Jagdhund: Das ist bei der Züchterauswahl zu beachten

Nicht jeder Züchter ist auch ein „guter“ Züchter. Es lohnt sich daher, bei der Wahl des Zwingers genau hinzusehen.
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02. September 2022
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Fressen alle Welpen aus einer Schüssel, lernen sie sich gegenüber den Geschwistern durchzusetzen.
Fressen alle Welpen aus einer Schüssel, lernen sie sich gegenüber den Geschwistern durchzusetzen.

Die Person, die für die Entwicklung und die Aufzucht des Welpen eine entscheidende Verantwortung trägt, ist der Züchter. Doch was macht einen „guten und verantwortungsvollen“ Züchter eigentlich aus? Das größte Qualitätsmerkmal ist: Er lässt sich über die Schulter und in seine Aufzuchtbedingungen schauen. Gute Züchter wollen wissen, wem sie einen Welpen geben und dabei den Eindruck gewinnen, dass ihr Welpe in ein gutes Zuhause kommt. Den anderen ist das mehr oder minder egal – Hauptsache, der Hund ist weg und das Geld auf dem Konto.

Ausstellungstitel haben für einen Jagdhund keine große Aussagekraft

Der Züchter kann die Welpen in den Wochen vor der Abgabe auch vorsichtig ans Wasser heranführen.
Der Züchter kann die Welpen in den Wochen vor der Abgabe auch vorsichtig ans Wasser heranführen.

Bei uns Menschen heißt es scherzhaft hin und wieder: „Bevor man heiratet, sollte man die Schwiegermutter betrachten.“ Auf einen Welpen gemünzt lautet entsprechend die Devise, den Züchter und seine Zuchthunde genauer zu betrachten. Schönheitschampionate und Ausstellungstitel haben für einen Jagdhund keine große Aussagekraft – denn Schönheit jagt nicht! Viel wichtiger ist, dass der Inhaber eines Zwingers die Elternhunde auch wirklich im Einsatz hat und die notwendigen Prüfungen nicht nur zur Wertsteigerung seiner Welpen abgelegt hat.

Auswahlkritieren: Das sollten Sie auf jeden Fall wissen

Worauf legen wir also nun konkret unser Augenmerk? Viele Kriterien kann man nicht am Telefon abklären, sondern müssen bei einem ausgiebigen Besuch des Züchters vor Ort abgefragt werden. Zu diesem Besuch schadet es ganz und gar nicht, jemanden mitzunehmen, der sich damit auskennt.

Folgende Punkte sollten dann begutachtet und kritisch hinterfragt werden:

  • Wie werden die Elterntiere gehalten?
  • Welchen Eindruck macht die Mutterhündin auf Sie?
  • Wie ist deren Beziehung zum Eigentümer und anderen Menschen?
  • Sind die Hunde wesensfest – wirken sie sicher, zufrieden und entspannt oder eher unsicher, ängstlich oder gar aggressiv?
  • Wie verhält sich der Züchter gegenüber seinen Hunden – ist er hart und grob oder vertrauensvoll, souverän und freundlich?
  • Hat der Wurf Kontakt mit der Familie, Kindern oder auch anderen Hunden außer der Mutterhündin? Oder werden die Welpen isoliert gehalten?
  • Ist der Wurf draußen im Freien und hat genügend Auslauf oder geschieht die Aufzucht drinnen im dunklen Stall?
  • Gibt es einen abwechslungsreichen Wurfzwinger mit Spielwiese?
  • Fressen die Welpen jeder aus seinem Futternapf oder trainieren diese ihr Sozialverhalten beim Streit um den besten Platz an der gemeinsamen Schüssel?
  • Wie sind die hygienischen Bedingungen? Ist der Zwinger stark verschmutzt; werden scharfe Reinigungsmittel verwendet?
  • Hat der Züchter bereits Wildkontakt hergestellt? Wurden die Welpen bereits vorsichtig mit der Reizangel gearbeitet?
  • Sind Hunde an Haus, Auto, Geräusche (Rasenmäher, Mülltonne u.Ä.), Halsband und Leine gewöhnt?

 

Welpenbewerber: Ehrlichkeit mitbringen

Die Qualitätsmerkmale des guten Welpeninteressenten wollen wir aber ebenfalls nicht außer Acht lassen: Der engagierte potentielle Welpenkäufer will dem Züchter über die Schulter schauen. Er interessiert sich für die Hunde, für deren Aufzucht und schätzt seine eigenen Fähigkeiten, seine Jagdmöglichkeiten und auch den vorgesehenen Einsatzbereich seines Welpen realistisch ein. Er bereitet sich rechtzeitig und umfassend auf den Einzug des neuen Jagdgefährten vor. Auch bei mir traten von Zeit zu Zeit Welpeninteressenten auf, die einen eher großzügigen Umgang mit der Wahrheit pflegten und das Blaue vom Himmel herunterlogen, nur um an einen Welpen zu kommen. Ein Beispiel aus der Vergangenheit gefällig? Ein Interessent gab an, er besäße eine große Eigenjagd im Gebirge. Am Ende stellte sich heraus, dass er in einer Großstadtwohnung mit Balkon lebte und gar keine Jagdmöglichkeit hatte. Auch beim Hundekauf gilt also: Wie man in den Wald hineinruft...

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