Bock mit übergroßem Herz – Frag den Tierarzt

Ich habe einen verunfallten Bock aufgebrochen und ein stark vergrößertes Herz gefunden. Hängt das mit dem "Schocktod" zusammen?
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Der Aufbruch eines von einem KFZ getöteten Rehbocks mit sehr großem Herz.
Der Aufbruch eines von einem KFZ getöteten Rehbocks mit sehr großem Herz.

Mit ihrer Diagnose „Schocktod“ dürften Sie richtig liegen. Da am Foto auch die Darmgefäße stark gestaut scheinen, wird es wohl in der Folge des Zusammenpralles zu einem Blutstau in den Bauchorganen und eventuell zusätzlich noch zu verletzungsbedingten Blutverlusten gekommen sein. Dies führt neben dem hochgradigen Stress für das Tier zu einem Herz-Kreislaufversagen mit Schädigung (durch den Sauerstoffmangel) und Erweiterung des Herzmuskels. Bei einer solchen Herzerweiterung (Herzdilatation) fühlt sich das Herz beim Betasten deutlich „weicher“ an und die Wände der Herzvor- und Hauptkammern sind auf Anschnitt deutlich dünner. Zu unterscheiden davon wäre ein absolut zu großer Herzmuskel („Sportlerherz“), was hier aber nicht anzunehmen ist. Eine Herzmuskelschädigung kann auch erblich bedingt sein, was besonders bei Hunden, Katzen und Rindern vorkommt, oder infektiöse oder ernährungsbedingte Gründe haben. Im vorliegenden Fall ist jedoch von einem akuten Herzversagen aufgrund des Unfalles auszugehen.

Maximal Eigenverzehr möglich

Da es sich um ein „Unfallreh“ handelt, dürfen dazu noch Anmerkungen gemacht werden, obwohl der Eigenverzehr von den lebensmittelrechtlichen Vorgaben ausgenommen ist. Bei einem Unfallreh bleibt der „körperwarme Zustand“ im Sommer sehr lange und selbst im Winter (unaufgebrochen) über einige Stunden erhalten. Das Auswandern von Bakterien durch die Darmwand und damit die mikrobielle Kontamination der Umgebung erfolgt aber bereits nach spätestens 45 Minuten, falls nicht überhaupt durch den Unfall – wie beim Weichschuss – Baucheingeweide verletzt worden sind. Durch das fehlende Ansprechen vor dem Verenden ist auch nicht gewährleistet, dass das Stück im lebenden Zustand keine Auffälligkeiten zeigte. Für Unfallwild, welches noch lebend aufgefunden wird und mittels Fangschuss erlegt oder geknickt wird, bestehen „Bedenken“ gegen das Fleisch und damit ist eine Untersuchungspflicht durch den amtlichen Tierarzt gegeben, außer der Verfügungsberechtigte entscheidet sich zur Entsorgung des Stückes bzw. zum Eigenverzehr (oder Hundefutter). Der amtliche Tierarzt kann bei seiner Begutachtung die Bedenken bestätigen und den Tierkörper als „untauglich“ beurteilen oder Hilfsuntersuchungen (z.B. bakteriologischen Untersuchung) veranlassen. Falls das Stück tauglich ist, kann es direkt vermarktet werden, darf jedoch nicht in einen zugelassenen Wildbe- und -verarbeitungsbetrieb und somit auch in keine Wildsammelstelle! Unfallwild, das beim Auffinden bereits verendet war, ist für den Weiterverkauf selbstverständlich „untauglich“ und dürfte höchstens vom Jäger noch selbst (= Eigenverzehr im eigenen Haushalt) verzehrt werden. Eine Weitergabe an den Handel oder eine Direktvermarktung ist damit unmöglich. Selbst ein Verschenken solcher Stücke würde ein „In Verkehr bringen“ bedeuten und der Jäger haftet in seiner Funktion als Lebensmittelunternehmer dafür.

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