tages- und Jahreszeit sowie anonymisierte Unfalldaten, Umweltdaten und Nutzereingaben von Autofahrern und Jägern. „hessenWARN“ nutzt für die Warntechnik den ungefähren aktuellen Standort. Während des Notrufes wird die genauere Standortübermittlung über die Ortungsdienste aktiviert und genutzt.

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