Kastration von Rüden: Bis zu welchem Alter ist das sinnvoll?

In der Nachbarschaft gibt es unkastrierte Hündinnen: Mein alter Rüde dreht fast durch. Ist es sinnvoll, ihn noch zu kastrieren?
Deutsch Drahthaar Rüde im Feld

In den meisten Fällen werden Rüden nicht aus medizinischen Gründen kastriert, sondern um unerwünschtes Verhalten wie Aggressivität, Herumstreunen, Markieren im Haus oder Besteigen von Objekten, anderen Hunden und Menschen zu verhindern. Diese Verhaltensweisen lassen sich durch Kastration um 60 bis 90 Prozent reduzieren. Erstaunlich ist, dass nur 64 Prozent der kastrierten Rüden das Interesse an läufigen Hündinnen verlieren. Aggressivität im Zusammenhang mit Verteidigen des Futters oder aus Angst wird durch Kastration nicht vermindert. Je älter der Rüde zum Zeitpunkt der Kastration ist, desto weniger nimmt die Aggressivität gegenüber anderen Rüden ab.

Hormonelle Kastration als Alternative

Bei alten Rüden empfiehlt sich eher, auf eine „hormonelle Kastration“ zurückzugreifen, die es seit einigen Jahren gibt. Mithilfe eines Chip-Implantats kann bei Rüden damit die Wirkung einer Kastration für sechs bzw. zwölf Monate imitiert werden. Diese Chips werden besonders dann eingesetzt, wenn abgeklärt werden soll, ob unerwünschte Verhaltensweisen wirklich hormonell bedingt sind und durch Kastration verschwinden werden, oder bei älteren bzw. herzkranken Tieren.

Ein kleiner Chip ersetzt den Eingriff

Der „Kastrations-Chip“ ist ein Implantat, das ähnlich wie der Mikrochip zur Kennzeichnung unter die Haut im Nacken eingesetzt wird. Er enthält den Wirkstoff Deslorelin, eine hormonell wirksame Substanz, die er je nach Dosierung kontinuierlich abgibt (bei Hunden unter zehn Kilogramm oft länger wirkend). Dadurch tritt eine vorübergehende Unfruchtbarkeit ein. Im Gegensatz zur „chirurgischen Kastration“ sprich man deshalb auch von einer „chemischen“ Kastration.

Ein mit dem Suprelorin-Chip behandelter Rüde benimmt sich wie ein kastrierter Rüde. Unerwünschtes Verhalten, welches auf andere Auslöser zurückzuführen ist (wie Futterneid oder Territorialverhalten) wird durch den Chip nicht beeinflusst. Auftretende Nebenwirkungen sind mit jenen der chirurgischen Kastration vergleichbar (wie Abnahme oder Verschwinden des Sexualverhaltens, Abnahme des aggressiven Verhaltens, verstärktes Futterverlangen, Fellveränderungen), daneben verkleinern sich die Hoden. Die volle Wirkung des Chips tritt nach vier bis sechs Wochen ein, wobei sie nicht bei allen behandelten Rüden auftritt. Für weitere Informationen fragen Sie am besten ihre Tierärztin/ ihren Tierarzt.

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