Können Rehe Lungenentzündung haben? – Frag den Tierarzt

Kürzlich konnte ich ein Reh erlegen, das schon vorher durch Husten aufgefallen war. Kann auch Rehwild an Lungenentzündung erkranken?
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Lungenwurm-Gamsbock
Ein Lungenwurmbefall (die grauen Knoten sind Wurmknoten) sowie eine beginnende Lungenentzündung.

Schwere Lungenentzündungen, oft begleitet von Rippen-/ Lungenfellentzündungen, sind bei Reh- und Gamswild immer wieder zu beobachten. Diese Erkrankungen lassen sich bereits vermuten, wenn infizierte Stücke husten oder hinter dem Rudel zurückbleiben. Spätestens im Zuge des Aufbrechens fallen sie auf. Zusätzlich kann Nasenausfluss auftreten. Ursache dieser bakteriellen Lungenentzündungen ist häufig ein vorausgehender Lungenwurmbefall. Dabei werden durch die wandernden Lungenwurmlarven Bakterien aus dem Lungenschleim in den Bronchiolen in das Lungengewebe eingebracht und rufen dort Entzündungen und in der Folge manchmal sogar Abszesse hervor.

Lungenwurmbrustknoten
Schnitt durch einen Lungenwurmbrutknoten mit angeschnittenen Lungenwurmlarven (40fach vergrößert).

Erkrankte Lungenteile besitzen eine dunklere Farbe als das gesunde Nachbargewebe und fühlen sich derbfleischig an. Ein gesundes Lungengewebe ist rosa und puffig-weich. Auch beim Anschneiden erkrankter Lungenteile sind die angeschnittenen Stellen fester als ein gesundes Lungengewebe. Im Falle einer zusätzlichen Rippen-/ Lungenfellentzündung lässt sich die Lunge beim Aufbrechen nicht leicht und komplett aus der Brusthöhle entfernen.

Klimawandel sorgt für höheren Lungenwurmbefall

Im Zuge des Klimawandels kann von einer Zunahme des Infektionsdruckes mit Lungenwurmlarven auch in höheren Lagen ausgegangen werden. Damit ist mit einer Zunahme von Lungenentzündungen bei Gams- und Steinwild zu rechnen.

Im Jahr 2014 waren aus 22 von 24 Gamslungenproben aus der Steiermark Lungenwurmlarven und parasitär bedingte Lungenentzündungen nachweisbar! Neben der Temperatur ist die Feuchtigkeit in der Losung und in deren Umfeld ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung von Parasiten. Auch hier gilt, dass Feuchtigkeit und Nässe in Zusammenhang mit geeigneten Temperaturen das Überleben der Parasiten begünstigen. Trockenheit und hohe Temperaturen töten parasitäre Stadien rascher ab, ebenso direktes Sonnenlicht (UV-Strahlung).

Mit dem Ansteigen der Waldgrenze und damit zunehmendem Schattenwurf der Bäume sowie temperaturbedingtem höheren Pflanzenwachstum kommt es auch dazu, dass weniger UV-Licht auf Parasiten und ihre Entwicklungsstadien in der Losung einwirken kann und diese somit länger infektiös bleiben.

Nur nicht abgekommene Stücke sind verwertbar

Lebensmittelhygienisch ist die befallene Lunge untauglich für den menschlichen Verzehr, und die Verwertbarkeit des Wildbrets richtet sich nach den sonstigen Befunden.

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