Nachtjagd: Wärmebildkameras für kleines Geld im Test

Wärmebildkameras für die Jagd kosten leicht mehrere Tausend Euro. Aber was leisten günstige Geräte? Wir haben sie getestet.
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Jäger auf einem Hochsitz bei der Jagd in der Nacht mit Wärmebidlkamera

Für das schnelle Entdecken von Wild ist eine Wärmebildkamera einem Restlichtaufheller deutlich überlegen. Neben einer hohen Reichweite bietet sie auch bei Nebel sowie Regen gute Sicht. Eine Zusatzbeleuchtung ist nicht nötig. Premium-Geräte sind so detailgenau, dass damit auch genaues Ansprechen möglich ist. Dafür muss der Käufer aber mehrere Tausend Euro ausgeben. Aber auch mit günstigen Geräten lässt sich einfach feststellen, ob Wild in der Umgebung zieht. Allerdings ist ab einer gewissen Entfernung sogar das Ansprechen der Wildart nur mit Übung möglich.

Trotzdem liefern auch günstige Modelle dem Nutzer immer noch wichtige Informationen. Man sieht z.B., ob es sich um ein einzelnes Stück handelt, oder sich noch kleinere Stücke im hohen Gras verbergen. Auch ob sich im Hintergrund Lebewesen aufhalten, ist mit einer Wärmebildkamera auf einen Blick erkennbar. Damit sind sie für den verantwortungsbewussten Jäger ein wichtiges Hilfsmittel, um bei schlechtem Licht Gewissheit zu haben, worauf er schießt.

Überschaubarer unüberschaubarer Markt

Hikmicro-LE10
Das Hikmicro Lynx LE10 ist bereits für ca. 700 € erhältlich.

Auf den ersten Blick erscheint das Angebot an Wärmebildkameras ziemlich unüberschaubar, denn es tummeln sich zur Zeit jede Menge Anbieter darin, die alle ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Schaut man genauer hin, wird aber schnell klar, dass hier eigentlich sehr oft der gleiche Wein in unterschiedlichen Flaschen verkauft wird. Besonders bei preisgünstigen Wärmebildkameras gibt es nicht viele Anbieter, denn Entwicklung und Produktion lohnen sich nur bei großen Stückzahlen, was ein entsprechendes Händlernetz samt Marketing voraussetzt. Das können lediglich Hersteller wie Infiray, Guide, Flir, Hikmicro oder Pulsar.

Damit es etwas verwirrender wird, haben einige Hersteller auch noch Untermarken oder unterschiedliche Bezeichnungen für ihre Produkte. Das Marketing der Produkte geschieht unter verschiedenen Begriffen und wechselt teils ohne erkennbare Logik. So gehören etwa Geräte, die unter der Bezeichnung Iray, Xeye oder Xinfared vertrieben werden, alle zu Infiray.

Pulsar-Axion
Pulsar bietet mit der Axion-Reihe gute und relativ günstige Geräte für preisbewusste Jäger an.

Den Markt wirklich unüberschaubar für den Laien machen dann aber die OEM-Produkte (Original Equipment Manufacturer), also Geräte, die vom Hersteller für einen Handelspartner produziert werden. Technisch ist alles identisch. Lediglich am Gehäuse werden kleine Modifikationen vorgenommen (z.B. anderer Modellname). Auch die Software wird angepasst, sodass im Startbildschirm dann der Name des Handelspartners erscheint.

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Nehmen wir mal als Beispiel die preisgünstige und beliebte Xeye E2 von Infiray. Bei Liemke heißt sie Keiler 13 pro, bei Night Pearl Scops 13 und Professor Optik verkauft sie als Taunus ProV13. Dem Käufer kann es also ziemlich egal sein, was drauf steht. Hat er das Spiel durchschaut, wird er nach dem günstigsten Preis suchen. Die liegen aber in der Regel recht nah beieinander (ca. 1.000 €). Als Interessent sollte man darauf achten, wie gut der Händler für den Käufer erreichbar ist, wie er sich im Servicefall verhält und wie lange die Garantie ist. Beispielsweise bietet Liemke beim Keiler 13 Pro drei Jahre Garantie gegenüber den sonst üblichen zwei Jahren.

Welche Modelle gibt es für rund 1000 €?

Xeye-Professor
Das von Infiray hergestellte Xeye-E2n wird von zahlreichen Händlern unter verschiedenen Produktnamen angeboten.

Pulsar hat das Einsteigermodell Axion XM 30F im Angebot, das beim Pulsar-Importeur Bresser ca. 1.190 € kostet. Die bereits erwähnte Infiray XeyeE2 kostet ab 999,90 €, je nachdem was drauf steht. Die Xeye E3W, ebenfalls von Infiray, hat den besseren Sensor, dafür aber nur eine Vergrößerung von 0,85-fach und ist etwas teurer. Wesentlich günstiger ist das Infiray Xeye C2W, das schon für etwa 699 € zu haben ist. Hier wird aber ein festes Objektiv verbaut, dass keine Schärfe-Anpassung auf bestimmte Entfernungen hin erlaubt. Stattdessen wurde das Objektiv auf eine hohe Tiefenschärfe hin konstruiert, sodass es sowohl im Nahbereich als auch auf höhere Distanzen ein einigermaßen scharfes Bild darstellen kann. Eine solche Wärmebildkamera ist aber nur für Jäger brauchbar, die auf Distanzen von nicht mehr als etwa 50 m spotten. Natürlich entdeckt man auch von Weitem Wärmequellen – eindeutiges Ansprechen ist aber nicht mehr möglich. Bei Hikmicro geht es sogar noch günstiger. Die Lynx-Baureihe hat gleich einige Geräte im Angebot. Die Lynx LC06 für ca. 490 €, die Lynx LE10 für 699 € und die Lynx LE 15 für 788 €. Bei Flir geht es bei ca. 650 € für die Scout TK los. Guide hat mit dem neuen TD210 sogar ein Einsteigergerät für schlappe 499 € im Angebot. Das Guide Track IR 25 kostet dann bereits etwa 1.300 €.

Worauf es bei Wärmebildkameras tatsächlich ankommt

Wechselakku-Pulsar
Wechelakkus sind praktisch, können aber je nach Art teuer sein.

Die wichtigsten Daten sind natürlich die Pixelzahl des Sensors und des Bildschirmes. Sicher muss auch die Qualität des Objektives stimmen, und der Akku sollte auch eine ordentliche Laufzeit haben, aber wenn es an Reichweite und Bildqualität hapert, nützt das auch nicht mehr viel. 50 Hertz Bildfrequenz sind notwendig um beim Schwenken der Kamera ein ruckelfreies Bild zu bekommen. Schauen wir uns die günstigsten Modelle an, etwa das Flir Scout TK oder das Hikmicro Lynx LC 6, so sollte klar sein, dass bei einem Sensor mit 160x120 Pixeln mehr als 80 m bis 100 m Reichweite nicht zu erwarten sind. So ein Gerät ist für den Kirrungsjäger brauchbar und nicht universell einsetzbar.

Liemke-Keiler-13-Pro
Bei Liemke heißt das Infiray-Gerät Keiler 13 Pro.

Ein Xeye E2 und die baugleichen Modelle oder ein Pulsar Axion haben eine wesentlich höhere Reichweite, wobei das Axion mit seiner 3-fachen optischen Vergrößerung wohl mehr den Feldjäger anspricht und das Xeye E2 mit 1,2-fach eher den Waldjäger. Bei der digitalen Vergrößerung sollte klar sein, das dann das Bild dramatisch schlechter wird, denn hier passiert ja nicht mehr, als dass die Kamera in das Bild zoomt. Alle Modelle haben heute Foto und Videofunktion an Bord. Das ist aber auch nicht mehr als eine nette Spielerei, denn die Qualität der Aufnahmen ist nicht sehr hoch und deutlich schlechter, als das was man auf dem Bildschirm sieht.

Bleibt noch die Frage, ob fest eingebauter Akku oder auswechselbar? Für den Wechselakku spricht, dass im Falle eines Akkuproblems keine teure Reparatur anfällt, sondern einfach ein neuer Akku eingesetzt wird. Bei langen Ansitzen verlängert ein zweiter Akku die Betriebszeit einfach und schnell. Der kostet aber auch Geld und wenn es sich um Spezialakkus handelt wie bei Pulsar, nicht wenig. Zudem haben die Modelle mit fest eingebautem Akku in der Regel auch alle einen Mini-USB Anschluss zum Aufladen. Daran lässt sich auch eine Powerbank anschließen, die mittlerweile sehr günstig sind.

Rotspiesser-Salzlecke-40m
Mit günstigen Geräten sind auf kurze Distanz (Rotspießer, 40 m) gerade noch Details erkennbar. Ab etwa 200 m ist teilweise die Wildart schon nicht mehr ansprechbar.

Fazit: Wer mit einer 1,2- oder 1,5-fachen Vergrößerung klar kommt, ist mit dem Xeye E2 von Infiray bzw. den unter anderer Flagge segelnden Klonen oder dem Hikmicro Lynx LE 15, in der Einsteigerklasse der Wärmebildkameras am besten bedient. Die Sensorauflösung ist fast identisch. Die Bildschirme habe auch die gleiche Pixelzahl und beide arbeiten mit 50 Hz Bildwiederholungsrate. Damit hat man eine Reichweite von 500-600 m je nach Wetterbedingungen und bis etwa 250 m lässt sich auch mit etwas Übung die Wildart erkennen. Wird mehr Vergrößerung benötigt, etwa für den Pirschjäger in der Feldflur, kommt man um das Pulsar Axion mit seiner 3-fachen optischen Vergrößerung kaum herum. Die günstigen Geräte mit den 160x120 Sensoren sollte man nur in Erwägung ziehen, wenn sie ausschließlich auf kurze Distanz eingesetzt werden und man nur sehen will, ob da was ist. Details kann man damit schlecht erkennen, wenn das Stück mehr als 50 m entfernt ist.

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