Wildschwein-Wurf: Wundersame "Steckdose" – Frag den Tierarzt

Warum hat Schwarzwild kein Problem mit Erde im Wurf? Wie wird er sauber gehalten? Und wie schaffen sie es, keine Erde zu fressen?
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Der Wurf ist ein hochsensibles und zugleich kräftiges sowie widerstandsfähiges Organ.
Der Wurf ist ein hochsensibles und zugleich kräftiges sowie widerstandsfähiges Organ.

Der Wurf der Wildschweine ist wie die Rüsselscheibe von Hausschweinen tatsächlich ein fantastisches Organ. Er dient zum Riechen, Fühlen, Tasten, Saugen und Wühlen. Obwohl unheimlich feinfühlig – am Wurf befinden sich mehr Tastrezeptoren als auf der menschlichen Hand –, ist er sehr widerstandsfähig und selbst zum Wühlen in hartem Boden fähig.

Immer fein sauber

Er ist durch Muskeln und Sehnen sehr beweglich, lässt sich fast „nach unten kippen“ und wird auch durch Reiben an der Erdoberfläche oder auf Gras wieder gereinigt. Die Nasenöffnungen können durch Muskelkontraktionen verkleinert und Fremdinhalt ausgeniest werden. Die Zunge kann ebenfalls den Wurf reinigen.

Erde im Magen kein Problem

Erde wird durchaus mit der Äsung mitaufgenommen, dann aber wieder mit der Losung ausgeschieden. Durch den einfachen einhöhligen Waidsack besteht bei Schweinen nicht die Gefahr einer Versandung der Vormägen, wie bei den Wiederkäuern, wenn sie stark erdige oder sandige Äsung aufnehmen (z.B. nach Überschwemmungen oder sandige Rüben und Rübenblätter usw.). Von Frischlingen, wie auch von Ferkeln in Freilandhaltung, wird Erde sogar bewusst aufgenommen, und zwar u.a. als Eisenquelle. Ferkel in Stallhaltung bekommen wegen der Unmöglichkeit der Eisenaufnahme über Erdefressen in den ersten Lebenstagen Eisen injiziert.

Erkundung mit der "Steckdose"

Das Wühlen der Schweine ist mit dem sehr ausgeprägten Erkundungsverhalten verbunden und dient im engeren Sinn der Nahrungssuche nach Knollen, Wurzeln, Larven, Würmern, Mäusen u.ä. Bei Hausschweinen in Freilandhaltung wurde festgestellt, dass jene Schweine, die durch Beifütterung von Kraftfutter kürzere Fresszeiten benötigten, sich länger mit dem Wühlen beschäftigten (Bogner u. Grauvogl, 1984). Schweine wühlen eine bis sechs Stunden täglich. Deutlich auslösend für das Wühlen ist eine lockere Bodenbeschaffenheit, wie etwa nach einem Regen.

Wühlen dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern ist auch beim Erkundungs- und Ruheverhalten (Graben der Liegemulde) sowie beim Suhlen und Bau des Wurfkessels zu beobachten.

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