Afrikanische Schweinepest: Die Lage zwei Jahre nach Ausbruch

Vor genau zwei Jahren erreichte die ASP Deutschland. Die Auswirkungen waren vielseitig. Wie ist der Stand heute an der ASP-Front?
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Sperrzone, Pufferzone, Restriktionsgebiet – Begriffe, die seit Ausbruch der ASP in Deutschland Jäger, Landwirte und Politik beschäftigen.
Sperrzone, Pufferzone, Restriktionsgebiet – Begriffe, die seit Ausbruch der ASP in Deutschland Jäger, Landwirte und Politik beschäftigen.

Klar war, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis das ASP-Virus Deutschland erreicht. Am 10. September 2020 wurde der erste ASP-Fall auf deutschem Boden offiziell bestätigt. Im Landkreis Spree-Neiße Mitte in Brandenburg war Schwarzwild gefunden worden, das sich mit der Seuche infiziert hatte und daran verendet war. Brandenburg sollte bis heute trauriger Spitzenreiter in Sachen ASP bleiben. Rund 1.600 Fälle zählte das Bundesland innerhalb der ersten zwölf Monate nach Bestätigung des Ausbruchs. Heute sind es in Brandenburg offiziell 2.609 bestätigte ASP-Fälle.

„Zielloses Handeln“ bei der ASP-Bekämpfung

In ganz Deutschland lassen sich bis zum jetzigen Zeitpunkt 4.289 Fälle zählen. Damit fallen über 60 Prozent der ASP-Bestätigungen allein auf Brandenburg. Die Restriktionszonen in Brandenburg haben zusammen genommen eine Größe von über 500.000 Hektar. Der Geschäftsführer des Landesjagdverbands Brandenburg (LJV BB) Kai Hamann erklärt dazu gegenüber der Redaktion, dass entgegen einer Pressemitteilung des „brandenburgischen Gesundheitsministeriums die Lage nicht vollständig unter Kontrolle ist und jederzeit mit neuen Ausbrüchen im Land gerechnet werden muss.“

Für das Handeln der Regierung vor und während des Ausbruchs findet Hamann klare Worte. „Hätte man den deutsch-polnischen Schutzkorridor früher und zum anderen besser (kein dreilitziger Weidezaun) errichtet, hätte man eventuell verhindern können, dass die ASP so tief ins Land geht und nahezu flächig entlang der Grenze auftritt.“ Weiter erklärt er, die „Anfangszeit der Bekämpfung war geprägt von einem ziellosen Handeln des zuständigen Landwirtschaftsministeriums“. Jetzt gilt es „dass die betroffenen Landkreise und die Jägerschaft jegliche Unterstützung zugesagt bekommen und diese nicht verwehrt wird“, fordert Hamann.

Haustierbestände betroffen

Sachsen ist ebenfalls ASP-Hochburg. Hier ließen sich bis heute 1.631 mit ASP infizierte Funde bestätigen. Mit 1239 Fällen stammen die meisten aus dem östlich von Bautzen an der deutsch-polnischen Grenze gelegenen Landkreis Görlitz. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist das Virus bereits verbreitet, wenn auch hier im Verhältnis zu Brandenburg und Sachsen in relativ geringer Zahl (47 Fälle) nachgewiesen. In Brandenburg gab es bereits vier Nutztierbestände und in Mecklenburg-Vorpommern einen, in denen das ASP-Virus eingetragen worden war. Die Bestätigung der Krankheit zieht in jedem Fall eine komplette Keulung des Bestands nach sich. Mittlerweile sind bei drei der brandenburgischen Betriebe und auch bei dem aus Mecklenburg-Vorpommern die Restriktionen wieder aufgehoben worden.

Dann Ende Mai der Schock: an der deutsch-französischen Grenze im Landkreis Emmendingen in Baden-Württemberg trat in einem Betrieb mit Freilandhaltung das Virus auf, hunderte Kilometer vom eigentlichen ASP-Kerngebiet an der deutsch-polnischen Grenze. Ein erster Verdacht der Eintragung durch Schwarzwild konnte nicht bestätigt werden. Mittlerweile liegt der Verdacht vor, dass Erntehelfer die ASP in den Betrieb gebracht haben. Anfang Juli dann die nächste Hiobsbotschaft aus dem Landkreis Emsland. Auch hier war das Virus in einer niedersächsischen Ferkelzucht aufgetreten. Nach der fachgerechten Keulung des Bestands besteht die Restriktionszone im Bereich Emsbüren fort.

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