Brunftbrille bei der Ricke – Was könnte die Ursache sein?

Bei einer erlegten Ricke wurden über den Keulen ringförmige kahle Stellen in der Decke gefunden. Was könnte die Ursache sein?
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Rehgeiß mit massivem Haarverlust im Krupp- und Oberschenkelbereich.
Rehgeiß mit massivem Haarverlust im Krupp- und Oberschenkelbereich.

Werden Deckenveränderungen beim Rehwild an dieser Stelle und zeitlich nach der Brunft beobachtet, ist aus meiner Sicht daran zu denken, dass diese Veränderungen von einem „intensiven Brunftgeschehen“ und einer eventuellen Nachbrunft durch das mehrfache Beschlagen herrühren könnten. Man denke in diesem Zusammenhang auch an die sogenannten Ranzbrillen beim Fuchs - in unserem Falle wäre es eine Brunftbrille.

Da die Ricke auch Durchfall zeigte, könnte für das „lose“ Haarkleid ein durchfallbedingter Vitamin-, Mineralstoff- und Spurenelementmangel ursächlich gewesen sein.

Unfallabschürfungen unwahrscheinlich


Ähnliche haarlose Stellen habe ich auch schon bei Rehen nach Kollisionen mit Kraftfahrzeugen beobachtet, die überlebt wurden. Rehe können dabei über den Straßenbelag geschleudert werden, wo es zu ähnlichen Abschürfungen des Haarkleides kommt. Die abgebildeten Veränderungen passen nur von der Lokalisation her nicht unbedingt zu den Folgen eines Unfalles.

Eine mögliche diagnostische Hilfe in solchen Fällen kann eine histologische, also eine feingewebliche Untersuchung eines Gewebeschnittes unter dem Mikroskop ergeben. Mittels dieser Untersuchung wären auffällige entzündliche Reaktionen, Narbengewebe und Hautparasiten sowie Hinweise auf allergische oder ein eventuell hormonelles Geschehen zu erkennen.

Decke gibt Auskunft über allgemeine Gesundheit des Stücks

Besonders im Spätwinter und Frühjahr werden immer wieder Rehe mit deutlichen Veränderungen des Haarkleides oder der Haut beobachtet. Die Ursache dafür kann vielfältig sein, daher ist eine Diagnose - wie zum Beispiel auch bei Haut- und Haarveränderungen bei Hunden - nicht immer leicht zu stellen.

Einerseits verlassen einige Ektoparasiten den Tierkörper, sobald der Körper bei winterlichen Temperaturen abkühlt, und -andererseits können Haar- und Hautveränderungen -natürlich auch Symptome äußerer Gewalteinwirkung oder innerer Erkrankungen sein. Die Decke ist also ein „Spiegel der Gesundheit“.

Gegen einen Befall mit Außenparasiten, wie Haarlingen oder Lausfliegen, spricht in -diesem Fall die Lokalisation der Haut- und Haarveränderungen. Diese Außenparasiten verursachen besonders im Spätwinter das Krankheitsbild der sogenannten Haarseuche, die mit massivem juckreizbedingtem -Haarausfall einhergehen kann. Die Grannen brechen beim Scheuern und Benagen ab, sodass Rehe oft wie geschoren aussehen. Entgegen der Bezeichnung Haarseuche ist ein seuchenhafter Verlauf aber nicht zu erwarten - es erkranken meist nur Einzeltiere und nicht der gesamte Bestand.

Symmetrische Haarveränderungen wie in vorliegendem Falle können allerdings auch hormonelle Ursachen haben, was beispielsweise bei Hündinnen recht häufig zu beobachten ist.

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