Tumore beim Gamswild – Frag den Tierarzt

Immer wieder werden bei erlegtem Gamswild Tumoren gefunden. Sind solche Stücke dennoch für den Verzehr unbedenklich?
Die Gamsgeiß hatte einen golfballgroßen Tumor am Licht entwickelt.

In den seit über 20 Jahren gesammelten Tumorfällen bei Wildtieren kommen Tumore beim Gamswild weitaus am häufigsten vor. Gefolgt von Reh- und Rotwild sowie in Einzelfällen bei anderen Wildtieren.

Der erste Fall handelt von einer 14-jährigen Gamsgeiß, die im Dezember erlegt werden konnte. Die Gams wies eine kinderfaustgroße Umfangsvermehrung an der linken Hauptseite im Bereich des vorderen Augenwinkels auf.

Die Geschwulst war teils dunkelrot und teils mit braunen Krusten verklebt. Bei der Bergung lösten sich die Geschwulst, und ein weißer Untergrund wurde sichtbar. Wie der Erleger Franz Lanschützer berichtet, war die Geiß mit diesem „Gewächs“ seit dem Sommer bekannt, wobei sich der Tumor seit damals deutlich vergrößerte. Sie hatte nach der Erlegung ein Wildbretgewicht von 16 Kilogramm.

Diagnose: Bösartiger Knochentumor

Der mit dünner Haut überzogene, relativ weiche Knoten zeigte an der Schnittfläche bohnengroße knochenharte Bereiche und Blutungen. Nach histologischer Untersuchung erwies sich der Tumor als teleangiektatisches Osteosarkom. Osteosarkome sind bösartige Knochentumoren (im Volksmund „Knochenkrebs“), die aggressiv wachsen und frühzeitig zur Bildung von Metastasen neigen, häufig in der Lunge.

Gesamte Leber mit Zysten durchsetzt

Der zweite beeindruckende Fall, ein Lebertumor, fiel beim Aufbrechen einer zwölfjährigen Gamsgeiß auf. Zwei Drittel der Leber waren mit zahlreichen kirschkern- bis taubeneigroßen Zysten in gesamter Leberstärke durchsetzt.

Die Zysten waren mit seröser bis leicht blutiger Flüssigkeit gefüllt. Die Leber war teilweise mit der Umgebung verwachsen sowie in eine fettgewebsreiche Kapsel eingebettet. Die feingewebliche Untersuchung des Lebertumors ergab die Diagnose Zystadenom.

Dies sind seltene gutartige Tumoren, die von der Gallengangschleimhaut ausgehen und bösartig entarten können. Beim Umfang des gegenständlichen Tumors ist jedenfalls davon auszugehen, dass er obwohl gutartig, alleine schon durch seine Größe zu erheblichen Problemen im Leberstoffwechsel geführt haben muss. Zu verwechseln wäre dieses Krankheitsgeschehen höchstens mit einem hochgradigen Befall der Leber mit Bandwurmfinnen.

Stücke sind nicht genießbar

Allein schon durch die hochgradige Abmagerung waren beide Stücke für den menschlichen Verzehr untauglich. Falls Stücke mit Tumoren nicht abgemagert sind, ist für eine Verwertung unbedingt eine Beurteilung durch einen amtlichen Tierarzt (Fleischbeschautierarzt) erforderlich.

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