Allgemeine Verkehrskontrolle: Das sollten Jäger dabei beachten

Vor allem nachts geraten Jäger vermehrt in Verkehrskontrollen. Hier ein paar Tipps für den erfolgreichen Umgang mit der Situation.
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28. September 2022
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Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle ist Aufregung fehl am Platz – und vor allem unbegründet.
Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle ist Aufregung fehl am Platz – und vor allem unbegründet.

Gerät man als Jäger in eine allgemeine Verkehrskontrolle durch die Polizei, stellen sich einem schlagartig mehrere Fragen. Worauf muss ich achten? Wie verhalte ich mich am besten? Die folgenden Zeilen sollen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Regelungen geben, die es als Waidmann und -frau zu beachten gilt.

Der Ton macht die Musik – wie in jeder ermessensgetragenen Situation gilt auch im Fall einer Polizeikontrolle, dass man es den Beamten leicht machen sollte, einen wohlwollend zu kontrollieren. Bei Dunkelheit die Innenbeleuchtung einzuschalten, das Fenster zu öffnen und die Hände sichtbar am Lenkrad zu halten, kann hierbei ebenso wie ein freundlicher Umgangston bereits Wunder wirken. Das heißt jedoch nicht, dass man von sich aus darauf hinweisen müsste, dass man gerade Waffen und Munition transportiert.

Ebenso wenig muss man angeben, woher man kommt und wohin man möchte – seine Personalien hingegen schon. Auch Führerschein und Fahrzeugpapiere müssen auf Verlangen vorgezeigt werden. Einer Anweisung auszusteigen, ist Folge zu leisten. Auch die Beamten sind grundsätzlich verpflichtet, sich auf Nachfrage auszuweisen, dies richtet sich aber nach dem jeweiligen Landesrecht.

Transportieren oder Führen?

Nach § 12 Abs. 3 Nr. 2 WaffG sind Waffen grundsätzlich (z.B. auf dem Weg zum Büchsenmacher oder Schießstand) nicht zugriffsbereit und nicht schussbereit zu transportieren. Es empfiehlt sich hier die Beförderung in einem mit einem Schloss verschlossenen Futteral oder Waffenkoffer, da dies den gesetzlichen Anforderungen in jedem Fall gerecht wird. Das Jägerprivileg nach § 13 Abs. 6 WaffG erlaubt es, die Waffe im Zusammenhang mit der befugten Jagdausübung (z.B. auf dem Hin- und Rückweg von der Jagd) zugriffsbereit zu führen.

Da diese Regelung nicht jedem Polizeibeamten bekannt ist, empfiehlt es sich, sie zusammen mit Nr. 13.6. WaffVwV auszudrucken und ins Handschuhfach zu legen, um im Zweifel Unstimmigkeiten beseitigen zu können. Oder man transportiert seine Waffen einfach generell im verschlossenen Futteral, was aus mehreren Gesichtspunkten sinnvoll sein kann.

Perso, WBK und Jagdschein nicht vergessen

Nach § 38 Abs. 1 WaffG ist man beim Führen und Transportieren einer Waffe verpflichtet, seinen Personalausweis oder Pass, die WBK und in den Fällen des § 13 Abs. 6 WaffG auch den Jagdschein mit sich zu führen. Es empfiehlt sich allerdings, immer alle Dokumente dabei zu haben. Im Fall der Leihe, Verwahrung oder Beförderung einer Waffe ist ein datierter schriftlicher Nachweis mitzuführen. Hat man eine Waffe jüngst erworben, reicht ein schriftlicher Nachweis, aus dem sich ergibt, dass die zweiwöchige Frist zur Anmeldung noch nicht verstrichen oder ein Antrag gestellt worden ist.

Die gefragten Dokumente sind den Polizeibeamten oder sonstigen Kontrollbefugten (in bestimmten Fällen können dies auch der Zoll oder die Bundespolizei sein) auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen. Die WBK sollte dabei in Reichweite und nicht im verschlossenen Futteral transportiert werden, da sonst eine Übergabe ohne vorheriges Öffnen des Behältnisses und damit einhergehenden Zugriffs auf die Waffe nicht möglich ist.

Ein Öffnen des Behältnisses ohne Aufforderung durch die Polizei kann bei einem Transport außerhalb des Jägerprivilegs (z.B. zum Schießstand oder Büchsenmacher) nämlich sogar eine Straftat darstellen, da man nun ohne Erlaubnis (Waffenschein) eine Waffe im öffentlichen Raum zugriffsbereit führt. Hat man die genannten Dokumente nicht bei sich oder händigt man diese auf Verlangen nicht aus, begeht man zudem eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbuße bis zu 10.000 € geahndet werden kann. Ein wiederholter oder gröblicher Verstoß kann darüber hinaus die Unzuverlässigkeit begründen.

Kontrolle der Waffen zulässig?

Auch wenn dies teilweise bestritten wird, geht die herrschende Meinung davon aus, dass die Beamten auch das Vorlegen der Waffe verlangen dürfen, da nur ein Abgleich zwischen Waffendaten und WBK die Überprüfung nach § 38 Abs. 2 WaffG sinnvoll möglich macht. Möchten die Beamten die Waffen sehen, sollte man vor dem Öffnen demonstrieren, dass das Behältnis auch wirklich verschlossen ist. Erst auf ausdrückliche Aufforderung darf das Behältnis geöffnet werden. Dabei sollte in jedem Fall penibel auf das Einhalten von Sicherheitsregeln im Umgang mit der Waffe geachtet werden.

Typischerweise werden die Beamten die Waffen aus Eigenschutzgesichtspunkten selbst entnehmen wollen, was sie auch dürfen. Gerade im Hinblick auf den Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle im Landkreis Kusel, Rheinland-Pfalz, sind allgemeine Verkehrskontrollen von Jägern ein sensibles Thema. Durch freundliches und professionelles Verhalten können wir alle dazu beitragen, das Vertrauen in den waffenbesitzenden Teil der Bevölkerung zu stärken. Jede vorbildlich verlaufene Kontrolle ist hierbei ein Schritt in die richtige Richtung.

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