Aujeszkysche Krankheit: stressbedingt? – Frag den Tierarzt

Wird der Ausbruch der Aujeszkyschen Krankheit beim Hund durch Stress gefördert und sind daher hochläufige Hunde eher betroffen?
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Kontakt zu Wildschweinen oder die Aufnahme von Organen sind häufige Infektionsquellen für Hunde.Unabhängig von ihrer Größe, Aujeszky ist hochgefährlich für Hunde.

Die Aujeszkysche Krankheit (AK) wird durch ein Herpesvirus hervorgerufen, und Wild- sowie Hausschweine sind natürliche Hauptwirte. Bei Jungtieren führt AK zu schweren Erkrankungen mit hoher Mortalitätsrate. Die Übertragung erfolgt sowohl als Tröpfcheninfektion, durch direkten Kontakt als auch durch Kannibalismus. Das Virus bleibt in Speichelrückständen an Oberflächen bis zu sieben Tage infektiös. In Europa nahm die Prävalenz bei Wildschweinen in den vergangenen Jahrzehnten zu, was nicht zuletzt mit den steigenden Schwarzwilddichten zusammenhängen dürfte. Bei vielen Säugetieren, die sich als „Endwirte“ infizieren, wie Rinder, Hunde, Wölfe, Katzen oder Schafe, kommt es rasch zu einer Gehirn-/Rückenmarksentzündung, die tödlich endet. Menschen sind für das AK-Virus nicht empfänglich. Infizierte Endwirte scheiden kein Virus aus und müssen sich über Schweine oder kontaminierte Materialien infizieren.

Gehirnentzündung und rascher Krankheitsverlauf

Beim Hund ist die AK durch eine Gehirnentzündung gekennzeichnet, die häufig – wie bei Rindern – mit heftigem Juckreiz verläuft. Hohes Fieber, der starke Juckreiz und verminderte Reaktionsbereitschaft geben deutliche Hinweise zur Verdachtsdiagnose AK.

Die meisten infizierten Hunde versterben innerhalb von 36 Stunden nach Auftreten der Symptome. Bei diesem akuten Verlauf und der Schlucklähmung muss auch an andere virale Enzephalitiden wie Tollwut gedacht werden. Fleischfresser können sich sowohl durch direkten Kontakt mit lebenden Schweinen als auch durch das Fressen am Kadaver infizieren. Das Genossenmachen oder Verfüttern von rohen Wildschweinprodukten an Hunde ist meines Erachtens das Hauptrisiko für Hunde. Beim Stöbern oder Nachsuchen ist die Gefahr gering, solange kein direkter Schleimhautkontakt stattfindet. Blut ist nur wenige Tage infektiös.

Akut tödliche Erkrankung bei Hunden

Zur Frage, ob Stress mitauslösend wirkt und deshalb hochläufige Hunde eher betroffen wären: Beim Wildschwein gibt es Hinweise, dass bei chronisch infizierten Tieren Stress (z.B. Rauschzeit) wieder zu einer stärkeren Virusvermehrung führt. Verglichen mit Fieberblasen beim Menschen (ebenfalls Herpesviren) wäre das plausibel. Bei Hunden gibt es aber kein chronisches Trägertum mit Wiederausbrüchen, weshalb die Frage verneint werden kann. Infiziert sich ein Hund, erkrankt er mit hoher Wahrscheinlichkeit und verendet innerhalb weniger Tage.

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