Halsband oder Geschirr für den Hund? – Wilmas Woche

Ein Thema, welches mittlerweile unter den Hundehaltern zur Lagebildung geführt hat. Aber gibt das da ein Richtig oder Falsch?
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Aufmacher
Dackel Wilma trägt immer eine Halsung.

In meinem Umfeld sehe ich viele Hunde, die Halsbänder tragen, ebenso viele tragen ein Brustgeschirr. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass der Trend immer weiter zum Geschirr geht. Einfach aus dem Grund, dass die Leinenführigkeit, besonders in den jungen Jahren, nicht perfekt ist, und die Hundehalter so ihren Hund vor dem Zerren an der Leine und einer Kompression empfindlicher Organe, Nerven und Halswirbel schützen wollen. Aber stimmt das?

Ohne Frage, ein Halsband ist leicht angelegt und stört den natürlichen Bewegungsablauf des Hundes nicht. Ein Brustgeschirr ist da schon etwas komplizierter: Die Wahrscheinlichkeit, dass das Geschirr schlecht sitzt und zum Beispiel auf die Schulterblätter oder das Brustbein drückt, ist hoch. Dennoch gibt es verschiedene Typen von Geschirren (z.B. Y-Geschirr, H-Geschirr, Norwegergeschirr, uvm.), die auf den Hund bezogen gut sitzen und für ihn individuell die beste Lösung darstellen.

Vergleich: Anatomie Hund - Mensch

Wir Menschen vergleichen und häufig und gerne mit unseren Vierbeinern, versuchen nachzuempfinden wie sie sich fühlen könnten und schießen dabei gerne über das Ziel hinaus.

Anatomie
Vergleich der Anatomie vom Hund zu der des Menschen.

Grundsätzlich lässt sich alles miteinander vergleichen, trotzdem gibt es bspw. in der Anatomie zwischen Hund und Mensch sehr deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zu uns Menschen trägt der Hund seinen Kopf vor dem Brustkorb. So muss er aufgrund der Schwerkraft aktiv getragen werden. Dadurch sind die obersten Halswirbel die kräftigsten. Richtung Brustkorb nimmt die Stärke der Wirbel ab und sie werden kürzer und kleiner.

Der Kopf des Menschen wird in einer vertikalen Achse getragen und sozusagen balanciert. Die menschlichen Halswirbel werden zur Brustwirbelsäule hin zunehmend länger und massiver. Der kurze Einblick in die Anatomie lässt also darauf schließen, dass der menschliche Hals nicht direkt mit dem Hals eines Hundes vergleichbar ist. Die Halswirbelsäule der Hunde ist sehr viel stabiler und widerstandfähig, als die der Menschen. Dafür ist der Brustkorb der Vierläufer fragiler als der menschliche.

Wirbel und Bandscheibenbelastung

Durch ständiges Rucken am Halsband kann die Halswirbelsäule belastet werden. Aber auch die Brustwirbel sind sehr empfindlich auf Quer- und Scherkräfte durch den Zug am Brustgeschirr. Hierbei ist ein großer Unterschied, dass im Halsbereich des Hundes die Wirbel durch kräftige Muskelstränge geschützt werden, die es im Brustwirbelbereich nicht gibt. Grobes Handling in einem Brustgeschirr ist genauso schädlich für die Wirbel und Bandscheiben, wie bei einem Halsband.

Wer ständig mit seinem Hund zu kämpfen hat und immer wieder mit der Leine ruckt, sollte sich weniger Gedanken über das Halsband oder das Brustgeschirr machen, sondern sich eher Hilfe holen und sich mit korrekter Leinenführigkeit des Hundes befassen.

Grundsätzlich gilt: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Halsbänder als auch Brustgeschirre haben ihre Vor- und Nachteile. Die beste Wahl ist individuell und ergibt sich daher aus dem Körperbau, Temperament, Arbeit, Genetik, körperlicher Fitness und Psyche.

Dackeldame "Wilma" hat ein Halsband um. Einfach aus dem Grund, weil wir damit sehr gut zurechtkommen und ich es schwierig finde, für einen Dackel im Wachstum ein passendes Geschirr zu finden. Mein Rüde "Freddy" trägt überwiegend auch eine Halsung. Nur bei der Fährtenarbeit mit ihm benutzen wir ein Geschirr, nicht nur damit der punktuelle Druck am Hals weniger ist, sondern auch, damit der Hund für die Nasenarbeit den Kopf und Hals frei bewegen kann. Zusätzlich ist es ein Ritual für uns – das Geschirranlegen bedeutet für "Freddy": Schweißarbeit.

 

Begleitet „Wilma“ wöchentlich in ihrem Leben vom Welpen zum Dackel – mit freundlicher Unterstützung von AKAH.

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