Mein Hund hat ein Reh mit Geschwulst gefangen – ist er gefährdet?

Mein Hund hat ein sichtbar laufkrankes Reh gefangen mit Geschwür gefangen. Muss ich mir jetzt Sorgen um meinen Hund machen?
Das Geschwulst am Vorderlauf des vom Hund abgefangenen Rehs.
Das Geschwulst am Vorderlauf des vom Hund abgefangenen Rehs.

Bei der abgebildeten Wucherung könnte es sich um Papillomatose handeln, untypisch ist aber die himbeerrote, feuchte Oberfläche und der Umstand, dass lediglich zwei Veränderungen an den Läufen auftraten. Bei Papillomatose finden sich meist zahlreiche Knoten. In Frage kämen noch (bösartige) Tumoren wie Fibro- oder Osteosarkome oder, deutlich weniger wahrscheinlich, „wildes Fleisch“ (Caro luxurians) infolge einer schlecht verheilten alten Verletzung mit überschießender Bildung von Granulationsgewebe. Eine histologische Untersuchung eines Gewebsschnittes unter dem Mikroskop könnte eine exakte Diagnose liefern.

Papillome sind durch Viren bedingte, warzen- oder blumenkohlartige, gutartige Geschwülste („Warzen“), die an der äußeren Haut, am Gesäuge, den Läufen, in der Speiseröhre oder im Pansen auftreten können. Fibrome sind ebenfalls gutartig. Sie entwickeln sich aus Zellen und Fasern des Bindegewebes und sind meist kugelig, scharf begrenzt mit weißer Schnittfläche. Fibro- oder Osteosarkome sind bösartig und neigen zur Metastasenbildung.

Milde Papillomatosen können wieder abheilen

Papillome wurden bisher bei Rindern, Schalenwildarten sowie bei Hasen und Wildkaninchen nachgewiesen. Die Übertragung erfolgt über kleine Wunden (z.B. durch Harschschnee), Insektenstiche, direkten Kontakt oder auch bei Salzlecken. Papillome am Äser behindern die Nahrungsaufnahme. An den Läufen können sie zu Bewegungsstörungen führen. Bei milderem Verlauf kann Papillomatose wieder abheilen. Erkranktes Wild sollte dennoch, in schwereren Fällen allein schon aus Gründen des Tierschutzes sowie aufgrund der Minimierung einer Infektionsgefahr für weitere Tiere, erlegt werden.

Stück muss vor Vermarktung untersucht werden

Aus wildbrethygienischer Sicht sind Stücke mit Geschwülsten, falls sie abgekommen sind bzw. Geschwülste zahlreich oder verteilt in inneren Organen oder in der Muskulatur vorkommen, untauglich. Gering gradige Veränderungen gelten auf alle Fälle als Auffälligkeiten, weshalb das Stück durch einen Fleischuntersuchungstierarzt zu begutachten ist, falls eine Verwertung als Lebensmittel erwogen wird. Ebenfalls untauglich sind Stücke, wenn die Veränderungen Ekel erregend sind. Für Menschen oder Hunde ist ein Kontakt mit solchen Stücken bei Einhaltung üblicher Hygienemaßnahmen unproblematisch.

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