Bleifreie Laborierungen für die Drückjagd

Da der Gesetzgeber uns Bleidiät verordnet hat, sollte man sich schon vor der Drückjagdsaison um die richtigen „Murmeln" kümmern.
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Der Geradezugrepetierer BRX1 von Beretta wird zurückgerufen. Die Abwicklung ist für Betroffene kostenfrei.
Der Geradezugrepetierer BRX1 von Beretta wird zurückgerufen. Die Abwicklung ist für Betroffene kostenfrei.

Besonders Sauen gelten als schusshart und bei Drückjagden liegt kaum ein Stück am Anschuss. Mehr oder minder große Fluchtstrecken sind die Regel und bei fast jeder Drückjagd fällt die eine oder andere Nachsuche an. Dem Kaliber und besonders dem Geschoss kommen also gerade dort eine besondere Bedeutung zu, denn während bei einem präzisen Treffer im Kammerbereich Wild auch mit schwächerem Kalibern und fast beliebigem Geschoss sicher zur Strecke kommt, ist die Wahl der Munition bei nicht ganz so präzisen Schüssen  wie auf Drückjagden wesentlich wichtiger. Dabei muss das Geschoss genügend Energie abgeben und eine entsprechende „Zerstörungsarbeit“ leisten, damit auch bei nicht optimalem Treffersitz eine tödliche Wirkung erzielt wird.

Große Spannbreite von Wildbretgewichten

Bei Drückjagden ist die Spannbreite der Wildbretgewichte sehr groß. Vom Frischling mit 15 Kilogramm bis zum zehnmal so schweren Keiler, ist mit allem zu rechnen. Zu kleine Kaliber verbieten sich also von selbst, und die unterste Grenze sind 7 mm Kaliber mit schweren Geschossen von 11,5 g. Die geläufigen Standardpatronen .308 Win., .30-06, 8x57 IS, 9,3x62 und die entsprechenden Randversionen dieser Patronen haben sich bestens bewährt. Rasante Magnumpatronen haben bei einer Drückjagd keine Vorteile, sondern sind im Gegenteil eher problematisch. Der Jäger muss Nachteile wie schwere Waffen, hoher Rückschlag, teure Patronen, geringere Magazinkapazität und größere Wildbretentwertung auf kurze Distanzen in Kauf nehmen.

Der Geschossaufbau ist für die optimale Geschosswirkung von größter Bedeutung. Er muss nicht nur zum Wild, sondern auch zum Kaliber passen. Bei Gesprächen mit erfahrenen Drückjagdschützen und nach eigenen Erfahrungen haben sich einige Geschosse als besonders geeignet für den schnellen Schuss auf kurze Distanz gezeigt. Eine kleine Auswahl und einige vielversprechende Neuheiten stellen wir nachfolgend vor. Bleihaltige Geschosse sind heute in vielen Bundesländern schon nicht mehr erlaubt und auch viele Reviere, besonders Bundes- und Landesforsten, schreiben bereits bleifrei vor, auch wenn die Landesjagdgesetze das noch nicht fordern.

Die Treffpunktlage ist entscheidend

Wir haben unsere Auswahl daher auf bleifreie Geschosse beschränkt. Letztendlich ist aber zu bedenken, dass der Treffersitz für die Schusswirkung entscheidend ist. Werden durch einen Treffer lebenswichtige Organe unmittelbar zerstört, wird eine gute Schusswirkung in der Mehrzahl der Fälle erreicht, wobei allerdings lediglich bei Gehirn- oder Rückenmarkstreffern mit einem sicheren Verbleiben am Anschuss zu rechnen ist. Bei allen anderen Treffern kann es immer zu mehr oder minder großen Fluchtstrecken kommen. Schließlich befindet sich in der Blutbahn des Wildes eine Menge Adrenalin, das so manches Stück trotz tödlichem Treffer noch beachtliche Strecken gehen lässt.

Hier entscheiden der Treffersitz, das verwendete Geschoss sowie Kaliber und der körperliche Zustand des getroffenen Stückes. Wer im vorderen Teil des Wildkörpers mit ausreichend starkem Kaliber und gutem Geschoss abkommt, ist immer auf der sicheren Seite. Selbst wenn das Stück nicht am Anschuss liegt, kommt es meist nur zu kurzen, überschaubaren Fluchtstrecken. Gute Patronen und Geschosse (auch zu Übungszwecken) kann man beim Büchsenmacher kaufen. Zum sicheren Drückjagdschützen wird man aber nur durch reichlich Training – und zwar vor den Jagden auf dem Schießstand oder im Schießkino!

GECO Star

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht – das Star ist kein Barnes TSX-Geschoss, sondern eine Eigenproduktion von RUAG.  Das Geschoss besteht aus hochreinem Kupfer und wird im Pressverfahren hergestellt. Bei der Konstruktion hat man sich sehr am Barnes TSX-Geschoss orientiert. Das wird deutlich, wenn man ein gleich schweres Barnes daneben stellt. Das Star ist wie das Barnes von vorn mit einer axialen Bohrung versehen. Das Geschoss pilzt im Seifenblock bilderbuchmäßig mit vier Fahnen bis fast zum Ende der Bohrung auf. Das Geschoss ist bereits seit dem Jahr 2020 auf dem Markt, und die Ergebnisse auf den bisherigen Drückjagden waren sehr gut. Ausschüsse waren stets vorhanden und das Geschoss verhielt sich im Wildkörper richtungsstabil. Die Wirkung ist nahezu identisch zum Barnes TSX und die Patronen können mit dem eigenen Geschoss natürlich deutlich preisgünstiger produziert werden, als wenn man Geschosse von Fremdherstellern einkauft. Die Geco-Star-Laborierung ist eine preisgünstige, leistungsstarke Drückjagdpatrone. Preis: 57,20 €*

www.geco-ammunition.com

RWS Driven Hunt

Die neueste Geschossentwicklung von RWS ist ein speziell für die Drückjagd entwickeltes bleifreies Deformationsgeschoss. Dabei wurde alles auf ein schnelles Ansprechen ausgerichtet. Die Geschossspitze aus orangem Kunststoff ist flach und die darunter liegende Hohlspitze sehr groß. Der Geschosskörper aus Kupfer wurde nickelplattiert. Das Restgewicht liegt bei nahezu 100 % und sorgt für entsprechende Tiefenwirkung. Die ersten Stücke haben wir an der Sauenkirrung auf Distanzen von 50-60 m erlegt, und die Wirkung war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend. In der kommenden Drückjagdsaison wird das neue Geschoss dann ausgiebig in der Praxis getestet. Wenn sich auch dort die erwartete Wirkung auf die adrenalingeladenen Schwarzkittel bestätigt ist dieses neue Geschoss wohl für die Drückjagd eine unbedingte Empfehlung. Preis 90,80 €*

www.rws-ammunition.com

RWS Evo green

Das EVO Green ist ein Teilzerlegungsgeschoss, hier allerdings mit Kernen aus Zinn. Es verwirklicht Prinzipien altbekannter bleihaltiger RWS Geschosse in modernem Design. Das Geschoss hat einen in der hinteren Hälfte stark gehaltenen tombak-nickelplattierten Geschossmantel aus Flussstahl. Zur Spitze hin verjüngt sich die Mantelstärke deutlich. In den hinteren formstabilen Heckkern aus Zinn greift der vordere Kern ein. Der vordere Zinnkern weist radial verlaufende Sollbruchstellen auf. Er ist vorfragmentiert (Mehrfachlochung) zugunsten einer Zersplitterung in viele Einzelteile im Wildkörper. Auf kurze Distanz ist die Wirkung sehr heftig, die Stücke liegen sehr oft am Anschuss oder nach kurzer Flucht. Das ist auch gut so, denn der nur kalibergroße Geschossrest, bringt zwar oft Ausschuss, aber der ist sehr klein. Preis: 96,90 €*

www.rws-ammunition.com

Hornady ECX

Mit dem extra für den europäischen Markt konzipierten ECX-Geschoss stellte Hornady dieses Jahr eine Produktlinie vor, die auf Drückjagdsituationen zugeschnitten ist. Das monolithische Geschoss aus einer Kupferlegierung überzeugt durch seine hohe Augenblickswirkung, große Eindringtiefe und einem Restgewicht von 95 Prozent. Die große und mit einer flachen Polymerspitze verschlossene Hohlkaverne sorgt für ein gleichmäßges Aufpilzen des Geschosses. Entlastungsrillen im Geschosskörper reduzieren den Reibungswiderstand im Lauf sowie den Luftwiderstand beim Flug, wodurch verhältnismäßig mehr Geschwindigkeit und Energie im Ziel angelangt. Das ECX für die Drück- und Waldjagd sowie das ebenfalls neu entwickelte CX für die Berg- und Feldjagd lösen mit diesem Jahr das bewährte GMX-Geschoss von Hornady ab. Preis: 83,00 €*

www.hornady.com

Lapua Naturalis

Lapua verwendet für das Naturalis 99 % reines Kupfer, das speziell behandelt und gehärtet wird. Das vordere Drittel des Geschosses ist mit einer Hohlspitze versehen, die mit einem Kunststoffeinsatz verschlossen wird. Das Geschoss ist so konstruiert, dass es unmittelbar nach dem Einschlag expandiert und seine charakteristische Pilzform annimmt. Durch das frühe und vollständige Aufpilzen will Lapua eine sehr große Einsatzbandbreite in Bezug auf Schussdistanz, Auftreffwinkel und Geschwindigkeit erreichen. Das funktioniert sehr gut, und aus starkem Wild geborgene Geschosse zeigten alle eine identische, nahezu perfekte Pilzform. Die Tiefenwirkung ist gut, und auch mit kleineren Kalibern lässt sich schweres Wild zur Strecke bringen. Es handelt sich um ein seit Jahren bewährtes Drückjagdgeschoss. Preis: 65,50 €*

www.lapua.com

Brenneke TAG

Das TAG ist als Teilzerleger konzipiert. Brenneke versucht hier die Wirkungsweise der TIG und TUG Geschosse auf ein bleifreies Geschoss zu übertragen. Es ist ein Reinkupfergeschoss aus Elektrolytkupfer und erinnert an das typische Brenneke-Design, wie es vom TIG und TUG bekannt ist. Auch das TAG hat ein Torpedoheck und einen Scharfrand. In die Hohlspitze ist ein Aluminiumstift als Deformationsstarter eingesetzt. Die Hohlspitze hat innen liegende Sollbruchstellen. Das TAG soll sich im Vorderteil zerlegen und dabei drei große Splitter abgeben, die noch eine gute Tiefenwirkung erbringen. Der zylindrische Restkörper dringt geradlinig weiter ein und erbringt schließlich den gewünschten Ausschuss. Die drei kräftigen Splitter sollen die Wirkung in die Breite erweitern und auch bei schlechten Schüssen so noch zu Organschädigungen führen. Der Scharfrand sorgt für ein gestanztes Einschussloch und liefert Schnitthaar am Anschuss. Besonders auf kurze Drückjagddistanz hat das TAG eine sehr starke Wirkung und sorgt für kurze Fluchtstrecken. Preis: 94,00 €*

www.brenneke-ammunition.de

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