Tumore bei Rothirschen – Frag den Tierarzt

In der Brunftrutengegend eines erlegten Rothirschs fand ich diese merkwürdige Wucherung. Was ist das?
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Papillome findet man in der Brunftrutengegend.
Papillome findet man in der Brunftrutengegend.

Bei dieser Wucherung handelt es sich um einen Tumor. Tumoren bei Wildtieren wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer häufiger diagnostiziert. In eigenen Untersuchungen waren es überwiegend sogenannte Fibrome und Papillome, seltener Fibrosarkome, Osteosarkome, Lymphome, Liposarkome, Seminome sowie je ein Gallengangs- und Plattenepithelkarzinom.

Faust- und apfelgroße Geschwulste

Folgende Fallberichte betreffen Hirsche die unterschiedlich große Papillome im Vorhautbereich aufwiesen. Ein Hirsch war mit dieser Umfangsvermehrung schon länger bekannt. In der Nähe der Brunftrute befand sich ein dunkel gefärbtes und faustgroßes Geschwulst mit rauer Oberfläche. Die histologische Untersuchung ergab die Diagnose Papillom.

Der zweite Hirsch hatte im Bereich der Vorhautöffnung und der Brunftrute mehrere bis kleinapfelgroße Tumoren, ebenfalls mit rauer Oberfläche. In diesen Fällen ergab die histologische Untersuchung – darunter wird die Beurteilung des Zellbilds eines Gewebschnittes unter dem Mikroskop verstanden – die Diagnose Papillomatose.

Papillome sind durch Viren bedingte, warzen- oder blumenkohlartige, gutartige Geschwülste, die an der äußeren Haut, den Läufen, in der Speiseröhre oder im Pansen auftreten können. Fibrome sind ebenfalls gutartig, entwickeln sich aus Zellen und Fasern des Bindegewebes und sind meist kugelig, scharf begrenzt mit weißer Schnittfläche. Fibrosarkome hingegen sind bösartig.

Zahlreiche Wildarten betroffen

Papillome wurden bei Rindern, Gams- und Stein-, seltener bei Rot-, Dam- und Rehwild sowie bei Hasen und Wildkaninchen nachgewiesen. Die Übertragung erfolgt über kleine Wunden (z.B. durch Harschschnee), Insektenstiche, direkten Kontakt oder auch bei Salzlecken. Krankheitserscheinungen treten hauptsächlich im Winter bei ungünstigen Witterungsverhältnissen, Nahrungsmangel oder Massierungen des Wildes auf und können die Nahrungsaufnahme behindern (Papillome am Äser) oder zu Bewegungsstörungen führen (Papillomatose an den Läufen).

Bei mildem Verlauf kann Papillomatose wieder abheilen. Erkrankte Tiere sollten dennoch – in schwereren Fällen allein schon aus Gründen des Tierschutzes – wegen der Infektionsgefahr für weitere Tiere erlegt werden. Deutlich abgemagerte Stücke bzw. Individuen mit zahlreichen Geschwülsten auf den inneren Organen bzw. der Muskulatur sind für den Genuss untauglich.

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