Blaualgen: Tödlicher Tümpel?

Ich habe einige tote Rehe an einem Gewässer gefunden. Der Tümpel war bei der Dürre das einzige Wasser in der Gegend. Was ist passiert?
Image
„Blaualgen“ (Cyanobakterien) können zu tödlichen Vergiftungen führen.
„Blaualgen“ (Cyanobakterien) können zu tödlichen Vergiftungen führen.

Zu Vergiftungen von Tieren durch Blaualgen gibt es u.a. Berichte von vergifteten Haus- und Wildwiederkäuern, Elefanten, Weißkopfseeadlern, Hunden, Enten oder Schweinen. Entgegen der umgangssprachlichen Bezeichnung „Blaualgen“ handelt es sich um Bakterien (Cyanobakterien), die zum natürlichen Bakterienspektrum von Oberflächengewässern gehören, sich aber bei hohen Temperaturen und Überdüngung massenhaft vermehren können. Anzeichen für eine „Algenblüte“ sind eine bläulich-grüne Trübung des Wassers, Schlierenbildung und „Algenteppiche“ an der Wasseroberfläche (sieht aus wie Erbsensuppe) sowie eine eingeschränkte Sichttiefe von weniger als einem Meter.

Tiere verenden innerhalb kurzer Zeit

Vergiftungssymptome bei Wiederkäuern reichen von Unruhe, Lautäußerungen, Zähneknirschen, Krämpfen, Koliken, Zittern, Schaum vor dem Äser/Maul bis hin zu Festliegen in Seitenlage mit Ruderbewegungen. Der Krankheitsverlauf führt i.d.R. zu einem Verenden innerhalb von wenigen Minuten bis zu wenigen Stunden. Verendete Tiere werden oft mit unter dem Körper eingeschlagenen Extremitäten aufgefunden, ähnlich wie im Schlaf. An Sektionsbefunden sind Blutungen am Herzen, in der Unterhaut, den Lungen und anderen Organen zu erwarten, rötliche Flüssigkeit in der Bauchhöhle und eine vergrößerte Leber. Mittels Mikroskop sind schwere Leberschäden in Form von Leberzellnekrosen nachweisbar.

Verseuchtes Wasser verstänkern, oder Alternativen bieten

Vorbeugend kann versucht werden, dass Wasser aus Gewässern mit Wasserblüten nicht aufgenommen wird – dies ist zwar bei Haustieren einigermaßen möglich, bei Wildtieren jedoch sehr schwierig. Man könnte höchstens versuchen solche Wasserstellen zu verstänkern, was aber auch nur bei kleinen Oberflächengewässern einen Sinn hat. Zeitgleich könnte man versuchen künstliche Wasserstellen anzubieten, was beim territorial lebenden Rehwild ebenfalls schwierig umzusetzen ist.

Nur das Labor kann ein klares Ergebnis liefern

Ohne Sektion verendeter Rehe und einem Toxinnachweis (z.B. aus dem Panseninhalt) und gleichzeitigem Toxinnachweis aus dem verdächtigen Gewässer lässt sich nur eine sehr vage Vermutungsdiagnose aufstellen. Nachdem die am Gewässer aufgefundenen Rehe auch abgekommen waren, kommen eher andere Verendensursachen (z.B. Parasitosen – aktuell ist ein gutes „Wurmjahr“) in Frage, denn Blaualgenvergiftungen verlaufen rasch tödlich und führen zu keiner vorangehenden Abmagerung.

Weitere Funktionen
Kommentieren Sie