Rachenbremsen beim Rehbock: Beeinflussen sie die Entwicklung?

Nach der Erlegung eines schwachen Jährlings fanden sich in der Wildwanne 81 Larven von Rachenbremsen. Wie beeinträchtigt das die Entwicklung?
Alter Rehbock im Wald
Rehe sind anfällig für Parasiten. Wenn das Stück auffällig hustet oder schwerfällig atmet, könnte es sich um Rachendasseln handeln.

Ein Nasen-Rachendassel-Befall kommt bei allen Hirscharten und Muffelwild vor. Beim Reh parasitieren die Larven der „Rehbremse“ Cephenomia stimulator, die einer kleinen Hummel ähnelt. Nasendasselfliegen schleudern die millimetergroßen Erstlingslarven (keine Eier, also „lebendgebärend“!) in einem Flüssigkeitstropfen an den Windfang, von wo die Larven in die Nasenhöhle kriechen und sich mit Mundhaken in der Schleimhaut verankern und weiterentwickeln. 

Am Tag nach der Erlegung fanden sich mehr als 80 Larven in der Wildwanne unter dem befallenen Jährling.
Am Tag nach der Erlegung fanden sich mehr als 80 Larven in der Wildwanne unter dem befallenen Jährling.

Larven werden vom Reh ausgehustet

Ab Anfang April werden die Larven von den Rehen ausgehustet oder lassen sich aus dem Windfang fallen, worauf sie sich im Boden verpuppen und nach drei bis sechs Wochen als fertiges Insekt schlüpfen. So schließt sich der Kreislauf. 

Die dauernde Beunruhigung der befallenen Rehe bedeutet eine deutliche Störung bei der Äsungsaufnahme oder in Ruhephasen und wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden aus. Zudem entstehen Schleimhautreizungen mit gesteigerter Sekretbildung und Schwellungen sowie Husten und Atembeschwerden.

Parasitose gut erkennbar

Diese Parasitose fällt entweder schon beim Ansprechen durch Niesen, Schleudern mit dem Haupt, schnarchende Atemgeräusche, anfallsweise krampfartige Husten im April bis Juni (im Gegensatz zum Hüsteln bei Lungenwurmbefall, das ganzjährig auftreten kann) oder beim Entfernen des Hauptes bzw. Kappen der Trophäe in den Monaten April bis Juni auf. 

Die dabei gefundenen Larven der Rachenbremse sind 1,5 bis 2,5 cm lang. Die Entwicklung der Larven fin-det im Bereich der Nasengänge statt. Entgegen landläufiger Meinung dringen die Larven nicht bis ins Gehirn vor, sie können lediglich beim Kappen der Trophäen in diese Bereiche verschmiert werden.

Entgegen den Legenden dringen Rachendasseln nicht bis zum Gehirn der befallenen Wildtiere vor.
Entgegen den Legenden dringen Rachendasseln nicht bis zum Gehirn der befallenen Wildtiere vor.

Ist das Wildbret genusstauglich?

Der erlegte Jährlingsbock dürfte mehrfach angesteckt worden sein, was auch durch die deutlichen Größenunterschiede der Larven zu vermuten ist. Einen Einfluss auf die Trophäenentwicklung dürfte der Rachenbremsenbefall höchstens auf Jährlingsböcke haben, die ihr Trophäenwachstum erst im Mai, also zur Zeit des größten Wachstums der Dreierlarven, abschließen. 

Meist haben Rehe mit Rachenbremsen aber auch andere Endoparasiten. Erkrankte Rehe sollten erlegt und die Larven vernichtet werden, da sie ab Mai verpuppungsreif sind. Wildbrethygienisch bestehen nach Entfernung des Hauptes – falls das Reh nicht stark abgemagert ist – keine Bedenken.

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