Beretta Ultraleggero: Das Leichtgewicht unter den Flinten im Test

Die Beretta Ultraleggero ist die leichteste Bockdoppelflinte mit Stahlbasküle. Wir haben sie auf dem Stand und der Jagd getestet.
Image
Regungsloses Verharren, wie bei der Baujagd auf Reineke, ist dank des geringen Gewichts der Flinte länger möglich.
Regungsloses Verharren, wie bei der Baujagd auf Reineke, ist dank des geringen Gewichts der Flinte länger möglich.

Es war ein nasskalter Tag, als ich mit meinem Vater loszog, um einige Kunstbaue zu kontrollieren. Nachdem die ersten beiden Baue nicht befahren waren, zeigte der Dackel im dritten recht schnell an, dass Reineke dort zuhause war. Leider fehlte es dem noch jungen Hund am nötigen Schneid, den Fuchs zum Ausschliefen zu bewegen. So standen mein Vater und ich, die Flinten für einen schnellen Schuss bereit, uns die Beine in den Bauch. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der ich regungslos verharrt hatte, sah ich mich wegen der in den klammen Händen immer schwerer werdenden Flinte genötigt, meinen Griff zu ändern. Ausgerechnet in diesem Moment äugte der Rotrock aus dem Bau und machte, die Bewegung wahrnehmend, prompt kehrt. Noch eine Stunde mussten wir bei Schneeregen warten, bis Reineke dann endlich sprang und in der Garbe unserer Flinten rollierte. Durchnässt und von der Leistung des Hundes nur mäßig begeistert, konnte sich mein Vater einen Kommentar zu meinem Lapsus natürlich nicht verkneifen.

Die Ultraleggero wird inkl. Zubehör und Waffenkoffer geliefert.
Die Ultraleggero wird inkl. Zubehör und Waffenkoffer geliefert.

Im vergangenen Jahr kam mir dieses Erlebnis wieder in den Sinn, als Beretta das neue Modell „Ultraleggero“ auf den Markt brachte. Denn sie sollte die leichteste Bockflinte mit Stahlbasküle im Kaliber 12/ 76 (2,8 kg bei 61 cm Lauflänge; Lauflängen 61/ 66/ 71/ 76 cm verfügbar) der Welt sein. Über Beretta-Importeur Manfred Alberts wurde mir die Flinte zum Testen mit einer Lauflänge von 66 cm zur Verfügung gestellt. Gewicht: 2,9 kg! Neben der Testflinte finden sich im Koffer der Ultraleggero als Zubehör fünf Wechselchokes, Riemenbügel und ein Ölfläschchen.

Gravur aus dem 3D-Drucker

Der erste Blick fiel bei der Flinte auf die „Gravuren“. Denn um Gewicht zu sparen, haben die Italiener die Basküle „skelettiert“. Die entstandenen Ausfräsungen werden durch Einsätze aus Technopolymer abgedeckt. Bei den Gravuren handelt es sich also um florale 3D-Motive. Ob einem diese gefallen, ist Geschmackssache. Der Nussbaumschaft in Holzklasse 2,5 darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Auf dem Jagdparcours prägte natürlich das geringe Gewicht den ersten Eindruck. Dass dieses auch gewisse Nachteile im Rückstoßverhalten hat, liegt auf der Hand. Nach den ersten 150 Schuss hatte ich mich aber soweit auf die Flinte eingestellt, dass der erhöhte Rückstoß für mich nicht mehr besonders ins Gewicht fiel.

Das geringe Gewicht und die kurze Lauflänge waren bei Dubletten mit schnellen Richtungswechseln vorteilhaft, aber auch sonst schwingt die Flinte recht gut. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte aber zu den längeren Läufen greifen, da diese durch das höhere Gewicht den Rückstoß etwas reduzieren und zudem etwas besser schwingen. Auch das Wechseln der Schaftkappe kann helfen. Das Abzugsverhalten des selektiven Einabzugs (jeweils ca. 1.800 g Abzugsgewicht) war dem Preis der Flinte entsprechend tadellos. Ejektoren, Sicherung und Laufwahlschalter funktionierten reibungslos und einwandfrei.

Einsatz bei diversen Jagden

Das Schwungverhalten überzeugte besonders bei schnellen Richtungswechseln.
Das Schwungverhalten überzeugte besonders bei schnellen Richtungswechseln.

Auch bei der Jagd machte die Flinte richtig Spaß. Der erhöhte Rückstoß fiel mir hier persönlich kein einziges Mal (negativ) auf. Für den Einsatz bei Jagden (z.B. Gänsejagd), bei denen man mehr als zehn bis 20 Schuss mit großer Vorlage an einem Tag abgibt, ist eine schwerere Flinte allerdings besser geeignet. Dafür ließ sich die Ultraleggero dank des geringen Gewichts auch über weitere Strecken bei Niederwildjagden angenehm tragen. Bei der Baujagd bzw. der Jagd auf dem abendlichen Entenstrich war regungsloses Warten auch über einen längeren Zeitraum hinweg problemlos möglich.

Fazit: Nach etwa 1.000 Tontauben und einer Strecke von zwölf Enten, vier Füchsen, drei Krähen, einem Dachs und einem Hasen habe ich mich nur schweren Herzens von der Ultraleggero getrennt. Wer wie ich keine Probleme mit dem Rückstoß hat, bekommt eine sehr leichte aber robuste Flinte, die wenig Wünsche offen lässt – egal, ob auf dem Stand oder der Jagd. Der Preis von 2.715 Euro geht damit in Ordnung.

Vor- und Nachteile der Beretta Ultraleggero

Vorteile:

  • Robust und zuverlässig
  • Sehr leicht und führig
  • Wechselchokes
  • Damenmodell zum gleichen Preis

Nachteile:

  • Vergleichsweise starker Rückstoß
  • Linksschaft nur mit Aufpreis
Weitere Funktionen
Kommentieren Sie