Nachtsichttechnik für die Jagd: Fünf Vorsatzgeräte im Test

Die Nachtsichttechnik hat in den vergangenen Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Wir haben für Sie fünf Röhren-Modelle in der Praxis getestet.
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Jaeger-Ableuchten-Waermebild
Ab dem 30.1. dürfen Jäger in NRW Nachtsichtvor- und Nachtsichtaufsatzgeräte bei der Schwarzwildjagd einsetzen.

Durch ihre kompakte Bauweise und ihr geringes Gewicht ist es möglich, Nachtsichtoptiken mit einem passenden Verbindungsadapter vorn auf das Objektiv des Zielfernrohres zu montieren. Das Nachtsichtgerät selbst darf dann keine Vergrößerung haben. Genutzt wird ausschließlich die Vergrößerung des Zielfernrohres. Wie weit man hochzoomen kann, hängt von der Qualität des Nachtsichtgerätes ab. Bei den günstigen Geräten ist bei 3- oder 4-fach Schluss. Die Top-Modelle lassen eine 8-10-fache Vergrößerung zu, ohne dass das Bildrauschen so stark wird, das man nichts mehr erkennen kann.

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Kamerasystem
Die MAK-Kamera wird zwecks Fotoaufnahmen auf das Okular des Zielfernrohres gesetzt.

Wir haben fünf Restlicht-Vorsatzgeräte der mittleren und gehobenen Preisklasse für diesen Vergleichstest ausgewählt, weil die meisten Jäger hier zugreifen werden. Die günstigen Geräte sind stark eingeschränkt in der Leistung und die High-End-Technik wird zu Jagdzwecken eigentlich nicht unbedingt gebraucht. Die Testgeräte stammen von den Herstellern Jahnke, Lahoux, Meopta, Nightspotter und JSA Nightlux Nachtsichttechnik.

Die Qualität der Röhre entscheidet

Groessenvergleich-Vorsatzgeraete
Lahoux LV-81, Meopta MeoNight 1.1, Jahnke DJ- NSV 1x48, Nightspotter MR 2.0, JSA Nightlux NV Zwerg XL Echo Ultra Onyx (v.l.).

Alle Geräte haben eine Verstärkerröhre der Generation 2+, wobei wir bei diesem Test ausschließlich Geräte mit Röhren des niederländischen Herstellers Photonis ausgewählt haben. Wir haben Geräte gewählt, die im deutschen Fachhandel mit Garantie verkauft werden und für die auch nach dem Kauf ein entsprechender Service geboten wird. Beim Kauf von komplizierter und hochwertiger Nachtsichttechnik, besonders Röhrengeräten, sollte man entsprechend vorsichtig sein und nicht unbedingt nach jedem Schnäppchen greifen. Dubiose Onlinehändler bieten hier auch schon mal Geräte mit ausgemusterten Militärröhren an, die nach einiger Zeit kaum noch Leistung bringen. Die Lebensdauer einer Restlichtverstärkerröhre ist beschränkt und liegt bei etwa 6.000 bis 10.000 Stunden. Vorher lässt die Leistung aber nach, und daher werden Militärröhren ausgemustert, wenn sich das abzeichnet. Wer an seinem Nachsichtgerät viele Jahre Freude haben will, sollte daher unbedingt darauf achten, ein Gerät mit fabrikneuer Röhre zu kaufen.

Datum auf Datenblatt sollte Produktionsdatum entsprechen

Bei Röhren aus westlicher Produktion, in der Regel wird das Photonis sein, sollte das zur Röhre gehörende Datenblatt mit den Messdaten der Röhre mitgeliefert werden. Darauf steht die Seriennummer der Bildverstärkerröhre und das Messdatum. Achtung: Das Datum auf dem Datenblatt sagt nicht zwingend etwas über das Produktionsdatum der Röhre aus. Es gibt an, wann gemessen wurde. Schickt also ein Händler eine fünf Jahre alte Bildverstärkerröhre zur Reparatur zu Photonis, bekommt er sie mit einem „frischen“ Datenblatt zurück. Bei seriösen Händlern kann man davon ausgehen, dass das Datum auf dem Datenblatt auch dem Produktionsdatum entspricht und eine fabrikfrische Röhre verbaut wurde. Bei Billigangeboten ist aber Vorsicht geboten. Viele Händler gaben den Röhren Fantasiebezeichnungen und man kann hier durchaus vermuten, dass damit Vergleiche unmöglich gemacht werden sollen. Auf dem Datenblatt steht aber immer die Originalbezeichnung der Röhre und deren Seriennummer.

Wir haben für alle Testgeräte die selbe Waffe und das selbe Zielfernrohr benutzt, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten. Als Testwaffe diente eine Blaser R8 im Kaliber .308 Win., und das Zielfernrohr (Zeiss Conquest V6 2-12x50) war mittels Sattelmontage von MAK montiert. Der 48 cm lange Semi-Weight-Lauf wurde mit einem Blaser Overbarrel-Schalldämpfer bestückt.

Test: Im revier und auf dem Schießstand

Schusstest-100-m
Präzise Schussbilder: Rot = Lahoux, Grün = Nightspotter, Weiß = JSA, Blau = Meopta, Gelb = Jahnke.

Die Abbildungsleistung haben wir zunächst draußen im Revier getestet. Einmal bei bedecktem Himmel und Viertelmond, wobei die Scheibe frei auf einer Wiese stand und dann bei gleichen Lichtverhältnissen, wobei die Scheibe im Waldschatten stand. Als Ziel diente eine Wildscheibe mit der Abbildung einer Sau in Lebensgröße, wie sie beim Bogensport verwendet wird. Wir haben extra keine weiße, gut zu sehende Ringscheibe genommen, sondern eine dunkle Wildscheibe, um möglichst nahe an der Praxis zu sein. Die Distanz betrug jeweils 80 m. Die Testgeräte wurden nacheinander auf das Zielfernrohr gesetzt und dann ein Foto gemacht. Dafür haben wir uns ein professionelles Kamerasystem von MAK besorgt. Die MAK-Cam wird mit einem speziellen Montageadapter auf das Okular des Zielfernohres gesetzt, und der Schütze kann durch die Kamera schauen. Dieses System wird von Behörden eingesetzt, wenn es um die Beweissicherung bei einem Scharfschützeneinsatz geht. Die Bilder sind aber etwas schlechter als beim Durchblick durch die Zieloptik. Um es vorneweg zu sagen: So tolle Fotos von Sauen bei Nacht, wie sie die Gerätehersteller in ihre Werbeanzeigen abbilden, haben wir nicht hinbekommen.

Den Schusstest haben wir dann auf einem 100-Meter-Schießstand vorgenommen, um mit einem Schießgestell arbeiten zu können. Wir haben aber die gleiche Scheibe benutzt wie im Feld. Das Licht wurde um 90 Prozent gedimmt, sodass die Röhren keinen Schaden nehmen, aber die Scheibe noch gut zu sehen war. Hier ging es jetzt ausschließlich darum festzustellen, ob die sich bei vorgesetztem Nachtsichtgerät eine Treffpunktverlagerung ergibt und wie wiederkehrgenau die Systeme sind. Es wurden jeweils drei Schuss abgegeben, wobei die Nachtsichtoptik nach jedem Schuss abgenommen und wieder aufgesetzt wurde. Beim letzten Schuss haben wir das Vorsatzgerät dann auch noch um 45 Grad verdreht aufgesetzt, um zu sehen, ob das Einfluss auf die Treffpunktlage hat. Die Testwaffe war vorher bei bestem Licht auf 100 Meter genau Fleck eingeschossen worden. Bei der Blaser R8 ist die Montage auf dem Lauf angeordnet. Das kann theoretisch zu einer stärkeren Beeinflussung der Treffpunktlage durch das Gewicht des Nachtsichtgerätes führen, da die Laufschwingung beeinflusst wird. Um hier sicher zu gehen, haben wir einen zweiten Durchgang mit einer Büchse geschossen, wo die Zielfernrohrmontage auf dem System liegt. Dazu haben wir eine Steel-Action benutzt, die eine aus dem vollen Stahlsystem gefräste Picatinnyschiene hat. Diese Testwaffe war mit einem Kahles Zielfernrohr ausgestattet und ebenfalls Fleck eingeschossen worden.

Ergebnisse des Feldtestes

Von der Handhabung her sind alle fünf Testgeräte völlig problemlos. Aufsetzen, einschalten, scharf stellen und fertig. Hier hat keines der Geräte Vor- oder Nachteile, wobei die fluoreszierenden und gut sichtbaren Bedienelemente des Jahnke sehr angenehm sind. Bei der auf der Wiese stehenden Wildscheibe wäre es mit allen Geräten problemlos möglich gewesen, einen sicheren Schuss anzutragen. Auch ansprechen war möglich. Unsere „Testsau“ war ein Keilerchen und der Pinsel durchaus erkennbar. Die beiden Testgeräte von JSA und Lahoux mit den Photonis-Echo-Röhren lieferten ein klareres Bild und erlaubten auch eine höhere Vergrößerung der Zieloptik, bevor sich starkes Rauschen einstellte. Das Lahoux-Modell war zudem etwas randschärfer. Bei der im Waldschatten stehenden Scheibe war der Unterschied noch deutlicher. Mit den beiden Modellen mit Echo-Röhren war auch hier noch der Umriss der Sau gut zu erkennen, während es bei den günstigeren Modellen schon kritisch wurde. Schießen wäre noch gegangen, ansprechen aber bei den günstigen Geräten nicht mehr. Auch das JSA war hier am Ende seiner Möglichkeiten, während das Lahoux noch mehr Details erkennen ließ. Wir haben versuchsweise einen Infrarot-Laseraufheller von Laserluchs benutzt und damit die Scheibe angestrahlt. Der Effekt war extrem. Mit Zusatzlicht war die Scheibe bei allen Testgeräten klar und deutlich zu sehen (Waffengesetz beachten).

Auf dem Schießstand zeigten sich die Vorsatzgeräte als echte „Plug-And-Play-Technik“. Es kam zwar zu ganz leichten Treffpunktverlagerungen nach oben, allerdings nur um 2-4 cm, was in der Praxis keine Rolle spielt. Auch das verdrehte Aufsetzen der Geräte hatte keine Auswirkungen. Die Präzision mit Vorsatzgerät war etwas schlechter. Das mag aber auch am schlechteren Bild liegen. Alle Streukreise lagen immer noch unter 4 cm, was zur Schwarzwildjagd mehr als ausreichen sollte. Der zweite Durchgang mit der Steel Action brachte identische Ergebnisse. Ob sich die Montage auf dem Lauf oder auf dem System befindet, spielt damit keine Rolle. Zumindest ist das bei den beiden Testwaffen so.

Das Fazit des Tests

Die getesteten Restlichtverstärker sind uneingeschränkt praxistauglich und zeigten eine sehr gute Verarbeitung sowie leichte Bedienbarkeit. Sie sind schussfest und lassen sich einfach per Adapter am ZF befestigen. Die Leistungsfähigkeit hängt in hohem Maße von der verbauten Röhre ab. Sicher muss auch das Objektiv hochwertig ausfallen, aber in dieser Preisklasse ist von guter Qualität auszugehen.

Die Geräte von Jahnke, Nightspotter und Meopta mit Photonis Gen. 2+ Röhren liegen auf einem identischen Leistungsniveau. Die Unterschiede sind gering. Das Jahnke ist hier sicher die beste Wahl, weil es deutlich preiswerter und zudem noch sehr leicht und kompakt ist. Das JSA und das Lahoux mit den Photonis-Echo-Röhren sind sichtbar überlegen aber auch deutlich teurer. Sie erzeugen ein helleres und rauschärmeres Bild und erlauben eine höhere Vergrößerung der Zieloptik. Wir haben in der Tabelle (siehe QR-Code) die wichtigsten Daten aus den Datenblättern der fünf Testgeräte aufgeführt, sodass ein direkter Vergleich der Röhren und ihrer Leistungsdaten möglich ist. Wenn man sich die SN-Werte ansieht wird schnell klar, wer hier die Nase vorn hat. Vor dem Kauf empfiehlt es sich mehrere Geräte miteinander zu vergleichen, denn auch bei den Röhren gibt es individuell Unterschiede und jedes Auge empfindet etwas anders.

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