Jagd im Winter: Störungsarm auf Rehwild und Sauen jagen

Im Winter benötigt unser Wild Ruhe. Wer dennoch auf Ansitz geht, sollte möglichst wenig im Revier stören.
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Keiler-Kirrung-Schnee
Im Winter nehmen Sauen gut Kirrungen an.

Die Weihnachtsfeiertage sind fast vorbei, schon bald beginnt das neue Jahr. Der Wald ist gehüllt in einen weißen Mantel, die Temperaturen liegen unter Null. Unser Wild hat über die Jahrhunderte verschiedene Strategien entwickelt, um mit dieser Jahreszeit zurechtzukommen. Ein Faktor aber ist dabei für alle wichtig: Ruhe. Wohl dem, der seinen Abschussplan beim Reh- und Rotwild bereits erfüllt hat. Was aber, wenn noch einige Stücke fehlen und welche Möglichkeiten gibt es, Schwarzwild in Zeiten der Afrikanischen Schweinepest störungsarm zu bejagen? Beachtet man nur einige Faktoren, kann man unnötige Unruhe im Revier deutlich minimieren.

Die richtige Platzwahl für den Hochsitz

Für eine störungsarme Jagd ist eine gute Vorbereitung ausschlaggebend. Diese beginnt bereits mit der Anlage der Ansitzeinrichtungen. Um möglichst schnell und geräuscharm zum Hochsitz zu gelangen, sollten diese direkt an einem Hauptweg stehen oder wenige Meter abseits. Benutzt man einen Pirschpfad, sollte dieser so kurz wie möglich gehalten werden, frei von Ästen sein und ggf. in guter Deckung verlaufen. Der Einsatz eines Wärmebildgerätes hat sich beim Angehen der Ansitzeinrichtung als vorteilhaft herausgestellt. Dadurch erkennt man bereits frühzeitig ein Stück Wild und verhindert somit ungewolltes Vertreten.

Neben der richtigen Platzwahl spielt auch das Verhalten des Wildes eine entscheidende Rolle. Jeder Jäger muss vor einem Ansitz in dieser ungünstigen Zeit wissen, ob das Wild derzeit aktiv ist, wo es gerade steht und wann es in etwa das Ziehen beginnt bzw. austritt. Kurzfristige Ansitzversuche, „um zu sehen, ob etwas geht“, sollten unterbleiben! Diese bringen nur unnötige Unruhe ins Revier.

Ein hilfreiches Mittel, um Wild punktuell zu beobachten, sind Wildkameras. Vor allem sendefähige Modelle haben den Vorteil, dass man zum Auslesen der Speicherkarte nicht mehr vor Ort sein muss, da sie die Bilder umgehend auf das Smartphone schicken. Das bringt den Vorteil mit sich, dass man keine menschliche Wittrung im Revier verteilt. Deshalb kann man die Wildkameras auch direkt in den Einstand hängen. Nun weiß man sofort, wann das Wild aktive Phasen hat und wann nicht. 

Hauptwindrichtung beachten

Neben diesen Beobachtungen sollte jeder Jäger stets das Wetter im Blick haben. Vor allem der Wind hat so manchen Waidmann sicherlich schon an der Nase herumgeführt. In Deutschland weht der Wind meist aus westlicher oder süd-westlicher Richtung. Diese Tatsache sollte daher schon beim Aufstellen der Ansitzeinrichtung stets bedacht werden. Nichtsdestotrotz benötigt man auch für andere Windrichtungen (z. B. Nord-Ost) Leitern und Kanzeln.

Für eine erfolgreiche und störungsarme Jagd ist eine konstante Wetterlage mit gleichbleibender Windrichtung eine gute Grundlage. Tage, an denen der Wind dreht, sorgen vor allem im Wald für manch böse Überraschung. Dann ist meist auch die Aktivität des Wildes eher gering. Gleiches gilt bei Neuschnee. Häufig dauert es ein bis zwei Tage, bis das Wild auf der Suche nach Äsung die Einstände wieder verlässt.

Als besonders vielversprechend beim Rehwild haben sich vor allem Ansitze bei angekündigtem Frost nach wärmeren Wetterperioden herausgestellt. Das Bedürfnis nach Fraß machen sich Jäger bei der Jagd auf Schwarzwild zunutze und legen Kirrungen an. Dabei sollte man sich auf einige wenige beschränken (Jagdgesetze beachten!). Diese werden unter Beachtung der Windrichtung angelegt, sollten regelmäßig beschickt werden und sich außerhalb des Einstandes befinden. Dadurch schafft man im Revier Ruhezonen, in die sich auch anderes Wild zurückziehen kann.

Verhalten nach dem Schuss

Damit das Wild die Ansitzeinrichtung und die Kirrung jedoch nicht miteinander in Verbindung bringt, ist das Verhalten vor und nach dem Schuss von äußerster Wichtigkeit. Häufig verhofft es bereits einige Minuten im Bestand, bevor es austritt. Ebenso nach dem Schuss: Dann sollte für mindestens 15 Minuten absolute Ruhe herrschen. Gleiches gilt für das Schließen der Kanzelfenster und -tür, dem Abbaumen und dem Bergen erlegten Wildes. 

Noch besser wäre es, das Wild nicht direkt an der Kirrung, sondern bereits beim Anwechseln z. B. auf einer Schneise zu erlegen. Diese Möglichkeit der Bejagung muss bereits beim Aufstellen der jagdlichen Einrichtung mitbedacht werden. Damit ist die Wahrscheinlichkeit einer Verknüpfung der Kirrung mit dem Hochsitz nahezu ausgeschlossen. Generell lohnt sich ein Ansitz erst, wenn die Kirrung gut angenommen ist – also lieber einen Tag länger warten. 

Schwarzwild an der Kirrung anpirschen

Ein gepflegter und völlig geräuscharmer Pirschpfad ist beim Anpirschen Pflicht. Die nächtliche Jagd bringt andernfalls zu viel Unruhe ins Revier. Nun muss
man nur noch eine sendefähige Wildkamera installieren und die Sauen beispielsweise mithilfe einer Kirrtrommel oder eines Wühlstreifens „beschäftigen“. Bis die Schwarzkittel die Kirrtrommel angenommen haben, kann es jedoch einige Zeit dauern. Dann bietet sie aber eine gute Möglichkeit – sofern man nah am Revier wohnt – sie so lange an der Kirrung zu halten, dass man sich anpirschen kann.

Um das Risiko möglicher Fluchten zu verringern, sollten stärkere Stücke aufs Blatt geschossen werden. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit deutlich, das verendete Stück weit aus dem Bestand heraus bergen zu müssen, was abermals unnötige Unruhe bedeuten würde. Befindet sich die Kirrung an oder nahe eines Hauptweges, fällt die Bergung folglich relativ störungsarm aus.

Am besten lässt man das verendete Stück liegen, pirscht leise zum Fahrzeug zurück und fährt mit diesem so nahe an den Erlegungsort wie möglich. Bei laufendem Motor wird das erlegte Stück Wild aufgeladen und auf kürzestem Weg wieder aus dem Revier herausgefahren. Das Auto stört das Wild bei weitem nicht so sehr wie ein einzelner Mensch bei Dunkelheit und die Motorengeräusche überdecken die Geräusche beim Bergen.

Wildkameraaufnahmen haben gezeigt, dass, kurz nachdem ein Auto an der Kirrung vorbeifuhr – selbst wenn Wild erlegt wurde –, oft weiteres Wild in derselben Nacht austrat. Um störungsarm zu jagen, sollte aber nicht nur der Einzelansitz in Betracht gezogen werden.

Schwarzwild-Kirrung-Hochsitz
Schwarzwildkirrungen sollten möglichst außerhalb der Einstände angelegt werden und für den Jäger schnell zu erreichen sein.

Ist das Wild aktiv, der Wind konstant und sind die Kirrungen angenommen, lohnt sich ein Sammelansitz mit Jagdkollegen. So kann die Strecke bei einem Ansitz deutlich gesteigert werden. Dafür hat das Wild an anderen Tagen – im Idealfall bis in den Frühling hinein – komplett Ruhe. Und mal ehrlich: Die Jagd mit Freunden bereitet einem doch sowieso mehr Freude.

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