Entenhege: Gezielt Erpel reduzieren

Wer Strecke bei der Entenjagd im Herbst und Winter machen möchte, muss vor allem Erpel und Räuber erlegen.
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16. September 2022
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Hund-Erpel-Flinte

Mitte der 1990er Jahre wurden in Bayern mehr als 120.000 Stockenten erlegt. Zehn Jahre später waren es wiederholt um 120.000 Stück. Spätestens seit 2004 ist die Tendenz ihrer jährlichen Erlegungen jedoch fallend. Für das Jagdjahr 2020/21 weist die Streckenstatistik weniger als 60.000 Exemplare aus – also nur etwa die Hälfte.Bekanntlich sind solche Werte einzelner Jagdstrecken nur bedingt aussagekräftig. Reiht man sie jedoch über lange Zeit aneinander und berücksichtigt weitere begeitende Aspekte wie rechtliche Neuerungen, regional neu auftretende Tierarten oder veränderte Biotope, können sich daraus Hinweise ergeben, wie sich eine Art entwickelt.

Falscher Eindruck

Im Fall der Stockente entsteht dabei ein gewisser Widerspruch: Einerseits besteht bei vielen Jägern der individuelle Eindruck, dass Stockenten keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen und in ihren Revieren vor allem im Winter weiterhin sehr zahlreich vorkommen. Andererseits gibt es statistisch gesehen seit vielen Jahren den erkennbaren Negativ-Trend. Für Jäger, die sich intensiv mit Enten beschäftigen, scheint es so zu sein, dass:

  • es in vielen Revieren weiterhin etliche Brutpaare gibt.
  • die heutigen Winterbesätze geringer sind als früher.
  • neue Arten den hiesigen Stockenten Biotope streitig machen und sie vertreiben.
  • zu den heimischen Prädatoren-Arten vielerorts weitere neue Prädatoren-Arten hinzugekommen sind.
  • die Prädation adulter Enten hoch ist.
  • im Herbst tendenziell weniger Jungenten erlegt werden und dementsprechend die Gelege- und Küken-Prädation gestiegen sein muss.

Lebensbedingungen müssen passen

Stockenten bevorzugen deckungsreiche Gewässer mit flachen Uferbereichen, in denen sie gut gründeln können. Gern halten sie sich tagsüber an überhängender Ufervegetation auf oder verschwinden bei vermeintlicher Gefahr im Schilf. Manchmal ruhen sie auch über der Wasseroberfläche auf einer trockenen Erhebung, einem umgestürzten Baum oder im Fließgewässer auf einem Strömungsbrecher.

Fliegen sie abends ein Gewässer an, bevorzugen sie eines, das Nahrung bietet und ihren Ansprüchen in puncto Sicherheit entspricht. Allerdings trügt in vielen Revieren der Schein: Wenn sich im Oktober zu den heimischen Enten Wintergäste aus Nord- und Osteuropa gesellen und sich im weiteren Verlauf des Herbstes die Reviere immer weiter mit Enten füllen, überschätzt ein Großteil von Revierinhabern den Bruterfolg der Stockenten deutlich. Wer nachhaltig Enten ernten will, sollte deshalb im Vorfeld Arbeit leisten und dafür sorgen, dass:

  • der Lebensraum des Reviers und die Lebensbedingungen für Enten attraktiv sind.
  • die Küken ihre Aufwuchsphase überleben.
  • Prädatoren und Neozoen kurz gehalten werden.

Etliche Eigenschaften des Lebensraums können Jäger jedoch nur schwer beeinflussen, einige andere gar nicht. Was sie aber tun können, ist die Zahl der Beutegreifer zu reduzieren und für mehr Bruterfolg der Stockente das Geschlechterverhältnis anzupassen. Der Hege mit der Büchse kommt deshalb bei Stockenten in doppelter Hinsicht eine besondere Bedeutung zu. Wann im Jahresverlauf mit der Enten-Hege begonnen wird, ist weniger entscheidend. Soll sie zielgerichtet sein, muss das Engagement aber konsequent und langfristig angelegt sein und darf nicht nachlassen.

Erpel-Überschuss reduzieren

Das Grundproblem zeigt sich bereits im zeitigen Frühjahr: Stockenten paaren sich zwischen Februar und April. Anschließend brütet die Ente knapp vier Wochen lang meist zwischen 7-11 Eier aus. Weil die auf dem Nest sitzende Ente leicht von Raubwild gerissen wird, sieht man im weiteren Jahresverlauf mehr Erpel. Mancherorts kommen dann auf eine Ente drei, vier oder gar fünf männliche Enten. Sie alle wollen sich im folgenden Frühjahr mit den weniger gewordenen Enten verpaaren. Werden die Erpel nicht vorher reduziert, kann es vorkommen, dass sie bei der Paarung die erschöpften Enten ertränken. Wer im Revier durch Raubwild oder Erpel-Überschuss sukzessive Enten verliert, kann keinen Besatz aufbauen. Deshalb werden in der Jagdzeit ab September bevorzugt Erpel erlegt.

Büchse statt Flinte

Früher galt nur als waidmännisch, wer auf fliegende Enten schoss. Heute hat sich das vielerorts geändert. Der Schuss mit der Kleinkaliber-Büchse wie z.B. einer .17 HMR ist für die zielgerichtete geschlechterspezifische Reduktion sinnvoll und aus Tierschutzsicht begrüßenswert. Jedoch schießt man nie aufs Wasser! Schafft man es so, dass ein möglichst hoher Prozentsatz der Strecke Erpel sind, ist das Geschlechterverhältnis im Frühjahr günstig und es gibt einen entsprechenden Bruterfolg.

Wo Eichen stehen, ist das Angehen an Bachläufen tagsüber erfolgsversprechend. Aber Achtung in der Abenddämmerung: Fliegen auf dem Strich zwei oder drei Stockenten hintereinander, fliegt meist die weibliche vorn und der/ die Erpel dahinter. Am Gewässer fallen sie üblicherweise gegen den Wind ein. Will man einen helleren Hintergrund haben, platziert man sich bei Ostwind mit dem Wind im Rücken.

Neues Raubwild im Revier

Damit Enten brüten, brauchen sie ein geeignetes Biotop. Dies kann an Teichen, Seen, Bächen und Flüssen sein. Bei der Auswahl des Nistplatzes sind Stockenten anspruchslos. Ihr einfaches Nest besteht meist aus Blättern und trockenen Halmen. Verlässt die Ente ihr Gelege, deckt sie es mit Daunenfedern aus dem Nest und mit Pflanzenmaterial ab. Die Eier werden dann gern von Rabenkrähen erbeutet. Sie können den Bruterfolg der Breitschnäbel in erheblichem Maße beeinträchtigen.

In vielen Revieren sind neue Prädatoren wie Mink und Waschbär hinzugekommen. Sie bedrohen neben Ratten, Iltissen und Steinmardern die Enten-Gelege.
In vielen Revieren sind neue Prädatoren wie Mink und Waschbär hinzugekommen. Sie bedrohen neben Ratten, Iltissen und Steinmardern die Enten-Gelege.

Damit brütende Enten nicht dem Fuchs zum Opfer fallen, sollte dessen Besatz möglichst niedrig sein. In vielen Jagdrevieren sind in den vergangenen Jahren zu den vorhandenen Prädatorenarten weitere hinzugekommen. So bedrohen neben Ratten, Iltissen, Steinmardern auch Waschbären und Minke die Gelege. Nahe an Mittelgebirgen sind Wildkatzen ein Problem: Jede Kätzin wirft zwei bis sechs Junge, ohne dass sie bejagt werden dürfen. Daher ist die Raubwilddichte heute in vielen Revieren höher als je zuvor. Entsprechend groß ist der Schaden für das Niederwild und den Bruterfolg von Wasservögeln. Raubwild, Neubürger und räuberisches Federwild sollte deshalb im Entenrevier ab dem Sommer intensiv bejagt werden.

Gefahren für die Entenküken

Sind die Küken geschlüpft, verlassen sie nach wenigen Stunden das Nest und folgen ihrer Mutter ans Wasser. Gefahr droht den Küken dann von unter Wasser durch Hechte und über Wasser durch Nilgänse. Die gelten während ihrer eigenen Brutzeit als aggressiv und schlagen mit Flügeln und hacken mit ihren Schnäbeln auf Entenküken ein. Offenbar können sogar ausgewachsene Enten getötet werden.

Nilgänse gelten während ihrer eigenen Brutzeit als aggressiv. Sie schlagen mit Flügeln und hacken mit ihren Schnäbeln auf Entenküken ein.
Nilgänse gelten während ihrer eigenen Brutzeit als aggressiv. Sie schlagen mit Flügeln und hacken mit ihren Schnäbeln auf Entenküken ein.

Seit 2014 darf die Nilgans in Bayern von 1. August bis 15. Januar bejagt werden. Laut Streckenstatistik wurden zu Beginn 525 Nilgänse erlegt (zzgl. zwei Stück Fallwild). Im Jagdjahr 2020/ 21 stieg die Strecke auf 2.808 Gänse an. Jeder Jäger und Heger sollte ihnen ab Beginn der Jagdzeit intensiv nachstellen und so viele Nilgänse erlegen wie möglich. Nur durch diese Maßnahme wird das weitere Anwachsen ihres Besatzes eingedämmt.

Den Erfolg langfristig bewahren

In Westeuropa steigt die Wasser-Qualität. Das ist grundsätzlich gut, lässt aber den Nährstoffgehalt vieler Gewässer sinken. Dadurch finden Enten weniger Nahrung und Küken verhungern. In Niedersachsen darf Federwild in der Zeit vom 1. Januar bis 30. April gefüttert werden. Diese Regelung ist generell sinnvoll. Entenküken zu füttern, ist jedoch schwierig, weil sie sich in den ersten Wochen von Insekten ernähren. Es müsste mit proteinhaltigen Pellets passieren.

Neben dem zeitweisen Füttern dürfen Enten zum Anlocken und Erlegen auch angekirrt werden. Dafür wirft man regelmäßig ein paar Hände voll Gerste, Weizen, Mais oder Erbsen auf freie Plätze am Ufer – nicht ins Wasser! An diesen Stellen finden sich die Breitschnäbel ein, sodass die Erpel gezielt reduziert werden können. So kann der Heger mit Maßnahmen wie diesen den Besatz der Stockente lokal gezielt unterstützen und fördern. Um über enge Reviergrenzen hinweg erfolgreich zu sein und den Erfolg langfristig zu sichern, ist eine Kooperation auf Hegerings- und Jägerschaftsebene sinnvoll.

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