Wespen- und Hornissennester: So wird die Kanzel stichsicher!

Unbedacht wird die Kanzeltür geöffnet – schon sitzt der erste Stachel im Hals! Damit Ihnen das erst gar nicht passiert, hat unser Autor ein paar garantiert schmerzfreie Tipps auf Lager.
Wespe-kriechend
Wespen- oder Hornissennester können bei Jägern manchmal für Frust sorgen.

Während Wespen meist erst zur Obstkuchenzeit im Garten oder auf der Terrasse wirklich störe, stehen uns Jägern oft schon mit Aufgang der Bockjagd allerlei Überraschungen bevor. Denn dann können die stacheligen Flieger durch ihren Nestbau in trockenen, dunklen und zugfreien Reviereinrichtungen so manchen Ansitz vereiteln oder den Hochsitz gar für einige Monate unbenutzbar machen.

Hornissen: Wie gefährlich sind die Insekten?

Besonders vor der größten einheimischen Wespenart, der Hornisse, fürchten sich viele Menschen. Schon aufgrund seiner Größe wirkt das bis zu dreieinhalb Zentimeter lange Insekt für viele bedrohlich. Im Gegensatz zu den Wespen stehen Hornissen aber nicht auf Süßes, sind Menschen gegenüber weniger aggressiv und machen sich durch ihr Beuteschema, das neben anderen Schädlingen auch Raupen und Wespen umfasst, in der Natur sehr nützlich. Sie stechen Menschen in der Regel nur, wenn sie bedrängt werden oder ihr Nest in Gefahr ist. Die Giftwirkung ist trotz größerem Stachel annähernd gleich.

Wespennest: Und jetzt?

Aber was kann man gegen Nester in Reviereinrichtungen tun? Am erfolgsversprechendsten sind vorbeugende Maßnahmen im zeitigen Frühjahr, damit es erst gar nicht zum Nestbau kommt! Einige Experten empfehlen, je nach Wetter von Ende Februar bis Mai Nelken-, Orangen-, Zitrusöl oder Zitronenmelisse im Zerstäuber in der Kanzel zu versprühen, um die Ansiedlung von Wespen oder Hornissen zu verhindern. Das würde bedeuten, sämtliche Kanzeln regelmäßig alle paar Wochen zu kontrollieren und zu besprühen. Auch das Entzünden von einigen Esslöffeln Kaffeepulver in der Kanzel wird als Hausmittel empfohlen, um die Insekten „auszuräuchern“ und an einer Ansiedlung zu hindern. Weitere Hausmittel, die man vorbeugend einsetzen kann, sind ein Zwiebelnetz oder ein alter Socken, der mit Urinstein, Lavendel oder Rosmarin gefüllt und mit einem Reisnagel unter dem Kanzeldach befestigt wird.

Wespen und Hornissen: Das hilft wirklich

Der Nachteil: Grundsätzlich lassen sich Wespen und Hornissen niemals durch einen Geruchsstoff oder ein Vergrämungsmittel von einem einmal gegründeten Neststandort vertreiben. Mir geht es da sicher wie vielen anderen Jägern auch – meine Kanzeln sind mir persönlich so wichtig, dass ich nicht einmal eine Saison auf sie verzichten möchte. Daher mache ich mir eine in den allermeisten Fällen sehr erfolgsversprechende Methode zunutze: das Abhängen des Kanzelhimmels mit Sackleinen. Dafür wird ein entsprechend großes Stück Sisalgewebe oder Sackleinen mit einem Tacker wie eine Zwischendecke in die Kanzel eingehängt. Die Insekten beginnen zwar nach wie vor mit dem Nestbau, brechen ihn aber spätestens dann ab, wenn das Nest drei bis vier Zentimeter groß wird. Ich habe dies in einer zumeist nicht benutzten Kanzel zu Testzwecken ausprobiert. Nach drei Jahren hingen nur fünf maximal walnussgroße aufgegebene Nester am Sisalhimmel.

Sisal-Decke
Die Decke mit Sackleinen zu verkleiden, hilft gegen die Baumeister.

Wespennest: Warum Prophylaxe wichtig ist

In einer fünfzig Meter weiter unten stehenden baugleichen Kanzel ohne Sisal-Zwischendecke kam es dagegen in jedem Frühjahr zum Nestbau von „richtigen“, fast basketballgroßen Wespen- oder Hornissennestern! Zusätzlich hilft natürlich das Abdichten und Verschließen der möglichen Anfluglöcher mit Leisten und PU-Schaum im Frühjahr. Anstatt schlecht schließender Klappen und Läden an den Fenstern kann man auch Schiebefenster aus neun oder zwölf Millimeter starken, wasserdichten Multiplexplatten (Siebdruckplatten) von innen einbauen, die in Aluschienen laufen und so die Kanzelfenster zuverlässig vor den schwarz-gelben Untermietern abdichten.

Sisaldecke-erfolg
Die Verkleidung der Decke mit Sackleinen brachte den Erfolg.

Wespennest: Darum hilft Durchzug

Am besten aber stellt man erst gar keine hermetisch abgeschlossenen Kanzeln ins Revier, sondern lässt Reviereinrichtungen an mindestens zwei Seiten offen, zugig, hell und somit unattraktiv für Wespen und Hornissen. Natürlich kann man in diesem Zeitraum auch einfach die Fenster offen stehen lassen, damit es schön durchzieht und so für die Insekten unattraktiv wird. Allerdings muss man dann damit rechnen, dass schon nach kurzer Zeit andere Untermieter (z.B. Vögel oder Siebenschläfer) einziehen. Und wer schon mal Siebenschläfer, auch Bilche genannt, in der Kanzel oder seiner Jagdhütte hatte, für den ist ein Wespennest wahrscheinlich das kleinere Übel.

Wespennest in der Kanzel: Warum Vorsicht besser als Nachsicht ist

Vorsicht übrigens beim Öffnen von Kanzeln, da die Nester oft auch seitlich an die Türen angeklebt sind und durch ein beherztes Türöffnen beschädigt würden. Hunderte stechfreudige Insekten wären die Folge. Immer beachten: Beim Beziehen der Kanzel regelmäßig einen Blick unter Sitz- oder Auflagebretter werfen! Auch das schützt vor unliebsamen Erfahrungen.

Wespen- oder Hornissenstich: Was tun?

  • Der Volksmund sagt: „Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd.“ Dabei ist der Stich einer Hornisse nicht gefährlicher als der einer Wespe, und wirklich lebensbedrohend wird es erst bei mehreren Hundert Stichen. Die tödlichen Unfälle bei Wespenstichen treten meist bei Allergikern auf, die um ihre Allergie nicht wissen oder danach schlecht versorgt werden. Bei ihnen kann schon ein einziger Stich lebensbedrohlich sein.
  • Gefährlich können einzelne Stiche dann werden, wenn sich der Stich im tiefen Rachenraum befindet und durch die Schwellung die Atmung behindert wird. Spätestens dann ist es höchste Zeit für einen Notarzt-Anruf! Kühlen – zum Beispiel durch kaltes Wasser oder mit Kühlpads – ist die angebrachte Erste-Hilfe-Maßnahme. Auch beim „normalen“ Stich einer Wespe oder Hornisse kann Kühlen die juckende, schmerzhafte, rötliche Schwellung um die Einstichstelle lindern. Ein weiteres Hausmittel ist eine in der Mitte durchgeschnittene rohe Zwiebel, die mit der Schnittfläche auf den Stich gelegt wird, oder Essig. Sollte der Stachel noch stecken, entfernen wir diesen natürlich vorher.

Wespennest oder Hornissennest entdeckt: Was tun?

Was aber tun, wenn man die oben stehenden Tipps nicht beachtet hat? Was, wenn sich im Hochsommer ein stattliches Wespen- oder Hornissennest in einer Ansitzeinrichtung etabliert hat? Am besten gar nichts – die oft und gerne gegebenen Tipps wie mit dem Feuerzeug anzünden, der Einsatz von Wespenschaum und anderen Chemiekeulen oder das Abschlagen des Nestes in einen Sack sind meist nicht nur untersagt bzw. verboten, sondern ohne Spezialausrüstung recht gefährlich. Deshalb besser einmal für zwei bis drei Monate auf diese Kanzel verzichten und beobachten, wie sich der Insektenstaat weiter entwickelt. Spätestens im Herbst geben die Wespen und Hornissen ihre Nester dann auf.

Wespennest selbst entfernen: Darum ist das keine gute Idee

  • Wespen und Hornissen haben eine wichtige Funktion im Ökosystem: Einige Tausend Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Blattläuse und andere Kleintiere, die uns in Feld und Flur auch lästig werden können, vertilgt so ein kleiner Wespenstaat am Tag. Darüber hinaus bestäuben Wespen Pflanzen, fressen Tierkadaver und dienen Vögeln als Nahrungsgrundlage. Deshalb dürfen unsere heimischen Wespenarten wie alle wildlebenden Tiere und Pflanzen (§ 39 Abs. 1 BNatSchG) nicht ohne vernünftigen Grund in ihrer Entwicklung verletzt, gestört oder getötet werden.
  • Alle Hummeln, Wildbienen und Hornissen sind nach der Bundesartenschutzverordnung (§ 44 BNatSchG) besonders streng geschützt. Ein Nest darf nur aus einem wichtigen Grund durch eine sach- und fachkundige Person und nach vorheriger Genehmigung durch die zuständige Naturschutzbehörde umgesiedelt werden. Ansonsten stellt das Zerstören oder Abtöten eines Hornissennestes einen strafbaren Gesetzesverstoß dar, der mit hohen Geldstrafen geahndet werden kann

Wespen: Keine Routiniers

Die Arbeiter sterben alle, und die verbliebene Königin sucht sich einen geschützten Platz, an dem sie überwintern kann. Nach den ersten Nachtfrösten kann man die verlassenen Nester dann in aller Regel gefahrlos entfernen. Im nächsten Frühjahr beginnt dieser Zyklus wieder von Neuem – allerdings wird sich dort, wo sich bereits im Vorjahr ein Nest befand, in den kommenden Jahren vorerst kein Insektenvolk mehr ansiedeln.

Wespennest: Warum Warnungen sinnvoll sind

Vor den Reviereinrichtungen, die Wespen und Hornissen über den Sommer also quasi „mitbewohnen“, sollten natürlich auch die Mitjäger und Jagdgäste im Revier entsprechend gewarnt werden. Ein kleines Schild mit „Achtung, Hornissen/ Wespen“ an der Hochsitzleiter kann Jagdkameraden vor bösen Überraschungen schützen und hält auch garantiert manches Liebespärchen von einem Schäferstündchen auf der Kanzel fern …

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