Fuchsbandwurm: Können sich Katzen infizieren und ihn übertragen?

Dass der Kleine Fuchsbandwurm im Darm des Fuchses, aber auch in Wolf und Hund leben kann, ist bekannt. Kann er das aber auch im Darm von Baum- und Steinmarder, Dachs oder Hauskatze?
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Fuchsbandwurm

Prinzipiell gibt es Parasiten mit einem weiten Wirtsspektrum (z.B. Großer Leberegel) und solche mit einem engen Wirtsspektrum. Wie Sie schon aufgezählt haben, kommt der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) bei mehreren Spezies vor und nicht nur bei Hundeartigen. Nicht zu vernachlässigen sind die zunehmende Bedeutung von Marderhunden als End- und dem Bisam als Zwischenwirt.

Große Untersuchung vieler Raubwildarten

Eine sehr breite Untersuchung von End- und Zwischenwirten von E. multilocularis führten ZEYHLE und Mitarbeiter im Jahre 1990 in Deutschland durch. Dabei wurden über 10.000 freilebende Fleischfresser untersucht. Fuchsbandwürmer wurden nur bei Füchsen und Hauskatzen gefunden. 857 untersuchte Baum- und Steinmarder, 231 Dachse, 36 Iltisse, zwölf Wiesel und elf Waschbären waren negativ. Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht einzelne Exemplare der aufgezählten Spezies doch Fuchsbandwürmer im Darm tragen könnten. In solchen Fehlwirten bliebe eine relevante Vermehrung jedoch aus. Auch Katzen scheiden deutlich weniger Bandwurmeier aus als Füchse oder Hunde, sind jedoch durch den engen Kontakt mit Menschen als Ansteckungsquelle keinesfalls zu vernachlässigen.

Infekt bei Hund und Katze über Nager

Sowohl Hunde als auch Katzen infizieren sich durch das Fressen von finnentragenden Nagetieren, besonders von Feld-, Scher- oder Rötelmäusen. Für die Aufrechterhaltung des Zyklus sind sie von geringerer Bedeutung, können aber eine wesentliche Rolle bei der Übertragung auf den Menschen spielen. Aufgrund der Oberflächenstrukturen der Bandwurmeier haften diese gut im Haarkleid, an den Pfoten oder rund um den Fang von Endwirten. Diese Eier sind sehr widerstandsfähig und bleiben im Sommer rund drei Monate und in der kühleren Jahreszeit bis zu acht Monate infektiös.

Lange Inkubationszeit beim Menschen

Es ist auch anzunehmen, dass bei Weitem nicht alle Menschen nach Aufnahme infektiöser Echinokokken-Eier des Kleinen Fuchsbandwurmes auch klinisch erkranken. Der Mensch ist für den Kleinen Fuchsbandwurm nämlich ein eher wenig geeigneter Fehlzwischenwirt, was mit der Immunabwehr von homo sapiens zusammenhängt. Die Inkubationszeit der Alveolären Echinokokkose beim Menschen beträgt zwischen fünf und 15 Jahren.

Geschwollene Leber als Symptom

Da die Infektion in den anderen Fällen progressiv verläuft, ist sie immer als lebensgefährlich anzusehen, wobei die Prognose vom Ausmaß der Gewebsinfiltration und Metastasierung und somit vom Zeitpunkt der Diagnosestellung abhängt. Als erstes Symptom treten Beschwerden im rechten Oberbauch auf. In mehr als 95 Prozent der Fälle kommt es zu einer starken Lebervergrößerung. Endwirte wie der Fuchs erkranken selbst bei hochgradigem Befall mit oft mehreren hunderttausend Exemplaren des Kleinen Fuchsbandwurmes nur selten klinisch.

Hunde können übrigens sowohl End- als auch Zwischenwirt sein, d.h. wie der Mensch auch an einer Alveolären Echinokokkose (Finnen finden sich meist in der Leber) erkranken.

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