Fuchs, Waschbär und Marder: Wann ist der Balg des Raubwilds reif?

Ab November soll der Balg reif sein – doch stimmt das und was bedeutet es? Wir haben beim Gerber und Kürschner nachgefragt.
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Ein Fuchs im Winter im Wald.

PIRSCH: Wie erkennt der Jäger, ob der Balg reif ist?

Bertram Meinelt: Wenn drei Mal hintereinander am Tag und in der Nacht Frost war, dann ist der Balg reif. Man sieht dann auch, dass die Tiere ein ganz anderes Fell haben. Früher hieß es, nach dem Hubertustag sei es soweit, aber darauf würde ich mich nicht mehr verlassen.

PIRSCH: Was bedeutet reif überhaupt?

Bertram Meinelt: Das heißt, dass das Haar eine schöne Länge hat und besonders dicht ist. Kürschner sprechen dann von der „Rauche“. Deshalb heißt unser Beruf auch Rauchwarenzurichter. Ist der Fuchsbalg reif, kann man eine schöne Decke daraus arbeiten. Wir raten Kunden, die einen Winterfuchs haben, den eher für eine Decke zu nutzen als für eine Mütze. Sonst haben sie später ein riesen Ding auf dem Kopf. Wenn man eine Decke oder ein Kragen haben möchte, sollte es ein Winterfuchs sein.

PIRSCH: Worauf sollte der Jäger beim Schuss achten?

Bertram Meinelt: Wir stellen fest, dass die Ausschüsse in den vergangenen Jahren immer größer geworden sind. Das liegt vermutlich an der neuen Munition. Wir können das zwar nähen, aber andere Gerbereien bekommen das vielleicht nicht hin.

PIRSCH: Wann endet die Balgreife?

Bertram Meinelt: Wir haben früher gesagt bis Ende März. Dann verliert das Raubwild langsam das Winterhaar und es filzt sich ins gesunde Haar rein.

PIRSCH: Spielt das Alter des Raubwildes eine Rolle?

Bertram Meinelt: Junges Wild hat noch nicht so ausgeprägtes Leder. Dadurch können nach dem Gerben die Haare ausgehen. Das gilt auch, wenn man das Wild zu früh im Jahr schießt. Ab Oktober sitzt das Haar richtig fest.

PIRSCH: Wie sollten die Bälge angeliefert werden?

Bertram Meinelt: Füchse aus der näheren Umgebung werden oft im Kern gebracht. Andere streifen selbst und schicken uns den getrockneten oder gefrorenen Balg. Der größte Fehler ist, noch warmes Wild in eine Plastiktüte zu stecken. Grundsätzlich sollte Wild immer schnell heruntergekühlt werden.

PIRSCH: Wie viel Zeit hat man, das Raubwild zu streifen?

Bertram Meinelt: Der Balg sollte behandelt werden wie ein Stück Fleisch. Wer das lange rumliegen lässt, darf sich nicht wundern, wenn es verdirbt. Deshalb: Schnell streifen, luftig aufhängen oder schön einsalzen und offen liegen lassen.

PIRSCH: Was sind die häufigsten Fehler?

Bertram Meinelt: Die meisten salzen den Balg ein und packen ihn dann in eine Tüte. Das ist ein Problem! Denn das Salz soll Wasser aus der Haut ziehen, damit sich keine Bakterien vermehren können. Wenn der Balg in dieser „Soße“ liegt, ist das kontraproduktiv. Wasser auf dem Balg muss immer abgegossen werden. Anschließend Salz nachlegen. Ganz wichtig: Bitte immer Speisesalz verwenden, kein Streusalz! Und immer frisches Salz verwenden. Man klebt ja auch kein altes Pflaster auf die Wunde. Übrigens: Wenn man Rohbälge mit der Post verschicken will, muss alles richtig trocken sein.

PIRSCH: Am einfachsten ist es doch, den Balg einzufrieren. Oder?

Bertram Meinelt: Ja, da kann man bei Fuchs, Waschbär, Marder oder Marderhund nicht viel falsch machen. Vorsicht ist bei Keilern mit dickem Schild geboten. Darin können sich Eiskristalle bilden, die die Oberhaut sprengen. Deshalb: Keilerschwarten lieber frisch abliefern. Wir schneiden dann das Schild runter und salzen den Rest sehr dick ein. Viele machen auch den Fehler, die Schwarte einzusalzen, einzurollen und dann in die Gefriertruhe zu stecken. Das bewirkt das Gegenteil. Man salzt ja auch den Gehweg, um Frost wegzubekommen. Also entweder roh einfrieren oder nur einsalzen!

PIRSCH: Haben Sie Tipps zur Balgpflege und Lagerung?

Bertram Meinelt: Das Wichtigste – das Naturfett muss raus. Da kommt künstliches Fett rein. Denn das Naturfett frisst. Das ist wie bei Butter. Steht diese lang herum, wird diese ranzig und „arbeitet“. Wenn beispielsweise Präparatoren das Fett nicht richtig entfernen, sind nach ein paar Jahren die Branten oder die Gehöre kahl, weil Insekten das Fett riechen und die Stellen anfressen. Derartige Schädlinge kann man übrigens mit Zedernholzöl fernhalten. Motten mögen das beispielsweise gar nicht. Tipp: Ab und zu mal nach den Pelzen schauen. Man lässt ja auch keine Jacke einfach so zehn Jahre im Schrank hängen. Mal lüften, schütteln und einen Blick drauf werfen - fertig.

Gegerbte Bälge vom Waschbären.

PIRSCH: Was ist der schlimmste Fehler?

Bertram Meinelt: Wenn man Fuchsbälge (Rohware) trocknet und sie zu lange hängen lässt! Denn dann entstehen Fettsäuren. Wenn wir die Rohfelle dann einweichen, wird das wie Löschpapier. Der Balg löst sich förmlich auf. Gerade Füchse haben fettige Haut. Wenn die schon gelb ist, wird‘s problematisch.

PIRSCH: Warum dauert es eigentlich so lang, bis man seinen Balg zurückbekommt.

Bertram Meinelt: Von Ende Oktober bis März arbeiten wir nur ein. Wir nehmen an einem Tag für 14 Tage Arbeit an. Die Füchse werden nur entfleischt und kommen dann in Fässer und werden zwischengelagert. Erst wenn sie dran sind, werden sie wieder rausgeholt.

PIRSCH: Woran erkenne ich einen gut gegerbten Balg?

Bertram Meinelt: Gut gegerbte Bälge aber auch Schwarten besitzen weißes Leder. Das besitzen sie nur, weil sie gut entfettet wurden. Ist das Leder dunkel oder gelb, ist es zu fettig und arbeitet. Wenn der Kürschner etwas aus dem Balg machen soll, muss er ihn zuerst mit Wasser bearbeiten und dehnen. Die gelben (fettigen) Leder zerreißen dabei schnell und werden unbrauchbar.

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