Muskelfinnen bei einem Rehbock – Frag den Tierarzt

Beim Zerwirken eines Rehbocks fanden sich viele knotige Muskelveränderungen von mehreren Millimetern Größe im Wildbret. Um was handelt es sich?
Image
Weisse-Finne-Rehwild
Herausgeschält entpuppten sie sich als weiße Bandwurmfinnen.

Der Rehbock, etwa 8-jährig, hatte aufgebrochen 14 kg und zeigte laut Schilderung des Jägers außer den Muskelveränderungen keine Auffälligkeiten. In sämtlichen Muskelpartien waren beim Zerwirken zahlreiche mindestens 3 mm große, weiße Einlagerungen zu erkennen, welche sich fast wie Fett zerreiben ließen.

Im zur Untersuchung vorliegenden rund 15x15x5cm großen Muskelstück fanden sich zahlreiche 4-5 mm Bandwurmfinnenbläschen mit einer 3 mm großen Kopfanlage (Skolex) des späteren Bandwurmes. Das Gewebe um die Finnen zeigte keine entzündliche Reaktion.

Fuchsbandwurmfinnen selten beim Rehwild

Bandwurmfinne-Rehwild
Die Finnen waren zuerst nur als 3-4 mm große „Knoten“ zu erkennen.

Bandwurmfinnen in der Muskulatur sind bei Wild- und Haustieren relativ seltene Befunde. Im vorliegenden Fall war der Rehbock Zwischenwirt eines Bandwurmes von einem Fleischfresser, wie Fuchs oder Hund. Die Bandwurmart konnte aufgrund der nahen Verwandtschaft der Bandwürmer der Gattung Taenia nicht eindeutig identifiziert werden. In älterer Literatur wird von Einzelfällen von Muskelfinnen beim Rehwild durch die Bandwurmart Taenia cervi berichtet, der als erwachsener Darmparasit den Darmtrakt von Füchsen und Hunden besiedelt (Boch u. Schneidawind, 1988).

Befallenes Wild nicht auf den Luderplatz!

Bei zufälliger Aufnahme von Bandwurmeiern aus Fuchslosung oder Hundekot entwickeln sich im Zwischenwirt Reh Finnen in der Skelettmuskulatur sowie Herz, Zunge oder Zwerchfell. Der Befall des Herzmuskels hat meist auch klinische Folgen. Bei Aufnahme solcher Finnen durch Füchse oder Hunde entwickeln sich im Endwirt wieder erwachsene Parasiten im Darm, die wiederum Eier ausscheiden. Derartig veränderte Muskulatur darf deshalb nicht an Hunde verfüttert oder auf Luderplätzen ausgelegt werden, um den Infektionszyklus zu unterbrechen.

Häufiger als in der Muskulatur werden Bandwurmfinnen – meist ebenfalls von Bandwurmarten von Fuchs und Hund – besonders bei Gams- und Rehwild an der Leber oder im Bauchraum (Netz) gefunden, können aber beispielsweise auch im Gehirn der Zwischenwirte auftreten. Organe, Fleisch bzw. Wildbret mit Finnenbefall gelten als untauglich für den menschlichen Verzehr.

Sie haben auch eine Frage an Dr. Deutz?

Dann schicken Sie Ihre Frage möglichst mit einem aussagekräftigen und hochauflösenden Digitalfoto an folgende Adresse:

dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH, Redaktion PIRSCH, ­Lothstraße 29, 80797 München oder per Mail an pirschredaktion@dlv.de

Weitere Funktionen
Kommentieren Sie