Fallobst fürs Revier: Mit Birnen erfolgreich Wild ankirren

Nicht nur die Energiepreise explodieren, sondern auch beim Getreide. Doch es gibt günstige Kirralternativen − Fallobst beispielsweise.
Wenn die Birnen fallen, lassen sich in kurzer Zeit große Mengen Obst sammeln.

Schaut man sich das derzeitige Auf und Ab an den Getreidebörsen an, kann man nur den Kopf schütteln. Ein Kirrmittel, das es derzeit zum Nulltarif gibt, sind Birnen! Nicht die grünen Dinger aus dem Supermarkt, deren Geschmack gegen Null tendiert, sondern die alten Sorten, die früher in jedem Bauerngarten zu finden waren. Den Tipp, Birnen als Lockmittel einzusetzen, bekam ich vor Jahren von einem Jäger, der ab August regelmäßig Sauen unter „seinen Obstbäumen“ erlegte. Über die Jahre hatte er erkannt, welche Sorten besonders attraktiv sind.

Damwild außer Rand und Band

Neugierig geworden, sammelte ich vor einigen Jahren mit einem Jagdfreund Ende September auf seiner Streuobstwiese Birnen und brachte sie ins Revier. Einen Eimer schütteten wir auf den Wildacker, den anderen in einen Eichenbestand. Um den Erfolg zu dokumentieren, wurde die Stelle im Wald mit einer Wildkamera überwacht, an der anderen saßen wir an. Die Birnen lagen noch keine drei Stunden auf dem Acker, da erschien Damwild. Das Rudel äste zunächst am Rand der Fläche, um schlagartig zu verhoffen. Den Windfang hoch in die Luft reckend, schien es den Duft der süßen Früchte aufzusaugen. Für den „Sprint“ zum 150 m entfernten Birnenhaufen benötigte das Rudel nur wenige Sekunden. Dort angekommen, begannen sie sofort die Birnen zu äsen. In der darauffolgenden Nacht wurde auch der Birnenhaufen (5 kg) geplündert. Um diesen hatten sich eine Rotte Sauen und ein Dachs „gekümmert“. Seitdem bringen wir gelegentlich Obst aus, um Schalenwild sichtbar zu machen.

Das größte Problem ist in manchen Regionen, genügend Birnen aufzutreiben. Es fehlt einfach an entsprechenden Bäumen. Ja, selbst bei uns im Obstland (Dürrweitzschen/Sachsen) werden es immer weniger. Der Grund: Die meisten an den Straßen stehenden Birnenbäume mussten Ausbaumaßnahmen weichen oder sind im Begriff altersbedingt oder wegen der Trockenheit der vergangenen Jahre abzusterben. Werden neue Alleebäume gepflanzt, handelt es sich heute vorwiegend um „nicht fruchttragende“ Arten. Wegen der Verkehrssicherheit, heißt es. Dem kann der Jäger jedoch leicht entgegenwirken, in dem er im Revier Obstbäume pflanzt. Wir machen das bei uns im GJB Zschoppach (Sachsen) seit einigen Jahren. Das kam bei den Jagdgenossen so gut an, dass sie sogar die Kosten für die Obstbäume (alte Sorten) übernahmen. Neben Birnen- haben wir auch Apfel-, Kirsch- und Pflaumenbäume gepflanzt (Hochstamm: ab 18 Euro). Nutznießer ist nicht nur unser Wild, sondern auch zahlreiche Insekten- und Vogelarten. Achtung: Vorher mit den Landeigentümern sprechen und die Genehmigung einholen!

„Williams Christ“ bis „Gellerts Butterbirne“

Zum Schluss noch einen Tipp zu den Sorten: Unseren Erfahrungen zufolge zieht beim Wild die gute alte „Williams Christ“ sehr gut. Sie bildet große Früchte aus, die schön süß werden und einen intensiven Duft verströmen (Ernte: Ende August - Anfang Oktober). Auch sehr lecker sind die Sorten „Alexander Lucas“, „Gute Luise“ sowie „Gellerts Butterbirne“. Die letztgenannte wirkt mit ihrer rauen Schale im Gegensatz zu den zuerst genannten etwas grob, punktet aber mit ihrer Saftigkeit und Größe auf ganzer Linie. Da auch Obstbäume bestimmte Bedürfnisse an Boden und Beschattung haben, bitte vor dem Kauf vom Fachmann in der Baumschule beraten lassen.

Spartipp: Viele Baumschulen bieten auch zu günstigen Konditionen Setzlinge der Wildbirne an (ca. 60 Cent). Auch wenn uns Jägern die Früchte nicht besonders munden, äst das Wild das herbe Obst sehr gern.

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