Wie alt ist der alte Schuss? – Frag den Tierarzt

Gibt es Möglichkeiten, am erlegten Stück das Alter einer schon zuvor bestehenden Schussverletzung nachträglich festzustellen?
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Der Hirsch hatte einen hohen Laufschuss.
Der Hirsch hatte einen hohen Laufschuss.

Vor einigen Jahren wurde vom Autor im Dezember ein Hirsch mit einer schweren Vorderlaufverletzung erlegt. Dieser Fall soll nun zur Veranschaulichung als Beispiel dienen:

Der Hirsch wechselte dreiläufig und stark abgekommen bei einem Rotwildriegler in relativ steilem Gelände an. Am erlegten Stück war dann eine ältere, fast doppelt handflächengroße, eitrig-stinkende Verletzung im Bereich des rechten Ellbogens/ Oberarmes festzustellen.

In der offenen Wunde waren Knochensplitter und Eiter, am Rande auch Narbengewebe. Im hinteren Bereich der Verletzung, nahe am Ellbogen, befand sich eine zirka 20-Cent-Stück große, verheilte kreisrunde Wunde (vermuteter Einschuss), die in Verbindung mit dem Aussehen der Wunde selbst (kleine Knochensplitter, Muskelgewebe wirkte „ausgerissen“) den Verdacht auf eine ältere Schussverletzung rechtfertigte.

Röntgen bringt die Gewissheit: Schussverletzung!

Um diesen Verdacht auf eine Schussverletzung abzusichern, wurde ein Röntgenbild angefertigt. Dieses zeigte eine Trümmerfraktur im Bereich Oberarm und Ellbogengelenk sowie Metallfragmente. Das war der eindeutige Beweise für die von mir vermutete Schussverletzung. Die Schussrichtung war von stark schräg hinten (Ellbogengegend) in Richtung Oberarm.

Hirsch quälte sich bereits mehrere Wochen

Der Schuss hatte den Oberarmknochen zerstört, riss massiv Muskelgewebe und Knochenteile aus, verletzte aber nicht den Brustkorb oder Brustorgane. Zur weiteren Abklärung des Alters der Wunde wurde noch Gewebe aus der Wunde histologisch an gefärbten Gewebsschnitten unter dem Mikroskop beurteilt. Nach dem Verlauf der Wundheilung und der Bildung von Granulationsgewebe und elastischen Fasern kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass diese Verletzung zumindest über vier Wochen alt gewesen sein muss.

Aus wildbrethygienischer Sicht sind derartige Stücke natürlich untauglich für den menschlichen Verzehr. Alte eitrige und offene Wunden sowie die deutliche Abmagerung lassen da keine Alternative zu.

Ob nach dieser massiven Laufverletzung eine Nachsuche durchgeführt wurde, konnte nicht ermittelt werden.

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