Auffällige Stockentenbrust – Frag den Tierarzt

Beim Abbalgen einer Stockente sind mir reiskorngroße, weiß-gelbe Einlagerungen im Brustmuskel aufgefallen. Um was handelt es sich?
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Ein massiver Befall einer Stockentenbrust mit Sarkosporidien.
Ein massiver Befall einer Stockentenbrust mit Sarkosporidien.

Beim Abbalgen besonders von Stockenten fallen Jägern immer wieder reiskorngroße weißliche Einlagerungen im Brustmuskel auf. Diese „Stippchen“ sind parallel zu den Muskelfasern in die Muskulatur eingelagert, scheinen durch jene hindurch und sind leicht auslösbar. Die Enten weisen meist einen guten Ernährungszustand auf und zeigen auch im Gefieder keine Veränderungen.

Parasitenbefall von Muskeln

Ursache dieser Muskelveränderungen sind Sarkosporidien, Parasiten, die zu den Sporentierchen gezählt werden und in der Muskulatur leben. Diese Parasiten kommen bei vielen Wild- und Haustieren häufig vor, sind aber in den allermeisten Fällen nur mikroskopisch klein und damit mit bloßem Auge nicht sichtbar. So wurden in mehreren Untersuchungen bei rund 70 bis 80 Prozent der Proben von Rot- und Rehwild Sarkosporidien in der Muskulatur (am häufigsten in Zunge, Zwerchfell, Herzmuskel) gefunden. In der Regel sind Pflanzenfresser Zwischenwirte und Fleischfresser die Endwirte.

Die Vermehrung der Sarkosporidien findet in deren Darmschleimhaut statt. Einige Sarkosporidienarten, z.B. vom Schwein, sind auch auf den Mensch übertragbar, es handelt sich somit um Zoonoseerreger.

Befall von Enten weniger häufig

Pflanzenfresser, wohl auch Enten, infizieren sich durch die Aufnahme von Dauerstadien z.B. aus der Losung des Fuchses. Aus unseren Breiten liegen keine Ergebnisse von systematischen Untersuchungen von Enten auf Sarkosporidien vor, ein Befall von Enten dürfte aber seltener sein als bei Schalenwildarten.

Wildbret nicht verwerten

Wildbret von sichtbar mit Sarkosporidien infizierten Enten ist wegen der Veränderung der Muskulatur für den menschlichen Verzehr nicht geeignet.

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