Hubertustag: „Jagd und Naturschutz gehören zusammen“

Im November werden vielerorts Hubertusmessen gefeiert. Generalvikar Vorndran würdigt die Jagd und Jägerschaft mit einer Predigt.
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In vielen Gemeinden werden Hubertusmesse gefeiert.
In vielen Gemeinden werden Hubertusmesse gefeiert.

Liebe Schwestern und Brüder,

heute steht wieder ein Hirschgeweih mit einem Kreuz vor dem Altar. Es verweist auf den heiligen Hubertus. Ihm soll mitten im Wald ein Hirsch entgegengetreten sein, der ein strahlendes Kreuz zwischen seinen Geweihstangen trug. Hubertus erschrak und gelobte, sein Leben zu ändern: Gott und die Geschöpfe zu ehren, ein christliches Leben zu führen und die Jagd weidmännisch zu betreiben. Bis heute ist der heilige Hubertus der Schutzpatron der Jagd und ruft alle Jäger, mit Wild und Wald in gottesfürchtiger Weise umzugehen.

Auch Jesus spricht heute im Evangelium davon, dass wir unserer Verantwortung gerecht werden müssen, ja dass wir bisweilen unser Leben gewaltig ändern müssen. Ausgangspunkt ist für ihn dabei ausgerechnet die Schönheit des Tempels in Jerusalem: „Als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt ist, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem anderen bleiben.“ (Lk 21,5-6).

Das ist die Introduction zur Hubertusmesse von Jules Cantin, gespielt vom Parforcehorncorps Bayrischer Untermain bei dieser Messe (hier gelangen Sie zur Webseite vom PHC Untermain).

Die Verunsicherung, die Jesus uns zumutet, geht über die Zerstörung des Tempels noch hinaus. Sie erreicht die sozialen und politischen Strukturen. „Kriege und Unruhen“ malt Jesus aus, Gerichte, die nicht mehr der Gerechtigkeit dienen, sondern dazu, Christen zu verfolgen und hinzurichten.

„Gewöhnt euch nicht zu sehr an stabile Verhältnisse,“ ruft Jesus uns damit zu. Wir wissen heute wie die Jünger von damals, dass die Geschichte solche Schrecken bereithält. Kaum aber leben wir Menschen wieder in einer Periode relativer Ruhe in einem Winkel der Erde, meinen wir, das müsse immer so bleiben und wir könnten uns zufrieden darin einrichten. Wir alle haben in Europa eine solche Zeit der relativen Ruhe hinter uns, ganze 75 Jahre beständigen Frieden. Doch im letzten Jahr scheint alles aus den Fugen geraten zu sein: Da ist der Krieg in der Ukraine und seine Folgen von Armut und Hunger in der Welt. Da sind die spürbare Inflation und die in die Höhe schießenden Energiekosten, selbst bei uns ganz konkrete Vorboten apokalyptischer Zustände...

Wohl auch deswegen wächst bei uns ganz langsam die Einsicht, dass wir in alledem noch vor einem ganz anderen Abgrund stehen, vor einer Klimakatastrophe, die unsere Zukunft in einer Weise bedroht, wie wir es uns bisher nie haben ausmalen können. Kann es sein, dass wir dabei sind, unsere Mutter Erde noch bis zum letzten Tropfen auszubeuten, bis sie zugrunde geht – und wir mit ihr?

Umkehr ist angesagt

Wir alle müssen unser Leben ändern, sonst gibt es keine Zukunft mehr. Kehren wir also zurück zu Hubertus im Wald, der im Anblick des Kreuzes im Hirschgeweih tatsächlich den Mut und die Kraft geschöpft hat, sein Leben radikal zu verändern. Was bedeutet die gegenwärtige Lage für uns heute, die wir uns zur Hubertusmesse versammelt haben? Auch wird dürfen nicht stehen bleiben bei der Schönheit der musikalischen Klänge, auch wir müssen ins Handeln kommen, wie Jesus es anmahnt. Jagd und Naturschutz finden ihre gemeinsamen Interessen darin, eine vielgestaltige, artenreiche Umwelt zu erhalten. Am Anfang der Naturschutzbestrebungen waren es oft gerade aktive Jäger, die auf die drohende Verarmung der Natur und auf das Verschwinden mancher Tierarten hingewiesen haben und erste Versuche unternommen haben, seltene Tierarten zu erhalten. Jagd und Naturschutz müssen die Bewahrung der Vielfalt in der Natur als gemeinsames Ziel erkennen und daraufhin zusammenarbeiten. Die Möglichkeiten zur Bewahrung der Schöpfung für den Jäger sind da vielfältig. Wer mit offenen Augen und Ohren sein Revier durchstreift, wird manche Möglichkeit entdecken, um oft auf einfachste Weise über die Hege seines jagdbaren Wildes hinaus für die Erhaltung der Vielfalt in der Natur beizutragen. Wildtiere als Naturerbe auf Dauer zu erhalten und möglichst schadensfrei in unserer Kulturlandschaft einzubinden, das setzt die Erhaltung und den Schutz ausreichend großer Lebensräume voraus. Dafür ist aber nicht nur der Jäger, sondern sind alle Menschen verantwortlich, die den Lebensraum des Wildes nutzen. Ohne unsere Rücksichtnahme geht es nicht! Wie bewegen wir uns im Wald? Was machen wir mit unseren Abfällen? Und wo schmeißen wir die Zigarettenkippe hin, gerade im heißen Sommer? Wir alle sind gefragt, wenn es um Naturschutz geht! Keiner kann sich ausnehmen...

Deswegen sind auch Jäger heute längst nicht mehr exklusive Vertreter einer privilegierten Elite, die nur auf Trophäen aus ist, sondern verantwortungsvolle Partner der Förster und Waldbesitzer: Beiden ist der Wald anvertraut, der gerade im vergangenen Sommer so unendlich gelitten hat unter einer Hitze und Trockenheit, die die Bäume in einem Ausmaß bedroht, das sich selbst Experten vor wenigen Jahren nicht hätten vorstellen können. Fachleute sind sich einig, dass die Entwicklung schneller voranschreitet, als die Natur reagieren kann. Will heißen, wir müssen an der Wiederbewaldung mit vielen verschiedenen Baumarten arbeiten, die bisher bei uns entweder selten waren oder überhaupt aus wärmeren Gefilden stammen. Was da für teures Geld gesät und gepflanzt wird, muss sich gegen Hitze und Trockenheit behaupten. Verbiss durch Reh und Hirsch kann die Bemühungen der Förster und Waldbesitzer ganz schnell zunichte machen. Daraus erwächst für die Jäger eine ganz neue Verpflichtung: Da wird die Jagd zum Dienst am Wald! In dieser außergewöhnlichen Situation ist es notwendiger denn je, die Wildpopulationen in einer Weise zu regulieren, dass der bedrohte Wald wachsen kann und eine Chance hat, auch in heißen und trockenen Sommern wie diesem.

Liebe Schwestern und Brüder,

„Das ist des Jägers Ehrenschild, Dass er beschützt und hegt sein Wild, Waidmännisch jagt, wie sich’s gehört, Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!“

So dichtet Oskar von Riesenthal schon im 19. Jahrhundert. Den alten Leitspruch müssen die Jäger jetzt weiter fassen und den Blick auf die ganze Schöpfung, sprich in diesem Fall das Ökosystem Wald lenken. Wichtig, wertvoll und damit ehrenvoll bleibt die Jagd weiterhin, deswegen dürfen wir alle das heute auch mit festlichen Klängen begleiten.

Ehren wir also den heiligen Hubertus und machen auch wir es uns zur Aufgabe, mit Wild und Wald in gottesfürchtiger Weise umzugehen.

Das Hirschgeweih mit dem leuchtenden Kreuz kann auch uns zeigen, wofür es sich zu leben lohnt: Nur ein Leben für andere ist gleichzeitig ein Leben für den Herrn, denn Jesus Christus selbst hat uns gezeigt, wofür es sich zu leben lohnt. Er sagt uns heute: Ein Leben in Einklang mit der Natur ist ein gottesfürchtiges Leben. Der die Schöpfung ist uns anvertraut. Tragen wir sie in eine gute Zukunft.

In alledem will Jesus uns keine Angst machen, sondern uns ermutigen, Vertrauen einzuüben. Völlig überraschend steht daher am Ende seiner Vision heute im Evangelium die Zusicherung: „Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.“ (Lk 21,19). Dies gilt denen, die als Fundament unter ihr Leben die Liebe gesetzt haben, die er uns verkündet: Die alltägliche und vertraute Beziehung zu Gott, den Jesus seinen Vater nennt.

Nehmen wir alle unsere Verantwortung für die Schöpfung ernst. Ändern wir unser Leben, wo dies nötig ist, damit wir alle in eine gute Zukunft gehen. Nehmen wir heute Abend das Hirschgeweih mit dem Kreuz fest in den Blick. Es hat Hubertus zur Umkehr bewegt und ermutigt auch uns, das Ruder herumzureißen. Jesus gibt die Kraft dazu.

Amen.

Hubertuspredigt von Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran am 13.11.2022 im Würzburger Dom

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