Wiederladen: Der Lebenszyklus einer Jagdpatrone

Im vorherigen Blog-Beitrag ging es um das Wiederladen im Allgemeinen. Heute schauen wir uns konkret an, wie eine Patrone entsteht.
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Wiederladekomponenten
Eine moderne Patrone besteht aus der Hülse, dem Geschoss, dem Zündhütchen und rauchschwachem Treibladungsmittel.

Am Anfang jeder Ladeserie steht die Überlegung, was erreicht werden soll. Das Vorgehen bei einer Ladungsentwicklung und beim Nachbauen eines „fertigen Rezepts“ kann sich unterscheiden. Heute schauen wir uns an, was beim Laden einer bereits entwickelten und geprüften Laborierung geschieht. Und um etwaigen Diskussionen vorweg den Wind aus den Segeln zu nehmen: viele Wege führen nach Rom! Der von mir beschriebene Weg ist nur eine der Möglichkeiten, ans Ziel zu kommen.

Hülsen vorbereiten

Es empfiehlt sich, vor dem Laden alle notwendigen Materialien (Hülsen, Zünder, Geschosse, Pulver) am Arbeitsplatz bereit zu stellen. Das spart nerviges Nachsuchen und ermöglicht einen ungestörten Arbeitsablauf. Anschließend kann mit der Vorbereitung der Hülsen begonnen werden. Das ist sowohl bei verschossen sowie neuen Hülsen der Fall. Wobei ersteres deutlich aufwendiger ist. Doch das soll uns vorerst nicht kümmern. Wir beschäftigen uns hier mit hochwertigen, fabrikneuen Hülsen. Durch Verpackung und Transport kann es immer wieder zu eingedrückten Hülsenhälsen kommen. Auch findet sich an den Hülsenhalsrändern hier und dort ein verbliebener Grat. Um einen gleichmäßigen Sitz der Geschosse in der Hülse zu gewährleisten, müssen die Hülsenhälse mit Hilfe einer Matrize leicht aufgeweitet werden, damit eine möglichst runde Öffnung entsteht. Ein etwaiger Grat wird mit einem speziellen Werkzeug entfernt.

Wer es ganz genau nimmt, fräst die Hülsen am Hals mit Hilfe eines Hülsentrimmers vorher auf eine einheitliche Länge. Doch das ist bei hochwertigen Hülsen vor dem ersten Abfeuern selten notwendig. Nun sind die Hülsen bereit, mit einem Zündhütchen versehen zu werden. Dies kann mit einem Handsetzgerät oder auch über die meisten Ladepressen erfolgen. Eine Fühlkontrolle mit der Fingerspitze verrät den sicheren Sitz des Zündhütchens.

Pulver dosieren und abfüllen

Nachdem das Zündhütchen seinen Platz in der Zündglocke gefunden hat, kann es mit dem Pulverabwiegen und Füllen der Hülse weiter gehen. Aus der Dokumentation unserer zuvor entwickelten Laborierung bzw. aus den Ladedaten der Hersteller entnehmen wir Pulvermenge und -sorte. Ob mit Balken-, Taschen- oder Feinwaage, mit automatischem Pulverfüller oder High-End-Kombination – wichtig ist, die korrekte Menge abzuwiegen. Schließlich kann nicht nur eine zu hohe, sondern auch eine viel zu niedrige Menge Pulver in einer Patrone schwerwiegende Konsequenzen, bis hin zur Waffensprengung haben. Aber keine Sorge, solche Fehler fallen schnell auf und können behoben werden.

Die automatische Pulverwaage wirft das Treibladungsmittel in ein Dosierpfännchen.
Die automatische Pulverwaage wirft das Treibladungsmittel in ein Dosierpfännchen.

Mittels Trichter oder spezieller Dosierpfännchen wird das Pulver in die Hülse gefüllt. Es empfiehlt sich, egal ob Anfänger oder Profi, einen Arbeitsschritt nach dem nächsten durchzuführen und nicht parallel zu arbeiten. Das verringert die Fehlergefahr. Erst wenn alle Hülsen befüllt sind, geht es ans Geschosse setzen. Vorher können alle Hülsen auf dem Ladebrett auf den korrekten Füllstand kontrolliert werden. Befindet sich in einer Hülse viel zu wenig, eindeutig zu viel oder gar kein Pulver, fällt das hier sofort auf.

Nachdem das Pulver in die Hülsen gefüllt wurde, markiert ein lose aufgesetztes Geschoss den Füllstand.
Nachdem das Pulver in die Hülsen gefüllt wurde, markiert ein lose aufgesetztes Geschoss den Füllstand.

Geschosse setzen

Jetzt, wo die Hülsen mit Treibladungsmittel und Zünder versehen sind, ist das Setzen der Geschosse an der Reihe. Dafür muss zuerst die entsprechende Setzmatrize in der Presse installiert werden. Mit Hilfe einer fertigen Referenzpatrone kann im Handumdrehen die richtige Setztiefe eingestellt werden. Ansonsten nähert man sich der richtigen Setztiefe, in dem man die Geschosse setzt, nachmisst und dementsprechend die Einstellungen an der Matrize korrigiert. Geschoss und Hülse werden verheiratet, indem ein Geschoss lose in den Hülsenhals bzw. -mund eingesetzt und mit Hilfe der Presse und Matrize in diesen eingedrückt wird. Der Hülsenmund hat einen etwas kleineren Durchmesser als das Geschoss, wodurch es einen festen Sitz in der Hülse erhält.

In der Setzmatrize wird das Geschoss in den Hülsenhals gedrückt.
In der Setzmatrize wird das Geschoss in den Hülsenhals gedrückt.

Der korrekte Sitz der Geschosse wird mit einem Messschieber kontrolliert. Ein spezieller Aufsatz ermöglicht es, die Länge der Patrone an der Ogive, anstatt an der oft unregelmäßigen Spitze der Geschosse zu messen. In dem gesamten Wiederladeprozess von Jagdmunition kommt es auf Maßhaltigkeit und Konsistenz an. Nur so sind Ladungen möglich, die gleichbleibend genau und damit wirksam und schlussendlich waidgerecht sind.

Mit dem Messschieber werden die Patronen auf die korrekte Maßhaltigkeit kontrolliert.
Mit dem Messschieber werden die Patronen auf die korrekte Maßhaltigkeit kontrolliert.

Nachdem ein Los Hülsen verschossen wurde, kann sich dem Rekalibrieren gewidmet werden. Bei diesem Arbeitsschritt werden die abgeschossenen Hülsen, die sich durch das Abfeuern und Lidern im Patronenlager "verformt" haben, wieder in das korrekte Maß zurückgebracht. Hierfür werden die abgeschossenen Zündhütchen ausgestoßen, die Hülse gewaschen und mittels Kalibriermatrize wieder in Form gebracht. Anschließend kann der hier beschriebene Ladeprozess von neuem beginnen.

Mit freundlicher Unterstützung durch Frankonia.

 

(* Der Beitrag enthält bezahlte Verlinkungen.)

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