Fuchsbejagung im Sommer: Ab wann kann man die Fähe erlegen?

Mitte Juni wenden sich viele Jäger wieder den Füchsen zu. Doch ab wann ist es tatsächlich vertretbar, eine Fähe zu erlegen?

Der Gesetzgeber hat den Beginn der Jagdzeit auf Rotfüchse in den meisten Bundesländern auf den 15. Juni festgelegt. Formal dürfen ab diesem Zeitpunkt Altfüchse geschossen werden. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn parallel dazu ist auch der Schutz von Elterntieren vorgeschrieben. In Paragraf 22 Absatz 4 des Bundesjagdgesetzes heißt es dazu: „In den Setz- und Brutzeiten dürfen bis zum Selbstständigwerden der Jungtiere die für die Aufzucht notwendigen Eltern—tiere, auch die von Wild ohne Schonzeit, nicht bejagt werden.“ Offen bleibt dabei, wie lange diese Aufzuchtzeit im Einzelnen andauert.

Für den Jäger ergibt sich daraus ein Konflikt, der im Fall einer Fehlentscheidung rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann! So wurden in der Vergangenheit Jäger rechtskräftig verurteilt, weil sie Elterntiere (trotz Jagdzeit) entnahmen, deren Jungtiere zum Zeitpunkt der Erlegung nach Auffassung des Gerichts in nicht ausreichendem Maß selbstständig waren. Da sich hier artenabhängige Unterschiede finden lassen, müssen die Anforderungen von Wildart zu Wildart beurteilt werden.

Rotbraune Frühentwickler

Die jungen Rotfüchse zeigen eine rasche Individualentwicklung. Im März und April gewölft, erscheinen sie nach etwa vier Wochen zum ersten Mal vor dem Wurfbau. In dieser Zeit sind die beiden Elterntiere ständig auf den Läufen, um die hungrigen Fänge zu stopfen. Nachdem die Welpen mit drei bis vier Wochen erstmals feste Nahrung aufnehmen, beginnen sie im Juni mit den ersten kleineren Ausflügen. Einen Monat später haben sie ihr Streifgebiet bereits deutlich vergrößert.

Ergebnisse von Raumnutzungsstudien belegen, dass auch zu dieser Zeit noch eine hohe Bindung zu den Elterntieren besteht. Durch Prägungsvorgänge und soziales Lernen werden auch in dieser Phase der Individualentwicklung wichtige Verhaltensweisen erlernt. Demnach sind die Welpen auch in diesem Lebensabschnitt auf die Elterntiere angewiesen. Die Selbstständigkeit wird erst im Alter von drei bis vier Monaten erreicht!

Väterliche Fürsorge

Ausdrücklich betont sei an dieser Stelle, dass sich auch der Rüde an der Aufzucht der Jungfüchse beteiligt! In der Vergangenheit wurde der Bedeutung des Rüden in diesem Zusammenhang nicht ausreichend Rechnung getragen, weil man annahm, dass er sich nicht an der Versorgung der neuen Fuchsgeneration beteiligen würde. Natürlich hat die Fähe eine größere Bedeutung bei der Aufzucht der Welpen, aber sicher ist auch, dass die Jungfüchse sich schlechter entwickeln und ein erhöhtes Sterberisiko aufweisen, wenn der Rüde fehlt.

Die elterlichen Dienste des Rüden gehen sogar soweit, dass er sich im Falle des Verlustes der Fähe allein um die Welpen kümmert! Je nachdem, wie groß die Jungfüchse zu diesem Zeitpunkt sind, wird es ihm auch gelingen, den Wurf durchzubringen. Unabhängig von der Unterstützung der Fähe bei der Jungenaufzucht ist die Jagd auf den Rüden auch deshalb kritisch zu sehen, weil die Verwechslungsgefahr beider Geschlechter relativ hoch ist. Besonders die Tatsache, dass auch teilweise Fähen beim Absetzen von Urinmarken zur Markierung des Reviers ihren Lauf heben, kann zur Fehlansprache führen.

Sieben Fuchsjagd-Tipps vom Wildbiologen

  1. Im Juni sollte der jagdliche Fokus auf Jungfüchse gelegt werden. Diese lassen sich in ihrem Erscheinungsbild (Proportionen) zuverlässig von erwachsenen Tieren unterscheiden. Notwendige Elterntiere sind zu schonen.
  2. Die meisten Gehecke sind jetzt bereits von ihrem Wurfbau ins Feld umgezogen. Da sich die jungen Füchse noch nicht allzu weit bewegen, sind sie häufig an den selben Stellen im Revier anzutreffen. Oft lassen sich dort mehrere Jungfüchse erlegen.
  3. Rapsfelder haben die kommenden Wochen eine besonders hohe Anziehungskraft (Deckung). Ist dann noch eine frisch gemähte Wiese mit einem „guten Mäusebesatz“ (vorher überprüfen) in der Nähe, ist Reineke nicht weit. Ab Juli bieten sich zudem Stoppelfelder (Gerste etc.) für die Fuchsjagd an.
  4. Das Farbsehen von Füchsen ist schlecht. Der einfarbig grün gekleidete Jäger kann von ihnen dennoch leicht entdeckt werden. Wer sich selber nicht gerne in Tarnkleidung sieht, sollte einen Ansitzschirm verwenden und diesen gut verblenden.
  5. Haben Sie einen Jungfuchs erlegt, dann bleiben Sie ruhig sitzen. Der Nachwuchs ist weit weniger argwöhnisch als ausgewachsene Räuber. Mit etwas Glück lassen sich an einem Morgen/Abend mehrere Jungfüchse strecken.
  6. Füchse reagieren ausgezeichnet auf Klagelaute. Mit Hilfe von Mausepfeifchen und Vogelklage lassen sich die Räuber sehr gut anlocken. Setzen Sie die Klage jedoch dosiert ein.
  7. Es kann sich durchaus lohnen, den Sommerfuchs zu streifen. Denn der Balg des Jungfuchses ist sehr leicht und lässt sich wunderbar zu einem Innenfutter für die Wachsjacke oder den Lodenmantel verarbeiten.

Dr. Konstantin Börner

Spät gewölfte Gehecke können im Juni noch gesäugt werden.
Spät gewölfte Gehecke können im Juni noch gesäugt werden.

Jagdliche Schlussfolgerung

Mit dem Abschuss von Altfüchsen sollte aus den genannten Gründen im Sommer sehr vorsichtig umgegangen werden. Spät gewölfte Gehecke, die erst in der zweiten Aprilhälfte zur Welt gekommen sind, können im Juni noch gesäugt werden. Zudem gilt für Jungfüchse trotz ihrer schnellen Entwicklung, dass sie auch noch einige Zeit über die Säugeperiode hinaus auf ihre Eltern angewiesen sind. Nur weil ein Jungfuchs in dieser Zeit allein unterwegs ist, darf dies nicht per se als Zeichen seiner Selbstständigkeit interpretiert werden!

Doch ab wann können Altfüchse mit gutem Gewissen bejagt werden? Aus wildbiologischer Sicht wäre es sinnvoll, sich den 1. August als Stichtag für die Bejagung adulter Füchse aufzuerlegen. Bis dahin sollte es ausschließlich den Jungfüchsen (Ansitz am Bau, Jungfuchsfalle etc.) gelten.

Elterntierschutz

Elterntierschutz ist eine zentrale Säule verantwortungsvollen Jagens und sollte unabhängig von formalen Jagdzeitenregelungen unser ethischer Anspruch (Weidgerechtigkeit) sein. Dabei darf es keine Rolle spielen, um welche Tierart es sich handelt.

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