Schadet Gülle den Wildtieren? – Frag den Tierarzt

Bringt die Gülledüngung der Felder in der Landwirtschaft ein erhöhtes Infektionsrisiko für unsere Wildtiere mit sich?
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Clostridiose_Gams
Sogenannte "Brei-Nieren" können auf eine Clostridien-Infektion hindeuten.

Die zunehmende Düngung von Grünland mit Gülle steigert tatsächlich das Infektionsrisiko für Wild- und Nutztiere, im Besonderen für Paratuberkulose und Clostridiosen.

Clostridien sind Bakterien, die dauerhafte Sporen bilden und damit auch Jahrzehnte nach Ausbringung der Gülle im Boden überleben können. Neben den Erregern von Milz- und Rauschbrand, Pararauschbrand oder von Tetanus gibt es eine Reihe weiterer Clostridien-Arten, die den Magen-Darm-Trakt befallen und durch ihre Giftproduktion zu plötzlichen Todesfällen führen können. Clostridium perfringens ist z.B. nicht nur als Erreger von dem extrem gefährlichen Gasbrand nach Wundinfektionen, sondern auch von schwersten Darm- und Nierenentzündungen bekannt. Je nach Erregerstamm sind blutiger Durchfall, Nierenerkrankungen oder plötzliche Todesfälle ohne äußerlich erkennbare Symptome zu erwarten.

Übertragung von Haustierkrankheiten möglich

Aus der Schaf- und Ziegenhaltung ist bekannt, dass Clostridien-Infektionen besonders im Frühjahr und Herbst bei Fütterung mit leichtverdaulichem Grünfutter oder bei übermäßiger Vorlage von Kraftfutter auftreten. Im Zusammenhang mit der deutlich steigenden Gülledüngung landwirtschaftlicher Flächen ist auch eine Zunahme von Clostridien-Infektionen zu befürchten. Ein weiteres Risiko sind mit Hühnerdung gedüngte Futterflächen. In der Diskussion um mögliche Infektionsquellen stehen auch Abfälle aus Biogasanlagen immer wieder im Verdacht.

Wie sehen die Symptome aus?

Bei Infektion tritt schwerer Durchfall auf, mit flüssiger, hochgradig stinkender Losung. Dieser sind Blut und später auch Fibrinfetzen beigemengt. In besonders akuten Fällen kann es auch zum plötzlichen Festliegen und Verenden der Tiere innerhalb weniger Stunden kommen. Durchfall muss dabei noch nicht aufgetreten sein.

Im Zuge der Sektion findet sich immer eine blutige bis fibrinöse Entzündung des gesamten Verdauungstraktes. Der Darminhalt ist hochgradig stinkend, dünnflüssig und enthält Blut, angedautes Blut sowie Fibrinfetzen.

Eine eindeutige Diagnose liefert der Zerlegungsbefund nur in Zusammenhang mit einem Toxin-Nachweis und einer Clostridien-Typisierung, die jedoch aufwändig sind.

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