Zeichnen nach Nerventreffern – Frag den Tierarzt

Wie kommt es, dass Stücke die keinen Lauftreffer haben, teilweise eine Strecke mit einem „leblosen“ scheinbar gelähmten Lauf flüchten?
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Am breit stehenden Rehbock lassen sich die Muskelpartien der Schulter gut erkennen.
Am breit stehenden Rehbock lassen sich die Muskelpartien der Schulter gut erkennen.

Ein Stück ist durch einen Blattschuss getroffen und humpelt auf/mit einem Vorderlauf davon. Der andere Lauf hängt „leblos“ herunter als wäre er gelähmt. Wie ist das zu erklären? Wie gesagt – es handelt sich nicht um Lauftreffer oder Krellschüsse. Interessanterweise sind meist die Vorderläufe, nicht aber ein Hinterlauf betroffen.

Der PIRSCH-Leser hat mit seiner geäußerten Annahme einer Lähmung vollkommen recht. Der betroffene Lauf, z.B. beim Reh, hängt auch ohne Knochentreffer „wie leblos“ herunter, wenn durch den Schuss ein größerer motorischer Nerv verletzt wird, der die Muskulatur des Vorderlaufes versorgt. Am ehesten handelt es sich dabei um Verletzungen des Nervus medianus (Mittelnerv), Nervus brachialis (Speichennerv) oder des Nervus ulnaris (Ellennerv).

Der Nervus brachialis, auch als Plexus brachialis bekannt, ist ein System von mehreren Spinalnerven, dessen Ursprung im Nacken liegt. Dasselbe kann aber auch bei Treffern auf den Hinterlauf passieren, beispielsweise bei Bewegungsjagden, wenn dort z.B. der Nervus ischiadicus (Sitzbeinnerv) getroffen wird und kein Knochen.

Ist der Nerv ab, wird der Lauf funktionslos

Die Auswirkungen einer Lähmung des Plexus brachialis hängen auch davon ab, welche Teile des Plexus wie betroffen sind. Bei stärkerer schussbedingter Verletzung ist jedenfalls mit einer totalen Lähmung und damit vollkommenen Funktionsverlusten der Muskulatur des mittleren und unteren Vorderlaufes zu rechen. Der Lauf hängt dann „wie gelähmt“ am Körper. Überleben Stücke solche Muskel- und Nerventreffer kommt es mittel- bis langfristig durch die fehlende Innervation der Muskulatur zu einem Muskelschwund (Muskelatrophie) und der nahezu funktionslose Lauf wird meist nicht an den Schalen aufgesetzt, sondern „überkötet“, d.h. mit dem „Handrücken“ auf den Boden aufgesetzt.

Bei Treffern am Hinterlauf und Verletzung des Nervus femoralis oder Nervus ischiadicus kommt es zudem zu Schwierigkeiten beim Gehen/Ziehen aufgrund gestörter Streckbewegungen im Knie.

Wildbrethygienisch sind alte (Schuss-)Verletzungen immer als Auffälligkeit zu werten und müssen im Falle eines Inverkehrbringens unbedingt durch einen Fleischuntersuchungstierarzt (amtlicher Tierarzt) beurteilt werden.

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