Zwischen Weizenschweinen und Moral

Der Weizen steht in der Milchreife, jetzt drohen Wildschäden. Da darf die jagdliche Moral nicht verloren gehen. Ein Kommentar.
Bache steht in milchreifem Weizen
Tierschutz beinhaltet neben korrektem Ansprechen auch die Art und Weise der Bejagung.

Sommer, Sonne - Milchreife! Die Ähren des Brotbringer-Getreides tropfen so langsam vor Saftigkeit. Saujäger und Schwarzkittel zieht es vermehrt in die Felder.

Zeitgleich drückt es seit Tagen schwül-warme bis heiße Luft aus dem Süden Europas nach Deutschland. Vor allem das vergangene Wochenende war vielerorts kochend heiß. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) änderten aber auch die teils heftigen Niederschläge zu Wochenbeginn nichts an der weiter voranschreitenden Austrocknung der Böden.

Schwarzwild braucht Wasser

Unser Wild hat evolutionär diverse Wege entwickelt, auch bei Trockenheit seinen Wasserbedarf zu regeln. Vögel sparen sich das Pinkeln, indem sie den Wassergehalt der Losung reduzieren, Rehe begnügen sich mit Morgentau auf der Äsung, usw. Als Schwarzwild ist man hingegen die sprichwörtlich arme Sau. Ohne Schweißdrüsen, aber mit ordentlich Durst, dampfen die Schwarzkittel durch Wald und Feld.

Wildschweine brauchen Wasser, um sich zu kühlen! Für uns Jäger ist es dank Dürre und Revierkenntnis daher deutlich leichter, sie zu finden. Also ran an Suhlen, Gräben und sonstige Wasserstellen! Die Landwirte freuen sich über hohe Strecken, die Pächter über geringere Wildschäden und auch die drohende Gefahr der ASP scheint damit schneller ihren Schrecken loszuwerden.

Waidgerecht oder praxisgerecht?

Alles perfekt, oder? Nein, ist es nicht. Wer Notzeiten von Wild ausnützt und das Aufsuchen von lebensnotwendigen und begrenzten Ressourcen durch Anwesenheit und Jagddruck verhindert, der sollte sich mal überlegen, ob sein Spiegelbild noch erträglich ist. Ja, wir Feldjäger haben spätestens jetzt den Wildschaden im Genick sitzen. Ja, die Schwarzwildbestände müssen nicht nur angesichts der Afrikanischen Schweinepest dringend reduziert werden und ja, es ist auch ein Teil des jagdlichen Handwerks, Wild und seine Verhaltensweisen zu kennen und das zu unserem Vorteil zu nutzen. Nur ist es auch ein ganz schmaler Grat zwischen erfolgreichem Jäger und Moral-Sau. Vor allem und gerade in Zeiten der Nachtsichttechnik ist es möglich, Schwarzkittel gezielt im Feld und auf Wechseln zu suchen, abzupassen und zu erlegen. Ein Ansitz an Sogpunkten wie Wasserstellen ist somit auch handwerklich unnötig. Bleiben Sie sauber und Waidmannsheil.

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