Blattjagd: Ist der Rehbock in der Blattzeit verwertbar?

Die Blattzeit ist ein Höhepunkt des Jagdjahres. Aber sind Rehböcke während dieser Zeit wirklich verwert- und genießbar?
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Mithilfe des Blatters gelingt es oft, völlig unbekannhte Böcke anzulocken.
In der Blattzeit werden viele Rehböcke erlegt. Doch sind sie problemlos zu verwerten?

Die Blattzeit beschert Jägern jedes Jahr unvergessliche Jagderlebnisse – und eine Menge Wildbret. Die besonderen Umstände der Erlegung und der Hormonstand der Beute spielen dabei glücklicherweise keine Rolle: In der Blattzeit erlegte Rehböcke können uneingeschränkt verwertet werden! Anders als bei Rot- und Damwild gibt es auch in der Paarungszeit keinen schmeck- oder riechbaren Unterschied zu im Mai oder September auf dem Ansitz erlegten Rehböcken.

Um das Wildbret uneingeschränkt genießen zu können, gilt es dennoch einige Besonderheiten zu beachten.

Schlechte Schüsse – Welche Auswirkungen haben sie?

In der Blattzeit muss es oft schnell gehen – hin und wieder sitzt der Treffer deshalb vielleicht nicht genau da, wo er hingehört. Weiche Schüsse sind ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Wichtig ist es, verunreinigtes Gewebe schon beim Aufbrechen großzügig auszuschärfen. Dabei unbedingt mehrere Messer verwenden, um saubere Bereiche nicht mit einer verschmutzen Klinge zu berühren und kein oder wenig Wasser einsetzen: Es verteilt die vorhandenen Keime nur zusätzlich im Bauchraum. Nicht vergessen, auch den Einschuss auszuschärfen, denn hier drückt es häufig Schweiß und Panseninhalt unter die Decke.

Welchen Einfluss hat Hitze auf erlegtes Wild?

Manchmal reizt es, nach einem erfolgreichen Stand doch vielleicht noch kurz zu einem zweiten zu gehen, das Wetter passt schließlich und die Böcke springen anscheinend… Bitte nicht! Nach dem Schuss gilt es zügig zu bergen, aufzubrechen und zu kühlen. Bei Temperaturen, bei denen man den Hund nicht im Auto lassen kann, sollte auch kein Rehbock im Kofferraum garen. Aus „nur kurz noch eine Stelle versuchen“ wird außerdem mit einer eventuellen Totsuche in der Dickung, Bergen und Aufbrechen im Fall der Fälle schnell eine Stunde und mehr…

Insekten beim Aufbrechen vermeiden

An schwül-warmen Sommertagen sind nicht nur die Rehe, sondern auch allerlei Krabbeltiere unterwegs. Zu schaffen machen uns vor allem Fliegen und Wespen beim Aufbrechen und Versorgen. Nicht selten sind sie nach dem Schuss sogar noch vor dem Erleger am Stück! Soll dennoch im Revier aufgebrochen werden, ist entsprechend Eile geboten. Wer die Möglichkeit hat, verrichtet die rote Arbeit lieber in der fliegensicheren Wildkammer. In jedem Fall danach unbedingt gründlich nach Zecken absuchen, auch die sind in der Hitze erstaunlich flink unterwegs.

Stress vor der Erlegung

Die Paarungszeit ist anstrengend und aufregend. Das Wild legt auf der Suche nach Partnern weite Strecken zurück und ist auch zu Tageszeiten aktiv, die es sonst lieber mit Wiederkäuen verbringt. Zeit für die Nahrungsaufnahme bleibt ohnehin kaum. Auch Konflikte mit Artgenossen brauchen viel Energie. Böcke haben ein feines Gehör und stehen auf das Blatten teilweise über größere Distanzen zu – manchmal kann man sie regelrecht keuchen hören. Ähnlich wie bei getriebenem Drückjagdwild, kann diese Anstrengung Auswirkungen auf den Glykogengehalt in den Muskeln, und damit auf die Fleischreifung haben. Bemerkbar macht sich das insbesondere beim Pökeln und Räuchern – für den Schinken also lieber frisches Wild erlegen, wenn die kühleren Räuchermonate anstehen.

Beilage zur Beute

Vor lauter Bock-Begeisterung sollte man keinesfalls vergessen, mit offenen Augen durchs Revier zu gehen: Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren und schwarzer Holunder sind jetzt reif! Auch die »Vogelbeeren« der Eberesche leuchten prall und rot und machen sich gut in einem Gelee (Nein, sie sind nicht giftig, auch wenn das oft behauptet wird).

Alle Beeren werten Pausen im Revier auf oder schmecken im Salat zu Rehrücken vom Grill. Auch die aus ihnen hergestellten Gelees und Marmeladen können eine Sauce zum Reh-Braten verfeinern – oder ein gefüllter Beerenkorb als eine Art »Trostpreis« dienen, wenn der bestätige Blattbock dieses Jahr doch lieber im Nachbarrevier treibt…

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